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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Dezember 2008

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

viel zu schnell geht wieder ein Jahr zu Ende. Wir, die Ballettfreunde, können auf ein vielfältiges Programm zurückblicken. Gerade in letzter Zeit hatten wir mehrere interessante Veranstaltungen, wie u. a. den äußerst informativen Abend über die Arbeit einer Choreologin mit Susanne Menck. Sie berichtete sehr anschaulich und genau über ihre Tätigkeit. Alle Anwesenden haben nun eine neue Einsicht in die vielfältige und komplizierte Arbeit von Frau Menck bekommen.

Auch der traditionelle Nikolausnachmittag im Ballettzentrum brachte Freude und zeigte anschaulich die Arbeit der Kinder. Mit einem ungewöhnlich langen und vielfältigen Programm erfreuten die unterschiedlichen Ausbildungsklassen die sehr zahlreich erschienenen Ballettfreunde aus Hamburg und Lübeck. Die vielen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum bewiesen die enge Verbundenheit der Mitglieder mit der Ballettschule.

Das Jahr haben wir mit dem obligaten gemütlichen Punschabend bei Plätzchen und Weihnachtsgeschichten beendet.

Von Herzen wünsche ich Ihnen ein gesegnetes friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute zum neuen Jahr, mit lieben Grüßen im Namen des Vorstands

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Lebendige Ballettgeschichte: „La Sylphide“ als erste Premiere der Spielzeit

Mit dem realen Leben hatte das idealisierte Frauenbild der Romantik wenig zu tun. Doch auf den Bühnen konnte das Publikum zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht genug davon kriegen: Die ideale Weiblichkeit musste sich verführerisch und unerreichbar zugleich präsentieren. Eine Verkörperung dieses Idealbildes war „La Sylphide“, im gleichnamigen Ballett damals von Marie Taglioni getanzt. Einerseits rückt die Frau dem Mann ihrer Wahl hier selbstbewusst auf den Leib und macht ihm unverhohlen eine Liebeserklärung, andererseits entzieht sie sich ihm permanent und zerstört seine Hoffnung auf ein Happy-End. Die Uraufführung in Paris 1832 setzte Maßstäbe, die bis heute wirken. Als erste Premiere der Spielzeit konnte das Publikum nun dieses epochale Werk mit dem HAMBURG BALLETT erleben.

Wie John Neumeier in der vorbereitenden Ballett-Werkstatt am 23. November erläuterte, hatte der ehemalige Tänzer der Pariser Oper, Pierre Lacotte, sein Leben nach der aktiven Bühnenlaufbahn vor allem dem Aufspüren jeglicher Sylphiden-Spuren sowie der Rekonstruktion des bekannten Werkes gewidmet. In den Katakomben der Pariser Oper, so berichtete John Neumeier am Sonntagvormittag in der Matinee-Vorstellung, suchte Lacotte mit detektivischem Spürsinn nach allem, was auf dieses romantische Ballett verwies. Sein Traum von der Wiederbelebung des Klassikers wurde 1972 Wirklichkeit: Pierre Lacottes Rekonstruktion – die zu großen Teilen natürlich choreografische Neuschöpfung sein musste im Geist und Stil der damaligen Zeit – wurde für eine Filmfassung vom französischen Fernsehen aufgezeichnet. Und die (häufig gestellte) Frage, warum Neumeier als Hamburger Ballettintendant ausgerechnet jetzt dieses Werk nach Hamburg holt, beantwortete er mit der folgenden Formulierung: „Weil die romantische Zeit eine der beiden ist, die am meisten Einfluss hatten“ auf die Ballettgeschichte; die andere Phase ist jene, in der die BALLETS RUSSES in Europa wirkten – und auf dieses 100-jährige Jubiläum nimmt die laufende Spielzeit ja ohnehin mehrfach Bezug.

Zum leichteren Einstieg erzählte John Neumeier zu Beginn der Ballett-Werkstatt eine Kurzfassung der Handlung: Am Morgen seines Hochzeitstages erhält der Schotte James Besuch von „La Sylphide“, diesem geflügelten Feenwesen; „schlafmützlich“ wie er noch ist, weiß er nicht, ob er von einem Traum oder der Wirklichkeit so verwirrt wurde. Eine Hexe weissagt, dass seine Braut Effie den Nebenbuhler Gurn heiraten wird; James wirft sie wegen dieser unverschämten Behauptung aus seinem Haus. Das nimmt die Hexe übel, mutmaßt Neumeier, weshalb sie einen Schal fertigt, der für Sylphiden-Schultern den Tod bedeutet, James indes erhält ihn mit dem Versprechen, des begehrten flatterhaften Wesens damit endlich habhaft werden zu können. Das Unglück nimmt seinen Lauf...

Dass sich ein überirdisches Wesen in einen Menschen verliebt, sei eine typisch-romantische Vorstellung, berichtete John Neumeier; sichtbar sei diese Art Engel jedoch nur für „sehnsüchtige junge Männer“ gewesen. Die Handlung war damals viel wichtiger als der Tanz, und sie wurde durch Pantomime und Gestik vermittelt. Im Pas de deux zwischen der Sylphide und James könne man den Eindruck gewinnen, die beiden hätten trotz der unterschiedlichen Herkunft eine Chance, „happy ever after“ gemeinsam zu leben, doch auch das gehörte zum Publikumsgeschmack in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Es durfte nicht gut gehen, eine unglückliche Liebe musste meist tödlich enden.

Zeitlos hingegen ist der Konflikt eines Mannes, der zwischen zwei Frauen steht. Thiago Bordin tanzt brillant und überzeugend den verwirrten James, der immer wieder an seinen Gefühlen und seiner Wahrnehmung zweifelt. Carolina Agüero ist das patente Mädchen Effie, das zunehmend Anlass bekommt, am Bräutigam zu verzweifeln. Und Hélène Bouchets Tanz ist tatsächlich nicht von dieser Welt, ihre Darstellung der Sylphide ist schlichtweg unirdisch schön. Auf der Premierenfeier erzählte sie, wie fremd ihr der so ganz andere tänzerische Stil zu Beginn war – und wie sehr sie ihn nun genießen könne. Genießen konnten auch wir, die Tänzer des HAMBURG BALLETT und die flüchtige „La Sylphide“!

[Dagmar Fischer]

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Der Ballettdirigent André Presser zu Gast im Café Leonar

Am 26. November gestalteten André Presser und die Hamburger Journalistin Annette Bopp (sie schrieb die Biografie über den Dirigenten) einen wunderbaren Abend im jüdischen Café am Grindelhof. Annette Bopp las ausgewählte Passagen aus der 2008 erschienenen Biografie, André Presser ergänzte das Vorgetragene jeweils auf die ihm eigene, humorvolle Art – sehr zur Freude seiner Zuhörer, unter denen auch Marjetta Schmitz-Esser sowie Ulrike Schmidt und Holger Badekow vom HAMBURG BALLETT zu finden waren.

Ballettdirigent sei ja eigentlich gar kein Beruf, er habe also im Grunde nichts gelernt, kokettiert der heute 75-jährige Musiker augenzwinkernd. Zwar findet man diesen Begriff tatsächlich in keinem Wörterbuch, doch letztlich wurde durch André Pressers Arbeit das Wort zu einem Begriff. Mit Serge Lifar, Vladimir Malakhov und Rudolf Nurejew hat André Presser gearbeitet; und Nurejew war es, der ihm vermittelte, wie Musik und Tanz sich finden müssen: Die musikalische Begleitung hat sich dem Tanz anzupassen. „Ich interpretiere nicht, ich bin Teil einer Gesamtproduktion - wie die Tänzer und die Bühnenarbeiter“, definiert der bescheidene, sympathische Künstler seinen Anteil an einem gelungenen Ballettabend. Und im Falle von „La Sylphide“ müsse man nun wirklich nicht vor Ehrfurcht erstarren, denn was ein gewisser Jean Schneitzhoeffer seinerzeit zu Papier gebracht habe, sei keine großartige Musik, so Presser, aber für dieses Ballett durchaus geeignet. Und so freut sich der Musiker im Ruhestand, ausgesuchte Ballette dirigieren zu können; und wenn John Neumeier ihn bittet, sagt er besonders gerne zu, denn er hält den Choreografen „für einen der letzten lebenden Genies!“

[Dagmar Fischer]

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„Nikolaus“-Besuch im Ballettzentrum

Das ist noch nie da gewesen: In einem getanzten Programm von zwei Stunden und zehn Minuten (!) präsentierten sich die Schüler der Ballettschule den zahlreich erschienenen Ballettfreunden beim traditionellen Nikolaus-Besuch. Der fand in diesem Jahr nicht am 6. Dezember statt (weil ein Samstag dafür ungeeignet war), sondern drei Tage später, am Dienstagnachmittag ab 15.30 Uhr.

Der erste Teil war den Jüngsten vorbehalten, rund 60 Minuten lang probten über 30 Kinder der Vorschule unter Leitung von Ann Drower. Auf ein Bodenexercise folgten rhythmische Übungen und schließlich kleine tänzerische Elemente. Diese setzten sich nach und nach zu einer Choreografie zusammen, stilistisch ausgerichtet auf die musikalische Begleitung durch einen Sirtaki. Innerhalb der Gruppe waren die Kleinsten von den etwas älteren „Fortgeschrittenen“ gut zu unterscheiden, und die erfahrene Pädagogin hatte diese Tatsache auch in dem einstudierten Tanz berücksichtigt und entsprechend Sequenzen von unterschiedlichem Niveau eingebaut, die sich dennoch zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen fügten. Und auch die fünf Jungen erhielten darin einen speziellen, männlichen Part. Zum Ende der Probe wünschten einzelne Schüler oder kleine Grüppchen ein friedvolles Weihnachtsfest auf deutsch, plattdeutsch, englisch, französisch, italienisch, ungarisch, polnisch, russisch, albanisch, chinesisch, arabisch und äthiopisch.

Die zweite Hälfte der Aufführung moderierte Marianne Kruuse, pädagogische Leiterin. Beispiele aus dem Unterricht in Klassischem Tanz, Folkloretanz sowie dem modernen Tanz wechselten sich ab. Die Stipendiaten Marcelino Libao und Tomoaki Nakanome waren in einem ukrainischen Folkloretanz zu sehen. Besonders spannend waren zwei Choreografien von Schülern: Sophie Vergères tanzte ein beeindruckendes modernes Solo; Sasha Riva choreografierte für sich und eine Partnerin einen aufregenden, kämpferischen Pas de deux. Ein weiterer Beitrag stammte von Orkan Dann, Mitglied des HAMBURG BALLETT, zwei Schüler der Theaterklasse zeigten „Beautiful Eyes“, so der Titel.

Die vielen Päckchen und Geschenke der Ballettfreunde unter dem großen Weihnachtsbaum im Treppenhaus des Ballettzentrums waren alle schon eingesammelt nach der Aufführung. Reich beschenkt verließen aber auch alle Ballettfreunde an diesem Abend die Schule!

[Dagmar Fischer]

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KURZNACHRICHTEN

Anna Huber und Urs Dietrich im filmischen Porträt konnten interessierte Ballettfreunde gemeinsam mit Gästen von KO?NZI-Dance am 20. November in der Buchhandlung Laatzen erleben. Die beiden vom Deutschen Tanzfilminstitut in Bremen produzierten Choreografen-Porträts sind nur zwei von insgesamt sieben, die auch im ZDF-Theaterkanal ausgestrahlt werden. Grundgedanke bei der filmischen Erfassung von Person und choreografischer Arbeit war jeweils ein von den Künstlern zu bestimmendes Material, das bei der tänzerischen Herangehensweise eine Rolle spielt: Anna Huber wählte Eis, Urs Dietrich entschied sich für Rost. Nele Lipp, Vorsitzende von KOINZI-Dance, stellte den Filmen jeweils eine Einleitung voran, die beide genannten Materialien in der Bildenden Kunst aufspürten.

Das Russische Nationalballett gastiert Anfang des nächsten Jahres mit drei Vorstellungen erneut im Schauspielhaus Hamburg: Am 2.1.09 um 20 Uhr ist „Schwanensee“ zu sehen, einen Tag später um 16 Uhr „Der Nussknacker“ und am selben Tag um 20 Uhr „Dornröschen“. Die unabhängige Compagnie wurde in den 80er Jahren in Moskau gegründet und steht heute unter der Leitung von Nadezhda Malygina. Karten sind zwischen 29,20 und 56,70 Euro über das Schauspielhaus erhältlich unter der Tel. 24 87 13.

[Dagmar Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 17.05.09, [ddd]