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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Oktober 2009

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nun sind die Sommerferien vorüber, die Saison hat begonnen und wir melden uns wieder zu Wort.

Unsere erste Veranstaltung im Schröder-Saal des CVJM hat bereits stattgefunden. Herr Thomas Regensburger hat uns eine sehr anschauliche Einführung in die Welt des QUEENSLAND BALLET und der australischen Ureinwohner gegeben. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir eine größere Anzahl von Zuhörern dabei gehabt hätten. Nun freuen wir uns auf das Gastspiel im CCH am 28. Oktober, besonders auf das Wiedersehen mit François Klaus und Robin White.

In Zusammenarbeit mit dem Verein KOÏNZI-DANCE e.V. und Nele Lipp veranstalten wir dann am Mittwoch, dem 2. Dezember in der Buchhandlung Laatzen in der Warburgstraße einen Filmabend mit dem Ballett von Jirí Kyliàn „Car Men“. Kyliàn ist uns bekannt als Choreograf, der jahrelang Direktor des NEDERLANDS DANS THEATER war, einige seiner Werke waren auch in der Hamburgischen Staatsoper zu sehen.

Im Dezember sind wir wieder in die Staatsoper zur Bühnenprobe eingeladen. Aufgeführt wird die Neuschöpfung „Orpheus“ von John Neumeier. In dem Mythos um Orpheus geht es Neumeier um die Begegnung zwischen Mensch und Künstler und um die Frage, wo das Leben aufhört und das Schöpferische sichtbar wird.

Zu unserem traditionellen Dezember-Besuch sind wir wieder in das Ballettzentrum eingeladen worden. Wie immer bringt jeder dazu ein kleines Geschenk mit, das im Vorraum unter den Tannenbaum gelegt wird. Sicherlich werden die Lehrer mit ihren Schülern für uns wieder ein schönes Programm vorbereitet haben.

Dieses Jahr kann das Ballettzentrum auf sein 20-jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass haben wir Ballettfreunde ein Sonderstipendium gestiftet, das für die Ausbildung von zwei Ballettschülern verwendet wurde.

Unser Ehrenvorsitzender Willy Wiermann hat sich im Sommer einer schweren Operation unterziehen müssen, dem wir nun auch auf diesem Wege gute Genesung wünschen.

Auf ein Wiedersehen mit Ihnen schon in diesem Monat freue ich mich und verbleibe bis dahin mit herzlichen Grüßen, Ihre

Marjetta Schmitz-Esser

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Kurze Reise nach Australien

Am 10. September 2009 entführte uns Thomas Regensburger – Inhaber der „Agentur für kulturelle Gastarbeit - Tanzkontor“ und in dieser Eigenschaft auch Agent von François Klaus und dem QUEENSLAND BALLET – für eine gute Stunde auf den fünften Kontinent. Unter dem Motto „Auf Traumpfaden: François Klaus’ und William Bartons Projekt „Timeless Dances“ berichtete er uns gänzlich Unbekanntes. Denn die Welt der australischen Ureinwohner, Aborigines genannt, ist uns mehr als fremd, doch genau sie steht im Mittelpunkt des Programms, mit dem die Compagnie aus Brisbane ab Oktober auf Europa-Tournee geht.

Das Gastspiel des QUEENSLAND BALLET zeigt einen dreiteiligen Abend:

„Nineteen“ von Kim McCarthy ist ein Stück für sechs Tänzer zu Mozarts „Klavierkonzert in F-Dur“. Der ehemalige Solist des HAMBURG BALLETT widmet sich darin dem Werben, mal erotisch, mal komisch.

Die Choreografie „The Gathering“ von Natalie Weir erinnert an rituelle Handlungen eines Stammes. Die bekannte australische Choreografin ließ sich von der Filmmusik zum „Gladiator“ zu kraftvollen, tänzerischen Motiven inspirieren.

Der zweite Teil des Abends, also jener nach der Pause, gehört den „Timeless Dances“. Der 27-jährige William Barton komponierte die Titel gebende Musik für Didgeridoo, Gitarre, Streichquartett und Gesang. Nach Aborigine-Brauch fand Barton sein „Windinstrument“, wie Didgeridoos auch genannt werden, in der Wildnis des australischen Buschs. Er ist ein Virtuose seines Fachs, niemand kann den Ton länger halten als er - das brachte ihm einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ein (die Technik der Zirkularatmung ist erforderlich, der Spieler muss zeitgleich durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen!). Doch Barton ist auch ein Anwalt der untergehenden Kultur der australischen Ureinwohner, und der Musik kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu: Lieder sind geistiges Eigentum, sie markieren und strukturieren das Land und sind Hauptgegenstand eines Tausches. Da den Aborigines weder Zahlen noch Schrift geläufig sind, spielt die von ihnen erzeugte Musik eine enorm große, für uns kaum vorstellbare Rolle bei der Ordnung des menschlichen Zusammenlebens. Thomas Regensburger gab eine Hörprobe der von William Barton komponierten Musik, bei der sich vertraute Streicherklänge mit dem fremden Blasinstrument und dem Gesang der Tänzer(!) zu einem harmonischen Ganzen verbanden.

Auch Träume haben in dieser Kultur einen vollkommen anderen Stellenwert als in unserer: Braucht das Abendland entweder den Schlaf oder das Theater, um träumen zu können, so gehören Mythen, Träume und Magie zum alltäglichen Leben der Aborigines. „Timeless Dances“ führt in die sogenannte Traumzeit zurück, also zur Schöpfungsgeschichte: Die Sonnengöttin, so erzählt die Legende, erschuf einst verschiedene Wesen, die Eiszapfen ähnlich – schön, aber kalt – an die Erde gefesselt waren. Enttäuscht über ihr Werk strafte sie ihre Geschöpfe, nur der Kreislauf von Tod und Geburt konnte die Wesen zur Einsicht bewegen, sich aus dem Zustand der Starre zu lösen.

Wir dürfen sehr gespannt sein auf dieses Ergebnis aus der Zusammenarbeit eines australischen Musikers und des europäischen Choreografen François Klaus.

Wer sich weitergehend auf den besonderen Tanzabend vorbereiten möchte, dem sei hier die von Thomas Regensburger empfohlene Lektüre genannt:

[Dagmar Ellen Fischer]

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Tanz der Farben. Nijinksys Auge und die Abstraktion

Groß war das Interesse an einer Führung durch die von John Neumeier mitgestaltete Ausstellung „Tanz der Farben. Nijinskys Auge und die Abstraktion“ in der Hamburger Kunsthalle. So groß, dass eine zweite Führung organisiert werden musste. Und so startete am Nachmittag des 13. August 2009 die erste Gruppe um 16 Uhr, die zweite eine halbe Stunde später. Insgesamt konnten so 48 ballettbegeisterte Teilnehmer durch die sensationelle Schau geleitet werden.

Der Kunsthistorikerin der frühen Gruppe hatte man zugetragen, dass die Ballettfreunde mit Fachkenntnissen „vorbelastet“ wären, sofern es um Tanzgeschichte ginge. Folglich konzentrierte sie sich in ihren Ausführungen auf die Aspekte der Bildenden Kunst, im Besonderen auf jene Künstler, die uns weniger vertraut waren. Sonia Delaunay und ihr Mann Robert interessierte beispielsweise, wie man Bewegung in einem flächigen Medium wie dem Gemälde darstellen könne: Über Raum verfügt ein Bild im gewissen Sinn ja auch, und so erläuterte die Kunsthistorikerin, dass Kontraste und Dissonanzen in einem Bild den Raum schneller in Bewegung versetzen, während Harmonie ihn langsamer bewegt erscheinen lässt. Leopold Survage, Sohn eines jüdischen Klavierbauers, versuchte hingegen, Fläche in Bewegung zu bringen, indem er Form und Farbe rhythmisierte und Anleihen beim damals neuen Medium Film machte: Rund 2000 Einzelbilder ergaben knapp fünf Minuten Film – Aufwand und Ergebnis in Relation betrachtend, gab der Künstler die Filmidee auf.

Die Vorstellung, das abstrakte, statische Bild in Bewegung zu versetzen, lag damals quasi in der Luft. Auch Njinskys Zeichnungen weisen Bewegtheit auf, die ineinander greifenden Kreise versetzen sie in Schwingung. Besonders beeindruckte seine Serie rot-schwarz-weißer Augen, die wie eine verfremdete Nahaufnahme aus einem surrealistischen Film wirkt. So ist der Tänzer als Maler eingebettet in einen Zeitgeist, der nach dem Ersten Weltkrieg viele Menschen umtrieb und zahlreiche Künstler motivierte.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

Vor 40 Jahren, am 1. Dezember 1969, begann John Neumeier seine Arbeit als jüngster Ballettdirektor Deutschlands in Frankfurt. In drei Jahren werden wir in Hamburg John Neumeiers 40-jähriges Jubiläum mit dem HAMBURG BALLETT begehen können.

Zum alljährlichen Tag der offenen Tür lädt das Ballettzentrum – John Neumeier am 24. Oktober zwischen 14 und 17.30 Uhr ins Ballettzentrum, Caspar-Voght-Straße 54 ein. In dieser Zeitspanne finden Proben oder Unterrichtsbeispiele in allen Ballettsälen des Hauses statt.

Pina Bausch, die Begründerin des Tanztheaters deutscher Prägung, verstarb am 30. Juni 2009 nach kurzer Krankheit 68-jährig in Wuppertal. Mehr als 40 Werke hinterlässt die Choreografin, Pina Bauschs Sohn, Rolf Salomon, rief eine Pina-Bausch-Stiftung ins Leben, die das Vermächtnis der Künstlerin verwalten soll. Neben Aufführung und Verbreitung von Bauschs Werken ist auch ein öffentlich zugängliches Archiv geplant.

Am 27. Juli starb der Tänzer und Choreograf Merce Cunningham im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Manhattan. Er galt als der Vater des postmodernen Tanzes in Nordamerika, für seine 1953 gegründete „Merce Cunningham Dance Company“ hatte er nahezu 200 Werke kreiert. Gemeinsam mit dem Komponisten und Musiker John Cage hatte er in den 1950er Jahren den Tanz revolutioniert, indem er ihn von jeglicher Bedeutung befreite.

Im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals bot das Ernst-Deutsch Theater am 31.7. und 1.8. unter dem Titel „Venezia – Schönheit und Trauer“ einen sogenannten „inszenierten Gang durch die Lagunenstadt“ an. Zu Musik von Vivaldi, Schubert, Liszt, Feldman, Nono u. a. wurde aus Werken von Sartre, Ausländer, Kunert, Grillparzer, Huchel und Nietzsche gelesen; die Sopranistin Maria Bulgakova wirkte an diesem Abend ebenso mit wie Tänzer der Ballettschule des Hamburg Ballett - John Neumeier, die in einer Choreografie von Orkan Dann zu sehen waren.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 11.12.09, [ddd]