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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Juli 2007

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

in den großen Jubel und die Begeisterungsstürme der diesjährigen, fast sechsstündigen Gala zum Abschluss der Hamburger Ballett-Tage mischte sich auch Wehmut. John Neumeier verabschiedete mit sehr anrührenden Worten die langjährige Erste Solistin und „Jewel of the Company“ Heather Jurgensen, die sich einem neuen Lebensabschnitt zuwenden wird.

Auch die beliebte Niurka Moredo geht von der Bühne, bleibt aber als Ballettmeisterin dem HAMBURG BALLETT erhalten.

Susanne Menck, die Choreologin, tritt, wie sie sagte, in den „Halbruhestand“. Sie wird sich auch weiterhin der Einstudierung verschiedener Ballette in Hamburg und darüber hinaus widmen.

Mit einem bezaubernden Pas de deux aus „Romeo et Juliette“ zur Musik von Hector Berlioz in der Choreografie von Amedeo Amodio gab Alessandra Ferri ihren Abschied.

Jeder Abend der zweiwöchigen Ballett-Tage brachte Höhepunkte. Es ist unglaublich, mit welch vielfältigem und künstlerisch derart anspruchsvollem Programm die Compagnie aufwartet. „Die kleine Meerjungfrau“ in Person von Silvia Azzoni hat uns alle bezaubert. Ausführlich über das Programm wird Frau Fischer im Anschluss berichten.

So gehen wir mit den schönsten Bildern im Kopf und im Herzen in die Sommerpause. Der Vorstand wünscht allen Wärme, Sonne und Erholung.

Herzlich

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Ehrung für John Neumeier im Hamburger Rathaus

Mit einem glänzenden Empfang hat der 1. Bürgermeister Ole von Beust mit seinem Senat am 07. Juni 2007 die Person und das Werk von John Neumeier geehrt und ihm die Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Einstimmig hatte dies direkt zuvor die Hamburger Bürgerschaft in einer Sondersitzung beschlossen. Damit war John Neumeier in die ganz dünne Luft des Olymps emporgehoben, die neben Johannes Brahms nur sehr wenige Berühmtheiten aus dem Bereich der Kultur je hatten atmen dürfen. Es gab würdige Festreden, ein großzügiges Büffet, und die Säle des Rathauses standen jedem Gast offen. Für alle, die dem Werk John Neumeiers und dem HAMBURG BALLETT verbunden sind und die, wie ich, den Vorzug hatten, eingeladen zu sein, fiel etwas von dem Glanze ab. Frei konnte man sich fühlen und sagen: „Wir sind Ehrenbürger“.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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„Hamburg Ballett – Ein Porträt“, Photographien von Rebecca Hoppé

Da staunte selbst Rebecca Hoppé: So viele Besucher hatte sie nicht auf ihrer Vernissage erwartet. Am 28. Juni, abends um 19 Uhr, wurde ihre Ausstellung „Hamburg Ballett – Ein Porträt“ im Levantehaus eröffnet. (Dafür hatten die Ballettfreunde noch am selben Vormittag anlässlich der Hauptprobe in der Staatsoper Werbung gemacht.) Die Fotokünstlerin hatte über Jahre hinweg Tänzer des Hamburg Ballett mit der Kamera begleitet, eine Auswahl der besten Porträts waren nun von Ende Juni bis zum 18. Juli in Hamburg zu sehen.

John Neumeier, Ulrike Schmidt, Uschi Ziegler und Birgit Pfitzner waren zur Eröffnung am 28. Juni gekommen und – soweit man das im Tumult ausmachen konnte – auch jene Tänzer, die auf den Fotos porträtiert wurden. Und darüber hinaus kamen weitere Kollegen, denn fotografiert hat Rebecca Hoppé natürlich weit mehr „Motive“ als in der Ausstellung gezeigt werden konnten, und die gesamte reiche Ausbeute ihrer Arbeit soll ja später in einem Buch veröffentlicht werden. Marjetta Schmitz-Esser und Renate Dreher vertraten den Vorstand - und die anwesenden Ballettfreunde konnte man kaum noch zählen, so viele waren es.

Heather Jurgensen sprach auf der Vernissage würdigende und sehr warmherzige Worte über Rebecca Hoppé und deren behutsame Art, die Tänzer in bestimmten Posen abzulichten. Das besondere Einfühlungsvermögen führte die Erste Solistin darauf zurück, dass die Fotografin das Metier aus eigener Erfahrung kennt: Sechs Jahre lang war Rebecca Hoppé als Kind und Jugendliche in der Ausbildung an der Ballettschule des Hamburg Ballett – in diese Zeit, 1991, fällt übrigens auch ein Teilstipendium der Ballettfreunde Hamburg für sie aus Mitteln der Charlotte Uhse-Stiftung. Doch schließlich entschied sich die damals 15-Jährige Rebecca, lieber ein „normales Leben“ zu führen und nicht alles dem Ballett unterzuordnen. Auf einem Umweg ist sie nun doch wieder beim HAMBURG BALLETT angekommen.

Über Ölbilder, die sie nach Vorlagen von Fotografien anfertigte, fand sie zur Porträtfotografie, und nach dem Abitur begann sie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Armgartstraße ein fünfjähriges Studium, das sie mit dem Diplom in Kommunikationsdesign abschloss. Während des Studiums erlernte sie die gute alte Technik, Fotos in der Dunkelkammer zu entwickeln, dabei entdeckte sie ihre besondere Vorliebe für Porträtaufnahmen. Inzwischen hat sie auf diesem Gebiet ihre ganz eigene Handschrift kultiviert: Sie fotografiert nur analog, ausschließlich in schwarz-weiß, das Licht kommt meist von links, und ihre Vergrößerungen sind immer Handabzüge.

Wenn sie heute Yohan Stegli als „Geist der Rose“ fotografisch festhält – eine jener Rollen, die Nijinsky unsterblich machten – dann hat das noch eine zusätzliche, besondere Bedeutung: Rebecca Hoppé ist die Urenkelin von E. O. Hoppé, einem deutschen Bankkaufmann, der in England Karriere als Prominenten-Fotograf machte; und in dieser Eigenschaft bekam er zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auch Tänzer der BALLETS RUSSES vor die Linse, neben Anna Pavlova und Tamara Karsawina eben auch Waslaw Nijinsky. So verwundert es nicht, dass Rebecca Hoppé in ihrer Ausstellung über das HAMBURG BALLETT eine Fläche für ihren Urgroßvater und seine Fotografien reserviert hatte.

[Dagmar Fischer]

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Die 33. Hamburger Ballett-Tage 2007

Selten sei es in der Geschichte des Tanzes je passiert, dass ein Choreograf das gleiche Thema ein zweites Mal aufgreift und eine völlig andere Choreografie entsteht - so erzählte John Neumeier in der Pressekonferenz zu den diesjährigen Hamburger Ballett-Tagen: „Sie können ‚Undine’ und ‚Die kleine Meerjungfrau’ miteinander vergleichen und Sie werden feststellen, dass sich fast keine Bewegung wiederholt!“ Vergleichen können wir nicht, aber wir glauben ihm ohnehin. Und auch die Musik ist ja eine völlig andere: Wogte „Undine“ zu Hans Werner Henzes Komposition im Meer, so wird „Die kleine Meerjungfrau“ von Lera Auerbachs Musik begleitet, die sie nach der Uraufführung 2005 in Kopenhagen allerdings noch einmal gründlich überarbeitete. Mit großer Spannung erwartete das Hamburger Publikum John Neumeiers Märchenballett, denn unüblich ist es schon, dass eine seiner Kreationen erst mit so großer Verspätung „zu Hause“ gezeigt wird. Aber das Warten hatte sich natürlich gelohnt: „Die kleine Meerjungfrau“ eröffnete die 33. Hamburger Ballett-Tage und wurde begeistert aufgenommen.

Silvia Azzoni in der Titelrolle ist nun in der Tat eine wirklich KLEINE Meerjungfrau, wie John Neumeier in der vorbereitenden Ballett-Werkstatt am 10. Juni betonte. Aber dafür ist ihre tänzerische Leistung und die schauspielerische Darstellungskraft umso größer. Was dem Choreografen am Herzen lag, vermittelt die Erste Solistin hochdifferenziert, virtuos und zugleich anrührend: Jene Entwicklung von einem zunächst glücklichen Wasserwesen, das jedoch gegen alle Vernunft das Leben der Menschen auf der Erde teilen will, um eine unsterbliche Seele und die Liebe des Prinzen zu erlangen; wie dieses zerbrechliche Geschöpf sich dann unweigerlich in ein tragisches Schicksal verstrickt und am Ende, so will es der Dichter Andersen, doch noch Erlösung als Tochter der Luft erfährt – Silvia Azzoni gelingt eine überirdisch schöne Interpretation der traurigen Wassernixe. Carsten Jung ist ihr ganz und gar wunderbar irdischer Prinz, der sich bekanntlich eine Prinzessin aussucht, die ebenfalls von dieser Welt ist, und Hélène Bouchet tanzt die sich gebührend zierende Braut sehr überzeugend. Obwohl seine Rolle wenig Spektakuläres hat, strahlt Lloyd Riggins als Hans Christian Andersen, wie man es von diesem Weltklasse-Tänzer kennt – er tanzt einen zutiefst unglücklichen Dichter, der seinen Geschöpfen begegnet, die Fäden spinnt und dennoch ständig zweifelt. John Neumeiers Werk hat philosophische Tiefe, ohne auf die Poesie eines Märchens verzichten zu müssen.

Unsterblich wurde „Die Kameliendame“ schon 1848 durch den Roman von Alexandre Dumas d. J., John Neumeier kreierte seine Version der Geschichte 1978, damals für Marcia Haydée. Seither haben einige Solistinnen des HAMBURG BALLETT in dieser Rolle geglänzt. 2007 nun lud John Neumeier Alessandra Ferri nach Hamburg ein: Die italienische Tänzerin von Weltruf beendete ihre Karriere mit dieser Rolle im Frühjahr zu Hause an der Mailänder Scala, doch für die Hamburger Ballett-Tage tanzte sie die Rolle der bekannten Kurtisane noch einmal. Begleitet wurde sie von Roberto Bolle, der den jungen Liebhaber Armand brillant verkörperte. Er ist ein temperamentvoller Verehrer, sie tanzt die liebende und leidende, vom Geld reicher Männer abhängige Frau mit zerbrechlicher Hingabe. „Die Kameliendame“ auf italienisch lässt das Repertoire-Werk Neumeiers in neuem Licht erscheinen. Dazu trugen auch die drei anderen Gast-Solisten der Pariser Oper bei: Michaël Denard gibt Armands Vater Würde als moralische Instanz; Isabelle Ciaravola und Christophe Duquenne verkörpern Manon Lescaut und Des Grieux, das Spiegelbild des unglücklichen Liebespaares. Unverzichtbar in weiteren Rollen: Tänzer des HAMBURG BALLETT, allen voran Carsten Jung und Laura Cazzaniga als frivole Lebenskünstler des 19. Jahrhunderts.

Sechs Stunden dauerte die „Nijinsky-Gala“ 2007, und doch war sie schnell vorüber. Als Resumee der Spielzeit, die unter dem Motto „Mythen und Märchen“ gestanden hatte, zeigte sie eine Auswahl aus John Neumeiers von Mythen und Märchen inspirierten Werken, aber auch Beispiele anderer Choreografen. Gaststars aus New York, St. Petersburg, Berlin und Paris bereicherten den Abend, der wieder einmal einen glanzvollen Schlusspunkt unter eine ereignisreiche Spielzeit setzte.

[Dagmar Fischer]

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Reisen: Tagesfahrt nach Kie

Queensland Ballett Australien gastiert mit „Cloudland“ im Opernhaus Kiel

am Mittwoch, dem 17. Oktober 2007

Die erste unserer Reisen in der neuen Saison führt uns nach Kiel. Wir erinnern uns dabei an das Gastspiel des Queensland Ballett im vergangenen Jahr, das wir gemeinsam mit viel Freude und Interesse besucht haben. Das Ensemble gastiert anlässlich seiner Europa-Tournee in Kiel mit dem neuen Programm „Cloudland“, einer Choreografie von François Klaus, dem Leiter des Ensembles. (Für unsere jüngeren Mitglieder des Vereins: François Klaus war 18 Jahre lang bis 1991 ein unvergesslicher Tänzer des HAMBURG BALLETT).

„Cloudland“ erzählt die wechselvolle Geschichte des legendären Cloudland-Tanzsaales in Brisbane von der Eröffnung 1938 bis zu seiner Zerstörung 1982. Zu Musik von Glenn Miller, Paul Linke, Cole Porter, Johann Strauß u.a. wurden hier Walzer, Tango, Jive und Rock’n’Roll getanzt.

Der Eintritt Australiens in den Pazifik-Krieg bedeutete einen gewaltigen Umbruch im Leben junger Australier. Die stationierten Soldaten faszinierten die Mädchen und waren für die einheimischen Jungs Rivalen. Hier erleben wir im Ballett Schicksale mit Freude, Abschied, Tod. Der Abend setzt dem Cloudland Ballroom ein Denkmal, nicht ohne Sinn für komische Situationen und akrobatische Darbietungen. Da das Gebäude städteplanerischen Überlegungen im Wege stand, wurde es gegen den Willen der Bevölkerung abgebrochen.

Vorstellungsbeginn: 19.30 Uhr, Ende: gegen 21.30 Uhr

Wir fahren mit dem Regionalexpress ab Hamburg Hbf um 16.20 Uhr, Ankunft in Kiel um 17.22 Uhr, so dass Zeit für einen Imbiss im Theaterfoyer bleibt.

Rückfahrt von Kiel um 22.21 Uhr, Ankunft in Hamburg Hbf um 23.37 Uhr.

Anmeldeschluss: 14. August 2007

Über weitere Reiseaktivitäten werden wir Sie in unserem nächsten Rundschreiben informieren.

An der Wien-Reise im Dezember 2007 nehmen 24 Mitglieder teil.

[Udo Rüter]

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Letzte Aktualisierung: 22.04.09, [ddd]