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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Dezember 2007

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen – und manchmal eben auch noch ein zusätzliches Rundschreiben. Unvermutet erhalten Sie einen weiteren Brief von uns in diesem Jahr, denn wichtige Begebenheiten werfen ihre Schatten voraus: Soeben erreichte uns die Nachricht, dass John Neumeier den DEUTSCHEN JUBILÄUMS-TANZPREIS 2008 erhalten wird. Nun bekommt die von uns ohnehin geplante Reise nach Essen noch eine ganz spezielle Dimension. Es ist großartig, dass dieser herausragende Künstler auf diese Weise geehrt wird. Ein Reiseangebot liegt diesem Rundschreiben bei. Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültig verbindlichen Preise nennen können, diese werden wir Ihnen im Januar-Rundschreiben mitteilen.

Dieses und auch unser zweites Reiseangebot – zu einer der seltenen Noverre-Rekonstruktionen und zum Tanzarchiv nach Leipzig – wird von Frau Ulrike Jessenberger organisiert; das hat den großen Vorteil, dass sie als Reiseveranstalterin bei der Deutschen Bahn verlässlichere und letzten Endes günstigere Konditionen bekommen kann als eine Privatperson. Insofern müssen alle Anmeldungen an die Adresse und sämtliche Überweisungen auf das Konto von Frau Jessenberger gehen.

Nicht nur erfreuliche Meldungen erreichten uns in diesen Tagen, auch die traurige Nachricht vom Tode Maurice Béjarts machte weltweit Schlagzeilen. Dem französischen Choreografen fühlen wir uns in besonderer Weise verbunden, da seine Werke immer wieder Anlass zu Reisen gaben: In den 80er Jahren fuhren wir nach Brüssel, wo er seinen Weltruhm begründete; später sahen wir „Der Sturm“ während der Ruhrfestspielen in Recklinghausen und 1990 den „Ring um den Ring“ bei der Premiere in Berlin. Aber auch in Hamburg war Maurice Béjart mehrfach zu Gast, ihn und John Neumeier verband eine langjährige Freundschaft. Dagmar Fischer schrieb einen Nachruf auf den berühmten Choreografen, den wir in diesem Brief veröffentlichen.

So wünsche ich gern noch einmal allen Ballettfreunden im Namen des Vorstands eine gesegnete Weihnacht sowie ein friedvolles und für Sie erfolgreiches Neues Jahr.

Herzliche Grüße,

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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„Romeo und Julia“ in Schwerin

Bei trockenem Wetter und in guter Stimmung machten sich 34 Ballettfreunde am 18.November im Zug auf den Weg nach Schwerin. Das uns bekannte Theater war zwischenzeitlich renoviert worden und präsentierte sich in einem eindrucksvollen Zustand. Drinnen erwartete uns eine außerordentlich berührende Vorstellung von „Romeo und Julia“, von der Koreanerin Young Soon Hue choreografiert, leicht gekürzt zwar, aber voller Spannung. In zeitlosen Kostümen und vor schlichtem Bühnenbild gelang der Choreografin mit dem nur 16 Mitglieder zählenden Ensemble eine wunderbare Inszenierung. Der große Enthusiasmus der Tänzer sprang auf das Publikum über, und am Ende war das ganze Haus von Begeisterung erfasst. Nach der Vorstellung trafen wir unsere ehemalige Stipendiatin Ana-Jelena Stupar, die eine hinreißend anrührende Julia getanzt hatte. Sie erzählte mit großer Hingabe von ihrer Arbeit am Schweriner Theater und freute sich riesig, so viele Hamburger Ballettfreunde dort wiedersehen zu können. Ballettdirektor Jens Urbich, ein ehemaliger Schüler Tom Schillings, begrüßte uns herzlich bei diesem sich anschließenden Empfang, und so hatten wir noch Gelegenheit, sowohl mit ihm als auch mit „Julia“ und „Romeo“ zu sprechen.

Auf dem Rückweg aßen wir in einem kleinen Restaurant, das wegen der Ballettfreunde an diesem Abend länger öffnete. In allerbester Stimmung fuhren wir nach Hamburg zurück.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Der Tod und der Tanz - Nachruf zum Tode von Maurice Béjart

Er war davon überzeugt, dass der Tod zum richtigen Zeitpunkt zu ihm kommen werde. Mag sein, dass der Morgen des 22. November 2007 tatsächlich ein solcher Moment für Maurice Béjart war. Für die Tanzwelt jedoch konnte es einen derartigen Zeitpunkt gar nicht geben, denn sie verlor in diesem Augenblick einen ihrer größten Künstler.

„Mein Geburtsdatum finde ich wunderbar“, sagte der am Neujahrstag 1927 in Marseille geborene Maurice Berger, Sohn des Philosophen Gaston Berger. Den Nachnamen änderte er früh, nach Madeleine Béjart, der Geliebten Molieres. Sein Berufswunsch Tänzer erschütterte das bürgerliche Elternhaus, und ein erster Protest war formuliert.

Mit der tänzerischen Ausbildung beginnt er in Marseille, setzt sie in Paris bei verschiedenen Lehrern fort, um sie schließlich bei Vera Volkova in London abzuschließen. Als klassischer Tänzer debütiert er 1946 in Marseille, an der Seite von Janine Charrat und Roland Petit geht er auf Tournee. 1949 schließt er sich dem INTERNATIONAL BALLET der englischen Tänzerin Mona Inglesby an, von 1950 bis 1952 tanzt er beim Königlich Schwedischen Ballett. In Stockholm entsteht auch 1951 seine erste Choreografie, „L'Inconnu“.

Zusammen mit dem Schriftsteller Jean Laurent gründet Maurice Béjart Mitte der 50er Jahre die Gruppe LES BALLETS DE L’ÈTOILE, daraus geht 1957 das BALLET THÈÂTRE DE PARIS hervor, Maurice Béjart ist das Zentrum beider Truppen: Künstlerischer Direktor, Choreograf und Starsolist in Personalunion. 1955 entsteht die berühmte „Symphonie pour un homme seul“, nicht nur die Thematik des einsamen Menschen ist neu, auch die „konkrete Musik“ von Pierre Henry und Pierre Schaeffer klingt in den Ohren der damaligen Zeit verdammt ungewohnt.

1959 choreografiert Maurice Béjart in Brüssel „Le Sacre du Printemps“, der enorme Erfolg führt 1960 zur Gründung des BALLETT DES 20. JAHRHUNDERTS am Brüsseler Théâtre de la Monnaie. In den folgenden Jahren baut er diese Truppe zu einer international bekannten Compagnie auf, vor allem junge Zuschauer wollen seine Ballette sehen, auf den Tourneen gewinnt er weltweit ein neues Publikum für die Tanzkunst.

Mit einem Philosophen als Vater ist der Zusammenprall mit Nietzsche vielleicht unumgänglich, und von ihm zu Richard Wagner ist es ja nur ein Katzensprung. Béjart war 1961 an der Bayreuther Tannhäuser-Produktion von Wieland Wagner beteiligt – der Auftakt zu einer Auseinandersetzung mit Wagner und seinen Werken. Auch „Die Stühle“ platzieren sich zu Wagners Musik, das Ballett nach dem gleichnamigen Drama „Les Chaises“ von Eugène Ionesco wird 1981 mit Laura Proenca und Maurice Béjart in Rio uraufgeführt, 1988 mit Marcia Haydée und John Neumeier unter dem Titel „Über Ionesco: Hamburger Impromptu“ wiederaufgenommen. Als John Neumeier 1988 mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt wird, hält Maurice Béjart die Laudatio; sechs Jahre später nimmt er die Auszeichnung selbst entgegen.

Nach Streitereien um Finanzen wechselt der Choreograf 1987 von Belgien ins schweizerische Lausanne, mit dem BÉJART BALLET LAUSANNE entstehen u.a. der „Ring um den Ring“ (UA in Berlin 1990) und „Der wunderbare Mandarin“ (1992).

Zur Compagnie gehört seit 1970 ständig eine Schule: Was in Brüssel Mudra (benannt nach der indischen Gesten-Lehre) heißt und ab 1977 unter Mudra Afrique als Zweigstelle in Dakar existiert, wird in Lausanne zu Rudra.

Im August 2002 gründet Maurice Béjart die Compagnie „M“ für junge Tänzer, für sie kreiert er „Mère Teresa et les enfants du monde“, gemeinsam mit Marcia Haydée geht die Truppe auf Tournee. Zum 80. Geburtstag schenkt er sich „La vie du danseur racontée par Zig et Puce“: Zig und Puce, Figuren aus Béjarts Kindheit, erzählen aus dem Tänzerleben.

Béjart war Kosmopolit, er unterwarf sich keinerlei Genregrenzen, verfolgte lange Zeit ein „spectacle total“. Wenn es um seine Bühnenkunst ging, setzte er sich über geografische oder stilistische Beschränkungen hinweg. Er inszenierte Theaterstücke und Opern, hat Filmprojekte realisiert und als Autor einen Roman, Erinnerungen, Tagebücher, einen Gedichtband und ein Theaterstück veröffentlicht. Über 200 Choreografien zählt sein Oeuvre, das die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusste. Virtuose, akademische Tanztechnik konnte sich in Béjarts Tanzsprache mit Kampfsportmotiven ebenso verbinden wie mit sinnlicher Leidenschaft oder auch den Mitteln des Schauspiels. Den männlichen Tänzer rückte er dabei oft in den Mittelpunkt seiner Werke.

Gesundheitliche Beschwerden schränkten seine Arbeit seit geraumer Zeit ein, wegen eines Hüftleidens musste der Choreograf einen Rollstuhl nutzen. Mitte November wurde er wegen Herz- und Nierenproblemen in das Lausanner Universitätsspital eingewiesen, griff aber vom Krankenbett aus noch in die aktuellen Proben zur jüngsten Choreografie „In 80 Tagen um die Welt“ ein; die Premiere war für den 20. Dezember in Lausanne geplant. Ob sie stattfindet, ist zum jetzigen Zeitpunkt ebenso unklar wie die Tatsache, was genau hinter dem Verbot steckt, Béjarts Choreografien nach seinem Tod nicht mehr aufzuführen. Maurice Béjart hat sich zeitlebens auf verschiedensten Ebene mit dem Sterben beschäftigt, er wird eine Regelung getroffen haben für die Zeit nach seinem eigenen Tod. Erst recht, wenn er davon überzeugt war, dass er ihn zu einem passenden Zeitpunkt erwarten kann.

[Dagmar Fischer]

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Reisen: Leipzig und Essen

Leipzig

Reise nach Leipzig zum Tanzarchiv und „Jason et Medée“ nach J. G. Noverre

Der Franzose Jean-Georges Noverre (1727 – 1810) war ein bedeutender Reformator des Balletts, der sich für nachvollziehbare Handlungsballette einsetzte. „Jason et Medée“ zählt zu seinen bekanntesten Werken, das nach der Uraufführung 1763 in Stuttgart auch in Paris, Wien und London gezeigt wurde. 1992 rekonstruierte Ivo Cramer das Ballett im Sinne und mit Stilmitteln des 18. Jahrhunderts zu Musik von Jean Joseph Rodolphe. 45 Minuten vor jeder Vorstellung wird eine Einführung zu Stück und Inszenierung in der Oper Leipzig angeboten. Erzählt wird die Geschichte von Medea, einer der bekanntesten tragischen Frauenfiguren der Antike, die ihre beiden Kinder vor den Augen ihres Mannes Jason tötet, nachdem sich dieser wegen einer anderen Frau von ihr getrennt hatte.

Am Freitagvormittag werden wir das Tanzarchiv Leipzig besuchen, das 1958 von dem Musikwissenschaftler Kurt Petermann gegründet wurde. Die heutige Geschäftsführerin, Frau Dr. Janine Schulze wird uns für die Dauer einer guten Stunde durch das Archiv führen und anschließend unsere Fragen beantworten.

Rückfragen bitte an Frau Ulrike Jessenberger unter Telefon 093 03 – 98 47 80.

Die Anmeldung muss spätestens am 20. Dezember 2007 eingegangen sein bei:

BALLETTFREUNDE HAMBURG e.V.

c/o WK-Reisen – Hamburg-Würzburg

Reissgarten 4

97288 Theilheim

Essen: "Der Deutsche Jubiläums - Tanzpreis" geht an John Neumeier

Zum 25. Mal wird im kommenden Jahr der Deutsche Tanzpreis verliehen. Mit diesem Jubiläums-Tanzpreis wird am 1. März 2008 John Neumeier für sein Lebenswerk geehrt. Der Choreograf und Hamburger Ballettintendant erhält den renommiertesten Tanzpreis Deutschlands für sein choreografisches Werk (das „Weihnachtsoratorium“ ist Nr. 137 im Neumeier-Oeuvre), sein umfassendes Engagement für den tänzerischen Nachwuchs sowie für das geplante Museum zur Ballettgeschichte, das seine tanzhistorische Sammlung beherbergen soll. Sowohl die langjährige Treue zu einer Compagnie als auch die ungeheure Vielfalt im künstlerischen Schaffen sind einmalig in Deutschland. 2008 ist auch für John Neumeier ein Jubiläumsjahr: 45 Jahre lebt er in Deutschland, davon 35 in Hamburg, seit 30 Jahren besteht seine Ballettschule und vor 20 Jahren erhielt er den Deutschen Tanzpreis zum ersten Mal. Bei der Gala im Aalto Theater Essen werden Tänzer aus Moskau, Paris, Mailand, Kopenhagen, Toronto, München, Stuttgart und natürlich vom HAMBURG BALLETT Ausschnitte aus John Neumeiers Werken interpretieren.

Rückfragen bitte an Frau Ulrike Jessenberger unter Telefon 093 03 – 98 47 80

Die Anmeldung muss spätestens am 20. Dezember 2007 eingegangen sein bei:

BALLETTFREUNDE HAMBURG e.V.

c/o WK-Reisen – Hamburg-Würzburg

Reissgarten 4

97288 Theilheim

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Jahresbeiträge 2008

Die Mitgliedsbeiträge für das Jahr 2008 werden Anfang Januar eingezogen.

Sollte sich Ihre Bankverbindung geändert haben, bitten wir Sie, dies umgehend Frau Renate Dreher telefonisch mitzuteilen.

Mitglieder, die sich noch nicht dem Einzugsverfahren angeschlossen haben, bitten wir um Überweisung des Jahresbeitrages auf das Konto bei der HypoVereinsbank BLZ 200 300 00 Konto Nr. 247999

Vielen Dank!

[Renate Dreher]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

Archiv mit Rundschreiben (gekürzte Fassungen!)

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Letzte Aktualisierung: 13.04.08, [ddd]