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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Januar 2008

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

hier sind wir wieder im Neuen Jahr. Allem voran gilt unser Dank den über hundert Spendern, die für das Erika-Milee-Stipendium gestiftet haben und es damit ermöglichen, die Ausbildung der Ballettschüler fortzusetzen. Die Namen der Spender finden Sie in dieser Ausgabe unseres Rundschreibens. Diesmal haben sich die Stipendiaten etwas ganz Besonderes ausgedacht: In einem dicken Umschlag erreichten mich Dankesbriefe und Karten, von jedem einzelnen von ihnen, handgeschrieben oder gezeichnet. Die originellen und einfallsreichen Schreiben werde ich bei meinem nächsten Besuch zur Einsicht in der Gurlittstraße auslegen.

Wie Sie alle wissen, feiert die Ballettschule in diesen Tagen ihr 30-jähriges Bestehen. Dazu gratulieren wir herzlich und wollen unsere Verbundenheit dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir daran denken, aus dem Spendenvermögen des Erika-Milee-Stipendiums zusätzlich ein halbes Stipendium in der Höhe von Euro 4.000 (Viertausend Euro) zu stiften. Dank Ihrer Spendenfreundlichkeit wären wir dazu auch in der Lage. Darüber werden wir in der nächsten Mitgliederversammlung abstimmen.

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Interview mit Kusha Alexi und Amilcar Moret Gonzalez

Nun endlich kann das Interview mit den beiden Solisten Kusha Alexi und Amilcar Moret Gonzalez stattfinden, das vor einem Jahr wegen eines Trauerfalls abgesagt werden musste. Der Zeitpunkt ist jetzt insofern besonders interessant, als Amilcar die Hauptrolle in der kommenden Neuinszenierung von John Neumeiers „Othello“ tanzen wird und sicherlich dazu einiges zu sagen hat.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Ballettreise nach Stralsund

Ich habe vor, eine Reise mit der Bahn nach Stralsund unter Nutzung der preisgünstigen Regionalfahrkarten zu organisieren, und zwar am Sonntag

06.04.2008 Großes Haus in Stralsund (frisch renoviert)

16:00 Uhr BRAHMS REQUIEM, Choreografie: Ralf Dörnen

Abfahrt: HH-Hbf 10:28 Uhr (Hinfahrt über Bergedorf)

Rückkehr: HH-Hbf 23:53 Uhr (Rückfahrt über Lübeck)

Interessenten melden sich bitte ausschließlich bei mir:

Telefon: 83 71 45 (mit Anrufbeantworter), Telefax: 84 00 24 97

[Eberhard Sickert]

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John Neumeiers "Weihnachtsoratorium"

Das jüngste Werk John Neumeiers wurde nicht in Hamburg, sondern am 12. Dezember 2007 im Theater an der Wien uraufgeführt; zu diesem Ereignis reisten einige Ballettfreunde in die attraktive europäische Hauptstadt. Auch Marjetta Schmitz-Esser war bei dieser besonderen Uraufführung dabei. Es tanzte das HAMBURG BALLETT, Sänger und Orchester indes gehörten zum Wiener Theater.

Am 20. Dezember 2007 nutzten dann wieder viele interessierte Ballettfreunde die Möglichkeit, die Probe zum „Weihnachtsoratorium“ in der Hamburgischen Staatsoper miterleben zu können. Und am 23. Dezember fand endlich die Hamburg-Premiere statt, sie wurde von Publikum und Presse begeistert aufgenommen.

Der bekennende Christ John Neumeier hat zu den Teilen I bis III aus dem Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach ein weiteres großes Musikwerk des Christentums um eine tänzerische Dimension bereichert. Lloyd Riggins stolpert zu Beginn der Choreografie aus einer Gruppe Umherirrender heraus; während des gesamten, rund 90-minütigen Werks bleibt der erste Solist Dreh- und Angelpunkt: Seine Einsamkeit rührt an, er bewegt sich verloren in einer Welt voller Kälte, die ihn innen wie außen frieren lässt. Anna Polikarpova in der Rolle der Mutter (Maria) und Peter Dingle als ihr Mann (Josef) erzählen nicht die bekannte Geschichte zur Zeit von Christi Geburt, sondern von menschlichen Schicksalen, wie sie auch heute noch Mütter und Väter durchleiden. Die Angst um ein Kind ist ein ebenso zeitloses Gefühl wie die Einsamkeit inmitten einer Gruppe fremder Menschen. Von ebenso zeitloser Gültigkeit ist John Neumeiers „Weihnachtsoratorium“.

[Dagmar Fischer]

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Benefiz-Ballett-Werkstatt am 13. Januar 2008

Falsch sei das Motto „Der sakrale Tanz“ für diese, die 3. Ballett-Werkstatt der Spielzeit, erklärte John Neumeier gleich zu Beginn. Eigentlich müsse sie „Theatertanz auf religiöse Musik“ heißen, denn erstens sei der Ursprung des Tanzes letzten Endes immer sakral, und zweitens wolle er als Choreograf kein „theologisches Produkt verkaufen“, sondern Bühnenkunst zeigen. „Wenn Sie heute nicht in der Kirche waren, dann waren Sie nicht, hier ist kein Ersatzgottesdienst“, erläuterte er augenzwinkernd in Anspielung auf den Sonntagvormittag. Und da es offensichtlich immer noch Erklärungsbedarf gibt, sobald sich Kunst und Religion begegnen, fuhr John Neumeier fort: „Tanz als ernsthafte Kunst muss den ganzen Menschen sehen, also auch das Spirituelle als Teil des Lebens.“ Tanzbare Musik ist für ihn solche, die ihn „vom Stuhl reißt“, das sei sein Kriterium und im Grunde eine instinktive Entscheidung. Anders als bei einer Oper, bei der die „vierte Wand“ zum Publikum hin zwar transparent, aber dennoch eine Trennung sei, empfinde er das Oratorium als eine nach vorne offene Form, die den Zuschauerraum mit einbezieht.

Auch mit der Kleidung (er spricht nicht von Kostüm) für die Tänzer hat sich der Choreograf nach eigener Aussage lange beschäftigt. Weder historisierend noch modisch durfte sie wirken, kein Knopf und kein Reißverschluss sollten am Stoff sein, der ausschließlich gebunden wird. In der „Matthäus-Passion“ beispielsweise sind alle gleich gekleidet, nur Jesus trägt ein anderes, offizieller aussehendes Hemd mit Stehkragen, das eine gewisse Distanz signalisiert, wie Autoritäten sie häufig ausstrahlen. Dieses Hemd, so erinnerte sich John Neumeier, lag seinerzeit während einer Probe zur „Matthäus-Passion“ mit Max Midinet zufällig in Form eines Kreuzes auf dem Boden – im japanischen Nô Theater kann ein Kimono einen abwesenden oder auch toten Menschen „vertreten“. Das gefaltete Hemd in Anna Polikarpovas Händen darf uns aber auch an Mütter erinnern, die Babykleidung aufbewahren, um diese von Zeit zu Zeit anzuschauen und sich zu erinnern.

Bezugnehmend auf Zeitungs-Kritiker, die sich über die silbernen Koffer mokierten, die zugegebenermaßen zum wiederholten Mal in einem Ballett Neumeiers auftauchen, gestand der Choreograf: „Sie schreiben, der Koffer ist ein Klischee – das stimmt! Die ganze Welt war damals unterwegs, laut Lukas-Evangelium, und wenn ich das zeigen will, dann muss nicht etwas Neues, nie Dagewesenes erfunden werden, wenn der Koffer so klar ist. Ich verrate Ihnen: Die Koffer und die Mäntel sind aus der ‚Winterreise’!“ Das Publikum reagierte auf dieses Geständnis mit spontanem Beifall.

In jedem seiner Werke lerne er neue Menschen kennen, bemerkt John Neumeier zweideutig, und im „Weihnachtsoratorium“ sei es die Figur des Josef gewesen. Nach jüdischem Gesetz hätte er seine Frau verlassen können, sie wäre dann gesteinigt worden; doch Josef blieb, er liebte und beschützte Maria – um dann irgendwann unauffällig aus ihrem Leben zu verschwinden: Er war der erste Gläubige.

Und noch ein „Geheimnis“ teilte der Künstler mit seinem Publikum: Mittendrin habe er angefangen zu choreografieren, mit „Bereite dich, Zion“, weil er Angst gehabt habe vor „der hemmungslosen Freude des Anfangs“, wie sie sich in „Jauchzet, frohlocket“ Bahn bricht. Da die Welt ja aber nicht nur schön ist, tauchen in beiden Freuden-Teilen wieder die Heimatlosen, Suchenden mit ihren Koffern auf.

Zum Schluss die gute Nachricht, wie immer bei einer Benefiz-Ballett-Werkstatt: 25.000 Euro wurden eingenommen, die in diesem Jahr ausnahmsweise einmal nicht Hamburg Leuchtfeuer, sondern der NCL-Stiftung zu Gute kommen. NCL ist die Abkürzung für eine seltene Stoffwechselkrankheit, die Kinder befällt und zum Tode führt. Kunst, die konkret einem guten Zweck dient, wird John Neumeier immer ein Anliegen bleiben.

[Dagmar Fischer]

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30 Jahre Ballettschule des HAMBURG BALLETT

Mit einer restlos ausverkauften Vorstellung wurde am 17. Januar 2008 das 30-jährige Jubiläum der Ballettschule des HAMBURG BALLETT gefeiert. Sechs ausgebildete Tänzer – allesamt Absolventen der Ballettschule – und 31 Schüler der beiden Theaterklassen tanzten „Des Knaben Wunderhorn“ und die „Vierte Sinfonie von Gustav Mahler“. Das Ensemble aus Schülern war von der professionellen Compagnie kaum zu unterschieden, so leidenschaftlich und auf technisch gutem Niveau interpretierten die Jugendlichen John Neumeiers Werke. Der sprach auf dem anschließenden Empfang tief bewegt von einem Versäumnis: Obwohl bereits 1995 vertraglich festgehalten, existiere eine Junior-Compagnie noch nicht. Angesichts der Leistung dieser Nachwuchs-Talente versprach er, dieses Vorhaben nun zu realisieren.

Das Bundesjugendorchester unter der Leitung von Klauspeter Seibel begleitete den Tanz: Jugendliche, die Jüngsten waren 13 Jahre alt, spielten Mahler in beeindruckender Frische. Einer, der die Lebendigkeit dieser Live-Musik besonders schätzte, war Lennart Radtke, Stipendiat der Ballettfreunde Hamburg. In einem Gespräch verriet der 18-Jährige, wie er zum Ballett kam: Als Fünfjähriger wählte er einen Kurs an seiner Schule auf der britischen Isle of Man, ein Jahr später nahm er in London Unterricht in Stepptanz. Seine Lehrerin legte ihm bald die Royal Ballet School ans Herz, und dort trainierte er bis zum elften Lebensjahr. Der Beruf des Vaters machte den Umzug nach Hamburg notwendig, und so zog erst seine Familie, ein Jahr verzögert auch Lennart nach Deutschland. Hier setzte er ab 2001 seine tänzerische Ausbildung bei John Neumeier fort. Zunächst konnte er sich – aus der rein klassischen Schule kommend – nicht damit anfreunden, den auch für moderne Elemente offenen Stil zu lernen. Doch inzwischen ist Mr. Neumeier sein Vorbild, denn nicht nur tanzen will er, sondern auch choreografieren. Obwohl er die englische Lebensart vermisst, kann er sich gut vorstellen, in der Hamburger (Junior-?)Compagnie zu tanzen. Die Chancen stehen gut, dass diese Vision im Jahr 2009, wenn Lennart Radtke sein Tänzerdiplom erhalten wird, Wirklichkeit geworden ist.

[Dagmar Fischer]

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KURZNACHRICHTEN

Das Gastspiel während der 34. Hamburger Ballett-Tage in diesem Jahr kommt aus Russland: Am 8. und 9. Juli 2008 ist das Moskauer Stanislawsky-Ballett und das Orchester des Stanislawsky Musiktheaters Moskau unter der Leitung von Chefdirigent Felix Korobov zu Gast. Gezeigt wird Vladimir Burmeisters Version des Ballettklassikers „Schwanensee“.

Die Wiederaufnahme des „Othello“-Balletts vom 28.2. bis 5.3.2008 auf Kampnagel werden um eine Zusatzveranstaltung ergänzt: Am 4.3. um 18.30 Uhr geben John Neumeier und Amelie Deuflhard, Kampnagel-Intendantin, eine Einführung in das legendäre Werk.

[Dagmar Fischer]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

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Letzte Aktualisierung: 13.04.08, [ddd]