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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom August 2008

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

die letzte außerordentliche Mitgliederversammlung hat Klarheit gebracht und den Boden für gute, engagierte und ungestörte Arbeit des Vorstands bereitet. Den Mitgliedern danken wir für ihr sehr zahlreiches Erscheinen und somit ihrem ersichtlichen Interesse am Vereinsgeschehen, insbesondere jenen, die zu den Problemen offen und freimütig Stellung genommen haben. Den Bericht über diese Mitgliederversammlung finden Sie nachstehend, sodass auch diejenigen, die nicht anwesend waren, sich über den Verlauf informieren können.

Zu aller Freude hat sich Frau Renate Dreher bereit erklärt, unserem neuen Kassenwart, Herrn Dr. Klaus Böttcher, in den einschlägigen Fragen beiseite zu stehen. Darüber hinaus wird sie die Buchhaltung und Mitgliederverwaltung in bewährter Weise weiter führen. So sind auch in dieser Hinsicht die Dinge gut bestellt.

Nach den fulminanten Ballett-Tagen, die uns wohl alle begeistert haben, könnten wir nun frohen Muts in die Ferien gehen. Zuvor aber sollten wir doch noch einen Gedanken dem Ballettnachwuchs widmen, ohne den solche Glanzleistungen, wie wir sie gesehen haben, in Zukunft nicht möglich sein werden. Die Zukunft des Tänzernachwuchses zu sichern, dazu können wir beitragen. In diesem Sinne bitten wir Sie wiederum, sich freudig mit Spenden am Erika-Milee-Stipendium zu beteiligen. Diesem Rundscheiben liegen Überweisungsträger bei. Sie wissen ja, Spenden sind als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Schon jetzt danken wir für Ihre Großherzigkeit.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen, erholsamen Sommer, sodass wir die Regentage nur als Auftakt zu Besserem betrachten können. Bis zum Wiedersehen im Herbst grüßt Sie herzlich im Namen des Vorstands,

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Vorzugspreis für Mitglieder

Manfred Schüttler, unser langjähriges Mitglied, ist Geschäftsführer von Hanse CD im Hanseviertel, Große Bleichen 36. Er macht uns Mitgliedern folgendes Angebot:

Auf alle CDs und DVDs in seinem Geschäft erhalten wir auf den Verkaufspreis 10 Prozent Rabatt. Viele von uns werden die renommierte Adresse schon kennen; das Geschäft führt Klassik auf allen Gebieten, darunter Ballettmusik und eine große Auswahl an Ballett-DVDs bis hin zu den neuesten Editionen von John Neumeier. Bei Hanse CD berät uns ein bestens geschultes Fachpersonal.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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John Neumeiers Lesung

Nicht durch den Kauf einer Eintrittskarte, sondern nur per Los erhielten Interessierte Zutritt zum Center des Hamburger Abendblatts. Dort fand am 9. Juli eine Lesung statt: John Neumeier las aus seinem unlängst erschienenen Buch „John Neumeier – In Bewegung“.

„Literarischen Salat“ nannte der Autor das Ergebnis seines Erstlingswerkes. Eigene Texte von sehr unterschiedlicher Art fasste John Neumeier in dem großformatigen und gewichtigen Buch zusammen, Texte, die eben aus sehr unterschiedlichen Anlässen entstanden sind – selten mit dem Ziel der Veröffentlichung. Die Entstehungsgeschichte seines Buches, inklusive der Zusammenarbeit mit Designer Peter Schmidt, erläuterte John Neumeier in gewohnt unterhaltsamer Weise: Eigentlich hätte es viel früher heraus kommen sollen, da aber beide Künstler viel beschäftigte Menschen sind, verschob sich der Erscheinungstermin immer wieder, insgesamt um mehrere Jahre.

Nach einer Einführung las der Autor – der betonte, dass seine eigentliche Sprache nach wie vor die des Tanzes sei – aus dem 576 Seiten starken Werk. Rund eine Stunde lauschten die Zuhörer den ausgewählten Textstellen, im Anschluss hatte das Publikum noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und natürlich konnte das Buch an diesem Abend auch gekauft werden, um es vom Autor signieren zu lassen.

Rot ist der Einband des Buches, und auch hierzu konnte John Neumeier eine Geschichte erzählen: Lange habe man sich mit dem Verlag über die Farbgestaltung unterhalten, violett-blau sei von deren Seite favorisiert worden. Doch John Neumeier sagte: „Ich bin noch nicht violett-blau. Ich bin noch da, ich arbeite! Meine Arbeit ist rot, wie das Buch!“

[Dagmar Fischer]

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34. Hamburger Ballett-Tage

Es war Richard Strauss, den John Neumeier die Klammer für seinen jüngsten Ballett-Abend bilden ließ: Eine überarbeitete Fassung der „Josephs Legende“ und „Verklungene Feste“, eine neue Kreation, eröffneten am 29. Juni die 34. Hamburger Ballett-Tage. Auch durch die Biografie des Komponisten sieht John Neumeier eine Verbindung zwischen den musikalischen Werken, denn die „Josephs Legende“ entstand quasi am Vorabend zum Ersten Weltkrieg, und die Komposition „Verklungene Feste“ schrieb Strauss 1941, also mitten im Zweiten Weltkrieg. Nicht nur durch die individuelle Interpretation, die jede neue Besetzung durch andere Tänzer mit sich bringt, auch durch frische Kostüme und eine Überarbeitung der Choreografie bekam die „Josephs Legende“ 2008 ein anderes Gesicht. Wunderbar ist für das HAMBURG BALLETT, dass Kevin Haigen seine Erfahrungen persönlich weiter geben kann – mit ihm in der Rolle des Joseph entstand das legendäre Ballett 1977, das auch über dreißig Jahre später die alte biblische Geschichte in zeitloser Gültigkeit erzählt.

Gänzlich anders dann die Stimmung im zweiten Teil des Eröffnungs-Abends. Raffiniert, dennoch leicht und beschwingt, kommen die „Verklungenen Feste“ daher. Von konkreten Paarkonstellationen einiger (Erster) Solisten ließ sich John Neumeier inspirieren, seine Tänzer erzählen viel über zwischenmenschliche Beziehungen, ohne konkrete Geschichten erzählen zu müssen. Jedes Pas de Deux, jede Gruppenkonstellation lässt eine eigene Atmosphäre entstehen, die mit der Musik eine kongeniale Verbindung eingeht. Gerade diese Unterschiedlichkeit – sowohl in Bezug auf die Musik als auch auf den Gehalt des Tanzes - dieser beiden durch die Pause getrennten Werke machte den Doppel-Abend so reichhaltig und bringt gänzlich unterschiedliche „Saiten“ im Publikum zum Schwingen.

Das Gastspiel des Moskauer STANISLAWSKY BALLETT brachte einen echt russischen „Schwanensee“ nach Hamburg. Eingeflogen wurde neben einer großen Tänzerschar auch das zur Compagnie passende Stanislawsky-Orchester und die zum Werk gehörenden, aufwändigen Bühnenbilder. Vladimir Burmeisters Version des weltbekannten Klassikers entstand 1953, seine Choreografie gilt als modern – verglichen mit der Urfassung aus dem Jahr 1877 ist sie das sicher auch. Doch durch die Brille unserer westlichen Sehgewohnheiten kommt auch dieser märchenhafte „Schwanensee“ recht klassisch daher. Ein unnahbarer, aristokratischer Prinz beeindruckte neben einer makellosen Odette-Odile, die jene beiden so unterschiedlichen Charaktere – wie es die anspruchsvolle Rolle fordert – meisterhaft unterschiedlich verkörperte. Als Publikumsliebling entpuppte sich indes der temperamentvolle Hofnarr, ein Tänzer mit beeindruckenden darstellerischen Qualitäten.

Die traditionelle „Nijinsky-Gala“ hatte in diesem Jahr drei sehr homogene Teile: „Wortlose Dramen“ war das rund fünfstündige Tanzfest überschrieben, und Teil eins lebte von musikalischer und choreografischer Offenheit; das mittlere Herzstück war dem Abschied von Maurice Béjart gewidmet, John Neumeier gedachte seines langjährigen Freundes; und schließlich stand im dritten Teil eine Hommage an John Cranko im Mittelpunkt.

John Neumeiers „Lieder der Nacht“ führten behutsam in den Abend ein. Es folgten Ausschnitte aus Werken von Christopher Wheeldon und Wassili Wainonen, das eine nur wenige Monate, das andere über sieben Jahrzehnte alt.

„Möge er mit uns sein“ – so leitete der Moderator John Neumeier sichtlich bewegt jenen Teil des Abends ein, in dem er noch einmal als Tänzer auftrat. Hoffentlich konnte Maurice Béjart seinem Freund John Neumeier am 13. Juli zusehen, denn „Die Stühle“ hätten ihm sicher gefallen: John Neumeier und Joëlle Boulogne als alterndes Ehepaar, das sich zwischen den vielen Stühlen wie in unzähligen Erinnerungen verläuft, sich anödet, sich liebt, sich behindert und doch am Ende zärtlich gegenseitig stützt – ergreifende Momente, die sicher niemand missen möchte, der sie erleben konnte.

Abschied genommen wurde an diesem Abend auch von der Ersten Solistin Barbora Kohoutková, die mit einem furios getanzten „Onegin“-Pas de Deux ihre Bühnenlaufbahn beendete. Auch die Erste Solistin Laura Cazzaniga wurde als Tänzerin verabschiedet, sie bleibt der „Familie“ des HAMBURG BALLETT glücklicherweise erhalten und wird als Ballettmeisterin zukünftig im Ballettzentrum arbeiten. Wie schön, als Ballettfreunde diese „Familie“ immer wieder beobachten zu können!

[Dagmar Fischer]

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KURZNACHRICHTEN

Auch in diesem Jahr war es den Ballettfreunden vergönnt, die Bühnenprobe jener Choreografien zu sehen, die 2008 die 34. Hamburger Ballett-Tage eröffneten. Am 26. Juni um 10 Uhr erlebten viele Interessierte die Probe zu „Verklungene Feste“ und der „Josephs Legende“. Nach der Probe fand der Dirigent Christoph Eberle trotz der Unruhe, die üblicher Weise vor einer Premiere herrscht, Zeit für ein Künstlergespräch mit den Ballettfreunden; im Parkett-Foyer der Hamburgischen Staatsoper unterhielt er sich mit Marjetta Schmitz-Esser über seine Arbeit und das Herangehen an die beiden unterschiedlichen Kompositionen von Richard Strauss.

Zum zweiten Mal hat die Wuppertaler Choreografin und Leiterin des Tanztheaters Wuppertal, Pina Bausch, die künstlerische Leitung des Internationalen Tanzfestivals NRW übernommen. Das Festival findet vom 7. bis 30. November statt, während der drei Wochen gastieren internationale Compagnien sowie Tänzer und Choreografen in den Städten Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Zu erleben sind deutsche und europäische Erstaufführungen, u. a. von Kahekili aus Hawaii, von Sidi Larbi Cherkaoui sowie dem Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan; die Solisten Sylvie Guillem und Louise Lecavalier werden zu Gast sein.

Zur Eröffnung am 7. November zeigt Pina Bausch im Wuppertaler Schauspielhaus als Erstaufführung „Kontakthof“ mit Schülern ab 14 Jahren; „Kontakthof“ entstand 1978, wurde mit Damen und Herren ab 65 einstudiert und seit fast einem Jahr nun mit Jugendlichen aus zehn Wuppertaler Schulen erarbeitet.

Immer häufiger verkürzen Sommerbespielungen die Theaterferien. Das St. Pauli Theater zeigt in diesem Jahr zum ersten Mal Tanz in der Spielzeitpause: „Rock the Ballet“ heißt das vielseitige Programm der Rasta Thomas Dance Company aus New York, die noch bis zum 23. August in Hamburg gastiert. Sechs Männer und eine Frau zeigen rund 90 Minuten lang sehr unterschiedliche Tanzstile: Im ersten Teil des Abends hält eine angedeutete Liebesgeschichte die Szenen zusammen, nach der Pause regiert die pure Lust am Tanzen zu populärer Musik in den Choreografien von Adrienne Canterna, der Ehefrau von Compagnie-Gründer Rasta Thomas.

[Dagmar Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 17.05.08, [ddd]