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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Februar 2010

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

Wind, Schnee und Eis sollen uns nicht daran hindern, unser Rundschreiben zum Jahresanfang termingerecht herauszubringen.

Zunächst einmal sagen wir unseren Mitgliedern ganz herzlichen Dank für die zahlreich eingegangenen Spenden zugunsten des Erika-Milee-Stipendiums. So können wir auch in der kommenden Saison 2010/2011 Schülern der Ballettschule des Hamburg Ballett unsere Unterstützung zukommen lassen, die eines der großen Anliegen unseres Vereins ist.

Gerade bei unserem Nikolausbesuch in der Ballettschule haben wir ja sehen können, welche Fortschritte unsere Stipendiaten machen und wie auch über die Jahre die Freundschaft und Verbundenheit mit der Ballettschule gewachsen ist.

Ebenso verbunden wissen wir uns auch mit der Compagnie, die im Augenblick in China auf Gastspielreise weilt. Mit unseren Gedanken sind wir bei den Tänzern, wären natürlich am liebsten dabei und wünschen allen viel Erfolg.

Intern erwarten wir satzungsgemäß unsere Mitgliederversammlung, die am 17. März im CVJM, An der Alster 40, stattfinden wird. Die Einladung dazu sowie die Tagesordnung sind diesem Rundschreiben beigefügt.

Es freut sich auf ein baldiges Wiedersehen mit Ihnen

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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John Neumeiers „Werkstatt der Kreativität“

John Neumeiers Traum einer Junior-Compagnie wird Anfang März im Ernst Deutsch Theater eine Woche lang Realität: Die Koproduktion zwischen der Ballettschule des HAMBURG BALLETT und Deutschlands größtem Privattheater schafft erstmals in Deutschland eine große öffentliche Plattform für die choreografische Kreativität junger Tänzer. In der „Werkstatt der Kreativität“ präsentieren 15 Choreografen zwischen 16 und 19 Jahren insgesamt 15 Kreationen in zwei unterschiedlichen Programmen. Angeeignet haben sich die Schüler der Ballettschule des HAMBURG BALLETT ihr Können im Fach Tanz-Komposition – einem Bestandteil der Ausbildung in den abschließenden Ausbildungsklassen VII und VIII, den so genannten Theaterklassen. Sie zeichnen in ihren Produktionen nicht nur verantwortlich für die Bewegungen, sondern auch für Musik, Licht, Kostüme und Requisiten. Gemeinsam mit den jungen Choreografen stehen etwa 40 Tänzer im Alter zwischen 15 und 19 Jahren auf der Bühne.

Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, vom 1. bis 6. März täglich um 19.30 Uhr, Eintritt 25 / ermäßigt 15 Euro, Telefon 22 70 14 20.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Deutscher Tanzpreis 2010 am 27. Februar 2010 in Essen

Der „Deutsche Tanzpreis 2010“ wird in diesem Jahr einer Persönlichkeit verliehen, die nicht im Rampenlicht steht, aber international für den Tanz wirkt: Georgette Tsinguirides, Choreologin des STUTTGARTER BALLETT ehemalige Tänzerin und Mitarbeiterin John Crankos; dessen Ballette sind Dank ihrer Arbeit in jedem Detail der Nachwelt erhalten. Die Laudatio auf ihre ehemalige Kollegin wird die Primaballerina Assoluta Marcia Haydée halten, die zwanzig Jahre lang Direktorin des STUTTGARTER BALLETT war.

Gleichzeitig ist dieser Tanzpreis stellvertretend den beiden Tanzschriften, der „Benesh-Movement-Notation“ und der „Kinetographie Laban“ / „Labanotation“ gewidmet, um diese bedeutende Grundlage zur Erhaltung von Choreografien ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Im Rahmen dieser „Hommage an die Tanzschrift“ werden ferner zwei Persönlichkeiten geehrt, die auf diesem Gebiet Besonderes geleistet haben: Die Werke von John Neumeier hält die Choreologin Susanne Menck seit Jahrzehnten per „Benesh-Movement-Notation“ auf Papier fest; und Christine Eckerle, Dozentin für „Labanotation“ an der Folkwang Hochschule Essen, widmet sich dem Erbe Rudolf von Labans und Albrecht Knusts, insbesondere auch den Choreografien von Kurt Jooss sowie dem reichen Erbe an internationaler Folklore. Beiden Tanzschrift-Expertinnen wird am 27. Februar ein „Anerkennungspreis“ verliehen.

Auch der Deutsche Tanzpreis „Zukunft“ wird 2010 erneut vergeben: An Iana Salenko, Erste Solistin beim STAATSBALLETT BERLIN, die der Berliner Tanz- und Musikkritiker Klaus Geitel würdigen wird. Zwei Mal wird Iana Salenko an diesem Abend auch tanzend zu erleben sein: Zusammen mit Marijn Rademaker (Preisträger des Deutschen Tanzpreises „Zukunft“ 2009) im Olga-Lenski-Duett aus John Crankos „Onegin“ sowie im Tschaikowsky-Pas de deux von George Balanchine.

Das gesamte Programm der Gala in Essen steht zum jetzigen Zeitpunkt weitgehend fest. John Neumeiers Werk ist mit zwei Beispielen vertreten: Otto Bubenícek tanzt den Goldenen Sklaven aus „Nijinsky“, Peter Dingle zeigt ein Solo aus der „Matthäus-Passion“. In einem Ausschnitt aus John Crankos „The Lady and the Fool“ werden Eric Gauthier und der 67-jährige Egon Madsen zu sehen sein.

Die Werke John Crankos, die seinerzeit das sogenannte Stuttgarter Ballettwunder bewirkten und allesamt von der Preisträgerin Georgette Tsinguirides aufgezeichnet wurden, stehen folgerichtig im Mittelpunkt des Abends: Die Balkonszene aus „Romeo und Julia“ wird von Ersten Solisten des Chinesischen Nationalballetts aus Peking getanzt, „Legende“ – seinerzeit für Marcia Haydée kreiert - interpretieren Sue Jin Kang, Erste Solistin in Stuttgart, und Jason Reilly, Preisträger des Tanzpreises „Zukunft“ 2006. Höhepunkt und Abschluss bildet Crankos „Poème de l’extase“ aus dem Jahr 1970, in ganzer Länge von dreißig Minuten, interpretiert von Sue Jin Kang und Marijn Rademaker sowie Tänzern vom STUTTGARTER BALLETT.

Die Gala zur Verleihung des Deutschen Tanzpreises wird auch 2010 ein mehrstündiges, schillerndes Ereignis werden; traditionell haben die aus aller Welt angereisten Gäste beim anschließenden Diner die Möglichkeit, bis tief in die Nacht über das Ereignis zu fachsimpeln.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Susanne Menck erhält den Anerkennungspreis

Susanne Menck schreibt Tanzbewegungen, ja ganze Ballettwerke auf. Sie ist eine der wenigen Expertinnen auf dem Gebiet der „Benesh-Movement-Notation“, die erlaubt, die flüchtigste aller Künste differenziert festzuhalten.

Rudolf Benesh, Ehemann einer Tänzerin des Royal Ballet in London, erfand diese Tanzschrift in den 1950er Jahren. In Anlehnung an das Fünf-Linien-System der Partituren entwickelte er eine Methode, wie Tanzbewegungen sogar großer Gruppen in relativ kurzer Zeit aufgeschrieben werden konnten. Und einmal aufgeschrieben, können sie auch wieder zum Leben erweckt werden, so wie auch Musiker auf der Grundlage der Notenschrift Kompositionen immer wieder erklingen lassen können.

Die fünf Linien, die gemäß Rudolf Benesh den tanzenden menschlichen Körper erfassen, heißen Kopf-, Schulter-, Taillen-, Knie- und Fußlinie. Man stelle sich ein Strichmännchen inmitten dieses Liniensystems vor: Mit Perspektive auf die Rückseite des Tänzerkörpers werden die Bewegungen so aufgezeichnet, als ob man wie ein Schatten des Tänzers hinter ihm steht. Da Symbole für die einzelnen Bewegungen, die Linien hingegen für die Körperteile stehen, muss das Strichmännchen nicht mehr komplett gezeichnet werden: Es reicht, die sich bewegenden Körperteile jeweils einzutragen.

1979 kam Susanne Menck als Choreologin zu John Neumeier und dem HAMBURG BALLETT, vor zwei Jahren ging sie offiziell in Rente. Doch wird sie weiterhin zu Einstudierungen in alle Welt entsandt – eine Choreologin ist auch eine Ballettmeisterin, die weiß, wie das Ballett am Ende einer Wiederaufnahme auszusehen hat. Zwar werden inzwischen immer auch Videos oder DVDs als Erinnerungshilfen eingesetzt, doch im Zweifelsfall hat Susanne Mencks Benesh-Notizbuch das letzte Wort bzw. das klarere Zeichen.

Bevor sie Ballette aufschrieb, tanzte Susanne Menck sie. An den Opernhäusern in Münster, Oberhausen und Köln war sie in den 1960er Jahren als Gruppentänzerin engagiert. Eine Knieverletzung zwang sie, über Berufs-Alternativen nachzudenken. Und durch eine Tänzerin des Stuttgarter Balletts, die jede Pause damit verbrachte, sich Notizen zu machen, wurde sie auf das Notations-System von Benesh aufmerksam. 1969 bis 1971 absolvierte sie dann die Ausbildung am Londoner Institute of Choreology, lange Zeit der einzige Ort in der Welt, an dem man diese Notation erlernen konnte, inzwischen kann man „Benesh-Movement-Notation“ auch am Pariser Konservatorium studieren. Nach diesem zweijährigen Studium erhielt sie an Engagement am NATIONAL BALLET OF CANADA in Toronto, acht Jahre arbeitete sie dort, begleitete jede Probe mit dem großformatigen Notizbuch und tanzte sogar noch kleinere Rollen regelmäßig auf der Bühne. 1979 holte sie John Neumeier dann nach Hamburg, den in Europa erfolgreichen Choreografen hatte Susanne Menck anlässlich einer Einstudierung seines Balletts „Don Juan“ in Kanada kennen gelernt.

Fast dreißig Jahre lang schrieb sie von da an die Werke des Hamburger Ballettintendanten und Chefchoreografen auf, saß während einer neuen Kreation in jeder Probe, half bei Wiederaufnahmen und studierte John Neumeiers Werke zwischen Japan und Nordamerika, Finnland und Italien in den großen Opernhäusern ein. Doch wie vermitteln sich eigentlich Bewegungsqualitäten, also das, was jedes Ballett erst zur Kunst werden lässt, jenseits eines relativ sachlich aufgeschriebenen Schrittmaterials? „Da hilft es, selbst Tänzerin gewesen zu sein“, erläutert Susanne Menck ihre Aufgabe, „es ist sogar eigentlich unerlässlich zu wissen, wie Tänzer arbeiten. Außerdem bekommt man im Laufe der Jahre die notwendige Erfahrung im Vermitteln“, ergänzt sie. „Und drittens hilft es ungemein, den Stil eines Choreografen gut zu kennen...“ – so wie sie jenen von John Neumeier.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

In der ersten Februar-Woche gastierte das HAMBURG BALLETT in China, bildliche und textliche Eindrücke sind im Internet einzusehen unter www.hamburgballett-blog.de. In drei unterschiedlichen Besetzungen stand in Peking „Die Kameliendame“ auf dem Programm – die auf chinesisch „Die Teeblütenfrau“ heißt.

In der Hamburger Kampnagelfabrik ist vom 11. bis 13. Februar Tanz der besonderen Art zu sehen: Der indonesische Choreograf Jecko Siompo zeigt in seinem Stück „Room Exit“, dass moderner Tanz und indonesische Kultur kein Widerspruch sein müssen.

Als Sommerbespielung wird es 2010 in der Hamburgischen Staatsoper vom 10. bis 26. August ein Musical geben: „Evita“, über den Aufstieg und Fall der Argentinierin Eva Perón.

Die achte Ausgabe der „Movimentos“, der Festwochen der Autostadt Wolfsburg, findet 2010 vom 29. April bis 13. Juni statt: Dort sind u.a. auch die KIBBUTZ CONTEMPORARY DANCE COMPANY aus Israel, SADLER’S WELLS aus London sowie das NEDERLANDS DANS THEATER zu Gast. Infos unter www.movimentos.de

[Dagmar Ellen Fischer]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

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Letzte Aktualisierung: 05.05.10, [ddd]