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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom September 2006

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nach dem allseits hoffentlich gut verbrachten Sommer möchte ich mich zum Beginn der neuen Saison zurückmelden. Sicherlich sind einige von Ihnen in Hamburg oder im Umland auf die zahlreichen Kulturangebote eingegangen, etwa die Tanzveranstaltung in Hitzacker unter Mitwirkung der Tänzer des HAMBURG BALLETT, darunter Yaroslav Ivanenko und Heather Jurgensen. In der Staatsoper gastierte die MARTHA GRAHAM DANCE COMPANY, und als Kontrastprogramm gab es eine Tango-Show. Frau Fischer wird im Anschluss davon berichten.

Wie in unserem letzten Rundschreiben angekündigt, zeigen wir am Sonntag, dem 8. Oktober 2006 um 11.00 Uhr im Metropolis-Kino den Tanzfilm „Foi“ (Vertrauen, Glaube) des marokkanischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui.

Es tanzt die belgische Tanzcompagnie „Les Ballets C. de la B.“, mit dem Orchester „Capilla Flamenca“. Die Produktion hat viele internationale Preise gewonnen dank ihrer Choreografie, künstlerischen Gestaltung und Ausstrahlung. Schauspiel, Tanz, Gesang und Musik aus dem 14. Jahrhundert verbinden sich zu einer großartigen Geschichte zwischen Mittelalter und Jetztzeit über Glaube, Liebe und Hass als den ewigen Themen der Menschheit. Sidi Larbi Cherkaoui ist auf dem Monaco Tanzforum 2003 mit dem Nijinsky-Award für den besten Nachwuchschoreografen ausgezeichnet worden. Der Film wird Sie interessieren. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Herzlich grüßt Sie

Ihre

Marjetta Schmitz-Esser

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Gedenken an Erika Milee

Vor zehn Jahren, am 27. Juni 1996, starb Erika Milee, die Mitbegründerin der Ballettfreunde Hamburg, damals „Kreis Hamburger Ballettfreunde“. Unser Stipendium, mit dem wir Schüler und Schülerinnen der Ballettschule John Neumeier unterstützen, trägt ihren Namen. Unseren langjährigen Mitgliedern ist sie ein Begriff. Unvergessen sind ihr Enthusiasmus für den Tanz und ihre Bewunderung und Verehrung für die künstlerische Arbeit von John Neumeier, allen bekannt in der Staatsoper, stets mit einer kessen Kappe oder einem Strohhut auf dem Kopf und Blümchen in der Hand für die Künstler.

Die in Hamburg gebürtige Tänzerin, Tanzlehrerin und Choreografin Erika Milee war Meisterschülerin von Rudolf von Laban, holte sich ihre Theaterpraxis im Opernhaus Essen unter Kurt Jooss und an der Folkwangschule Essen. Bei den Künstlerfesten im Hamburger Curio-Haus und auch im Winterhuder Fährhaus gab sie Solo-Tanzabende und veranstaltete Tanzmärchen mit Kindertanzgruppen. Noch 1937 leitete sie Tanzveranstaltungen beim Jüdischen Kulturbund-Theater Hamburg, den heutigen Hamburger Kammerspielen in der Hartungstraße.

1939 verließ sie Deutschland und folgte einer Berufung nach Asunción/Paraguay. Dort wurde sie 1941 Direktorin der Tanzabteilung des „Ateneo Paraguayo“ und gründete die „Escuela Municipal de Danzas“, mit der sie Gastspiele in Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay unternahm. Ihre Tätigkeit in Lateinamerika gab wesentliche Anstöße für die Popularisierung des Tanztheaters in diesem Erdteil und die Ausbildung der Tänzer. 1960 kehrte sie nach Deutschland zurück und unterhielt bis fast zu ihrem Tod eine Tanzschule für Kinder und Laien in Hamburg.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Reisen 2006 / 2007

Unser Programm für die neue Saison ist schon etwas konkreter. Die kleineren Häuser haben noch bis Ende August Theaterferien, sodass Termine hier noch nicht vereinbart werden konnten, mehr dazu im nächsten Rundschreiben.

Vorausgesetzt, es klappt mit den Karten, sollten Sie sich folgende Termine vorsorglich vormerken:

1) Sonntag, den 04.02.2007 Tagesfahrt nach Berlin
18.00 Deutsche Oper: Malakhov & Friends (Staatsballett Berlin)
Eine Ballett-Gala. Es tanzen internationale Star-Gäste sowie Solisten des Staatsballetts Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin
Wir planen eine Tagesreise mit der Bahn, sodass bequem der letzte ICE (23.00 Uhr) von Berlin zurück nach Hamburg erreicht werden kann.

2) Donnerstag, den 29.03. bis Sonntag, den 01.04.2007 München
Die Welt des Marius Petipa

Rückreise am Sonntag, dem 01.04.2007

3) Verleihung des Deutschen Tanzpreises in Essen
Der Deutsche Tanzpreis 2007 sowie der Tanzpreis Zukunft werden im nächsten Jahr später als gewohnt verliehen, die Gala findet am 28. April 2007 im Aalto-Theater Essen statt. Wir teilen Ihnen die Namen der Preisträger mit, sobald diese bekannt gegeben werden.

Wir planen eine Reise zur Verleihung und werden Sie rechtzeitig informieren.

[Udo Rüter]

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Ein persönlicher Bericht über den Besuch der 61. Sommerlichen Musiktage in Hitzacker

Wir waren erstmals in Hitzacker und werden gern wieder hinfahren. Es war - wie meist in diesem Sommer - sehr heiß, am Abend vorher Gewitter mit starken Böen, die etliche Bäume über die Zufahrtsstraßen wirbelten. Wir haben die Tänzer bedauert, die bei diesem Wetter die einzige Aufführung von „The Sea Inside“, Benjamin Britten, vorzubereiten hatten. Das Kurhaus VERDO mit dem Konzertsaal liegt auf einer Anhöhe mit weitem Blick über das Elbetal. Von unserem Stellplatz nahe der Altstadtinsel brauchten wir bei stark reduziertem Tempo 20 Minuten zu Fuß, um nicht völlig verschwitzt oben anzukommen. Das Haus war umlagert von sommerlich gekleideten Menschen, die schon dem Eröffnungskonzert am Nachmittag beigewohnt hatten und nun auf die „Wassermusik I“ mit Tanz warteten. Wassermusik war das Thema der 61. Sommerlichen Musiktage in Hitzacker. Wir trafen eine ganze Reihe unserer Hamburger Ballettfreunde, und so verging die Zeit bis zum Beginn wie im Fluge.

Der Konzertsaal ist etwas ungewöhnlich, er verfügt über zwei Bühnen, die im Winkel von etwa 135 Grad nebeneinander liegen, links für die Musiker offen, rechts für die Tänzer zunächst mit einem Vorhang geschlossen. Der Saal, dessen Sitzreihen in zwei Blöcken jeweils auf die Bühnen ausgerichtet sind, war bis auf den letzten Platz voll.

Es spielte das Ensemble Resonanz. Teil 1: Les Illuminations, op. 18 für Tenor und Streicher (1939). Teil 2: Four Sea Interludes aus Peter Grimes, op. 33 (1944/45), bearbeitet für Kammerorchester (für diese Aufführung) von Thorsten Encke. Teil 3: Serenade op. 31 für Tenor, Horn und Streicher (1943). Sänger: Lothar Odinius; Horn: Jens Plücker. Tanz gab es in den Teilen 1 und 3, parallel zu den Gesängen nach Versen von Arthur Rimbaud (1845-1891) und mehreren englischen Dichtern überwiegend aus dem 17. Jahrhundert.

Yaroslav Ivanenko hatte schon seit Anfang des Jahres in vielen Wochenendfahrten nach Hannover mit den drei Tänzern vom Thoss-Ballett (Vanessa Curado, Masa Kolar und Zoran Markovic) die Choreografie erarbeitet und umfangreiche Partien für Heather Jurgensen und sich integriert. Im Teil 1 wurde mit Bezug auf die teils skurrilen und surrealistischen Verse Rimbauds in schnellen Wechseln von Soli und kleinen Gruppen ungemein flink überwiegend modern getanzt. Im Teil 3 ergab sich für mich eine „Orpheus und Eurydike-Geschichte“, die ich sehr anrührend fand. Ein Engel (Curado) und ein Paar „Lichtwesen“ (Jurgensen und Ivanenko) stellten eine Verbindung zwischen dem Trauernden (Markovic) und der Verstorbenen (Kolar) her. Leider geht ja eine solche Vorstellung immer viel zu schnell vorüber. Wenn man die Musik nicht vorher genau kennt und die Texte nicht vorher studieren konnte, fällt es schwer, Einzelheiten zu registrieren und zu benennen. Die Musik wurde vom NDR aufgezeichnet; der Tanz leider nicht, sodass es keine Gelegenheit geben wird, in einer Wiederholung Eindrücke zu verfestigen. Das Thoss-Ballett ist aufgelöst, die Tänzer sind kaum wieder zusammen zu bringen.

Der Beifall für die Musiker, den Sänger und die Tänzer war überwältigend und langanhaltend. Ein wunderbarer Erfolg für Yaroslav Ivanenko.

Einige von uns „Hamburgern“ warteten am Bühnenausgang auf die Tänzer, denen wir zum Erfolg gratulierten, und es ergab sich noch ein nettes Gespräch mit Heather Jurgensen, die freundlich und bescheiden auf unsere Fragen einging. Der Rest des Häufleins, der auf keine Zugverbindungen in Hamburg angewiesen war, ließ den wunderbaren Abend vor einem benachbarten Restaurant ausklingen und sah zu, wie der Silberglanz der Elbe langsam im Dunkel versank.

[Henning Matthiessen]

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Sommer-Gastspiele in der Hamburgischen Staatsoper

IWenn die meisten Künstler und Mitarbeiter der Hamburgischen Staatsoper im wohl verdienten Sommerurlaub weilen, wird das Haus an der Dammtorstraße gern von Gästen genutzt. In diesem Jahr besuchte die MARTHA GRAHAM DANCE COMPANY aus New York auf ihrer Jubiläumstour zum 80-jährigen Bestehen unsere Stadt; und unmittelbar danach zeigten Künstler aus Buenos Aires im Musical „Tanguera“ die Geschichte des argentinischen Nationaltanzes.

Hochinteressant waren zunächst die Werke aus drei unterschiedlichen Schaffensphasen der „Mutter des Modernen Tanzes“, wie Martha Graham auch genannt wird. „Sketches from ‚Chronicle’“, das 1936 in Reaktion auf den Faschismus in Deutschland entstand, blieb in der Darstellung von Verzweiflung, Leid und Auflehnung recht verschlüsselt in seiner Körpersprache. Grahams „Embattled Garden“ dagegen wird sehr konkret von Konflikten, Eifersucht und einem Schlangenmann als Verkörperung des Bösen heimgesucht, also kein paradiesischer Garten Eden, in dem sich die beiden Paare tummeln. „Acts of Light“ schließlich ist eine Hommage an die Sonne, ein wunderschön zelebriertes Ritual, das auf tanztechnischem Niveau jedoch Wünsche offen ließ.

Das Musical „Tanguera“ lebte von virtuos getanzten Szenen, der Gesang kam allerdings ein wenig zu kurz. Das Schicksal einer Einwanderin wurde geschickt verknüpft mit den allgemeinen Lebensbedingungen damals im Melting Pot der argentinischen Großstadt, doch alles blieb an der geglätteten Oberfläche. Die Tänzer beherrschten ihr Handwerk, und auch die Stilistik des Tango präsentierte sich makellos und variationsreich, aber vom verruchten Ambiente der Geburtsstätte des weltberühmten Tanzes blieb wenig übrig, die Atmosphäre atmete weder Melancholie noch unerfüllte Sehnsüchte.

[Dagmar Fischer]

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Kurznachrichten

35 Hamburger Theater öffnen ihre Türen zur 3. Hamburger Theaternacht am 9. September 2006. Im Großen Haus der Staatsoper beispielsweise beginnt das Programm (leider erst) um 22.15 Uhr, auf der Probebühne 1 und in der Opera stabile geht’s bereits ab 19 Uhr los. Auch das Ballettzentrum – John Neumeier legt eine Spätschicht ein: Zwischen 19 und 22 Uhr können Tänzer der Compagnie bei Proben zu „Requiem“ für das Wien-Gastspiel des HAMBURG BALLETT beobachtet werden, außerdem stehen Szenen aus der „Artus-Sage", der ersten Wiederaufnahme der neuen Spielzeit am 7. Oktober 2006, auf dem Probenplan. Ballettzentrum, Caspar-Voght-Str. 54.

„Laokoon“, das Kampnagel Sommerfestival, findet 2006 zum letzten Mal in Hamburg statt und endet am 9.9.06. Kuratorin und Intendantin Gordana Vnuk wird im Sommer 2007 die Hansestadt verlassen. Zum Finale zeigt das LIVING DANCE STUDIO aus China ihren „Report on 37,8°“, eine Auseinandersetzung mit der Angst vor dem grassierenden Virus SARS, am 7., 8. und 9. Sept. jeweils um 20.30 Uhr. Karten unter Tel.: 27 09 49 49.

Royston Maldoom, der durch den Film „Rhythm is it!“ weltbekannt gewordene Choreograf und Pädagoge, verlegt seinen Wohnsitz von England nach Deutschland. Denn hier hat er in den vergangenen Monaten die meisten seiner Projekte erarbeitet. Zur Zeit hält er sich in Hamburg auf, um das von der Hamburger Dr. E. A. Langner Stiftung unterstützte Festival CAN DO CAN DANCE durchzuführen. Das, was seit über 30 Jahren in England unter „Community Dance“ sehr populär ist, möchte Maldoom auch hierzulande mehr verankern. Die Ergebnisse der Arbeit mit fünf unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen sind am 16. und 17. September im Deutschen Schauspielhaus zu sehen.

Jahrhunderttänzer – welch eine Auszeichnung. Es ist Vladimir Malakhov, der mit diesem Prädikat und einem großformatigen Bildband gleichen Titels geehrt wird. Die Fotos stammen ausschließlich von der in der Fachwelt bekannten Fotografin Gundel Kilian, unter den Autoren sind so wohl klingende Namen wie Klaus Geitel, Hartmut Regitz und Marcia Haydée. Impressionen aus 16 Werken bündelt die Publikation, dabei wird der russische Ausnahmetänzer in der faszinierenden Vielfalt seiner Rollen festgehalten: Als nachdenklicher Prinz, kraftvoller Faun, zweifelnder Albrecht und bei zahlreichen Proben im Ballettsaal. Das Charisma und die Wandlungsfähigkeit von Vladimir Malakhov konnten tatsächlich auf und zwischen den Buchseiten eingefangen werden.

[Dagmar Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 27.11.06, [ddd]