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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Juli 2010

Trauer um Willy Wiermann

Als in den siebziger Jahren mit der Ankunft von John Neumeier in Hamburg eine neue Ära des Balletts anbrach und sich eine Gruppe von Begeisterten im „Kreis Hamburger Ballettfreunde“ zusammenfand, war Willy Wiermann unter den ersten. Aus seinem Enthusiasmus heraus, mit seiner Verve und seinem Organisationstalent entwickelte sich eine Lebensaufgabe, die im Vorsitz des späteren Vereins „Ballettfreunde Hamburg e.V.“ und danach mit dem Ehrenvorsitz des Vereins gipfelte.

Am 4. Juli 2010 ist Willy Wiermann nach längerer Krankheit im Alter von 79 Jahren in Hamburg gestorben.

Allen Mitgliedern unseres Vereins werden die zahlreichen Reisen an so manches Zentrum des Balletts in Erinnerung bleiben, die Willy Wiermann für uns Mitglieder initiiert und bis ins kleinste Detail geplant und organisiert hat. Stuttgart, Berlin, New York, St. Petersburg, Brüssel, Paris, Lyon, Kopenhagen, Amsterdam, Wien, Stockholm, Helsinki fallen unseren Mitgliedern sozusagen auf Anhieb ein. All diese spektakulären Orte waren verbunden mit großartigen Ballettereignissen, wie Uraufführungen, Jubiläen und Auftritten von Weltstars. Auch wohl organisierte Tagesausflüge innerhalb Deutschlands, wie zum Beispiel nach Kiel, Hannover und Oldenburg sind vielen von uns in bester Erinnerung.

Vor allem aber: Willy Wiermann verstand es, seine Begeisterung für den Tanz auf andere zu übertragen. Immer gab es lebhafte Diskussionen und Anregungen, zu denen er kenntnisreich etwas beizutragen wusste.

Sich in Ehren zurückzuziehen fiel ihm nicht leicht, ihm, der das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte und es gewöhnt war, immer die Fäden in der Hand zu halten und dabei unermüdlich für den Verein tätig gewesen war.

Vielen wird er nun fehlen in der ersten Reihe Mitte der Hamburgischen Staatsoper.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nun liegen die Ballett-Tage hinter uns und wir können in aller Ruhe in die Ferien gehen; voll der Erinnerung an wunderbare Stunden, die unser Leben so reich machen. Welch’ große Leistung der Tänzerinnen und Tänzer jeden Abend, in eine neue Welt einzutauchen.

Dieses Jahr standen die Ballett-Tage im Zeichen Japans, und dies wird uns noch lange Gelegenheit geben, über die Unterschiede der östlichen und westlichen Kultur nachzudenken.

Im Rundschreiben finden Sie dazu die ausführliche Besprechung von Dagmar Ellen Fischer.

Die geplante Wien-Reise wurde sehr gut gebucht. Schon jetzt freuen wir uns auf das vielfältige Programm. Wir werden mit 36 Personen im November dort hin fahren. Dieses Ergebnis ermutigt uns, im nächsten Jahr weitere Reisen zu planen.

Nun wieder – wie jedes Jahr – unsere große Bitte, öffnen Sie Herz und Portemonnaie, um für das Erika-Milee-Stipendium zu spenden. Sie ermöglichen damit Schülern eine großartige Ausbildung an der Ballettschule des HAMBURG BALLETT – John Neumeier. Was diese leisten, haben wir an dem Abend „Die zerbrochenen Spiegel“ (nach dem Libretto von Klaus Mann) gesehen. Sasha Riva zeigte eine Darstellung großer Reife trotz seiner Jugend.

Ich bedanke mich schon jetzt im Namen des Vorstands und wünsche Ihnen allen einen erholsamen, hoffentlich sonnigen Sommer und verbleibe bis zum Herbst

mit sehr herzlichen Grüßen

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Bericht über die Reise nach Dresden

Siebenunddreißig Teilnehmer waren dabei, und vier Tage standen zur Verfügung. Ein so reichhaltiges Programm erwartete uns, dass es mir schwer fällt, den Höhepunkt der Reise auszumachen, denn eigentlich bestand das Ganze nur aus Höhepunkten. Allein das Wetter war nicht gut, vermochte aber nicht die Hochstimmung zu trüben, die konstant als Grundton mitklang.

Und erst die Programmpunkte! Zur Einstimmung die von Liebe einer Dresdnerin zu ihrer Stadt getragene, fachkundige und anrührende Führung von Inken Winkler durch die vom Schicksal geschlagene und nun wieder auferstandene Elbmetropole. Am nächsten Morgen die Führung durch das „Neue grüne Gewölbe“, die „Kunst- und Wunderkammer“ der sächsischen Kurfürsten, allen voran August des Starken, im immer noch nicht ganz fertig renovierten Stadtschloss. Mit Charme, Witz und Humor und schlagender Fachkenntnis sind wir dort von Frau Friedemann durch die atemberaubende Sammlung der Kunstschätze geführt worden. Die einzigartigen Stücke fanden wir nach den neuesten Gesichtspunkten der Museumstechnik präsentiert. Prächtige, originale Zelte aus der „Türkenzeltsstadt“ Augusts des Starken waren in der Türkenkammer erst vor kurzem zugänglich gemacht worden.

Am Abend dann die festliche Ballettgala „Exsultate Exsultate“ in der Semperoper. Neben Balletten von David Dawson, Victor Gsovsky, William Forsythe und Jiri Kylián für uns Hamburger wichtig und bemerkenswert das Ballett „Kanon in D-Dur“ in der Choreografie von Jiri Bubenicek. Ihn kennen wir als Ersten Solisten und Publikumsliebling aus John Neumeiers Compagnie. Bei strömendem Regen ging’s am Samstag mit dem Bus über Schloss Pillnitz zur Bastei und zur Festung Königstein im Elbsandsteingebirge. Der Regen hatte aber auch Gutes. Denn selten wird man Gelegenheit haben, die mystischen Nebelschwaden zu sehen, die an diesem Tag zwischen den Felsentürmen aus dem Elbtal heraufstiegen. Die Fahrt wurde begleitet wiederum von Inken Winkler. Kenntnisreich hat sie uns einen lebendigen, umfassenden Einblick in Geschichte und Lebenskultur Sachsens bis heute vermittelt.

Der Abend bescherte uns ein herzbewegendes Erlebnis, die Frauenkirche! Es mutet wie ein Wunder an, dass aus den schwarzen Trümmersteinen wieder ein so lichtes, durchscheinendes, zartfarbenes Kirchengebäude erstehen konnte, für alle Welt sichtbar ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens. Wohl jeden von uns hat dieser Abend innerlich berührt. Gesungen hat das Collegium Vocale Gent zu den Klängen des Budapest Festival Orchestra unter der Leitung von Ivan Fischer.

Der letzte Tag, als wieder die Sonne schien, brachte mir die Gelegenheit, einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen, der zugleich auch allen anderen Teilnehmern zugute kam: Ein Besuch in der Gartenstadt Hellerau mit Rundgang zum Festspielhaus. Das Gebäude, das aus dem ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts stammt, ist der Ort, wo viele namhafte Künstler des deutschen Ausdruckstanzes aufgetreten sind. Das heute fast vergessene Hellerau vor den Toren Dresdens steht ja überhaupt synonym als Zentrum für die Vorkämpfer einer neuen Lebensform, die sich bewusst absetzen wollte von den verstellten bürgerlichen Konventionen der Wilhelminischen Gesellschaft. Unsere Gruppe hatte das Glück, eine Führung durch den Architekten Clemens Galonska zu bekommen, der sich mit dieser Bewegung und den weitläufigen Bauten beschäftigt und erst jüngst ein Buch darüber geschrieben hat, welches mit vielen Fotos versehen ist. Er selbst lebt mit seiner Familie in Hellerau. Zu Mittag saßen wir dann zusammen im Gasthof („Café“) von Hellerau und ließen das Erlebte ausklingen. Dort hatten wir Gelegenheit, uns von Ulrike Jessenberger zu verabschieden, der ich hier für die wunderbare Zusammenarbeit, beste Organisation und Begleitung dieser Reise nochmals von Herzen danke.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Rückblick auf die 36. Hamburger Ballett-Tage

Eine ganz besondere Stimmung herrschte in der Hamburgischen Staatsoper am 13. Juni 2010: Freude und Besinnlichkeit hielten sich die Balance. John Neumeiers „Fließende Welten“ eröffneten an diesem Abend die 36. Hamburger Ballett-Tage – und berührten die Menschen offensichtlich. Denn einerseits dankte das begeisterte Publikum lebhaft mit Standing Ovations, andererseits wies die Pause vor dem Einsetzen des Applauses auf eine wirkliche Ergriffenheit der Zuschauer hin.

Unter der Überschrift „Fließende Welten“ fasste John Neumeier zwei japanisch inspirierte Ballette zusammen, die nie zuvor an einem Abend in Folge gezeigt wurden: „Seven Haiku of the Moon“, das 1989 entstand, und „Seasons – The Colors of Time“ aus dem Jahr 2000. Beide Werke kreierte John Neumeier in Japan mit dem Tokio Ballett, und dort gehören sie zum Repertoire der weltberühmten Company; in Hamburg waren sie nun erstmals zu sehen.

„Ein Haiku ist eine sonderbare Art von Gedicht“, sagt John Neumeier, „das nicht mit schönen Worten glänzt, sondern Dinge sehr konkret benennt. Je häufiger man es liest, desto mehr Bedeutung findet man darin.“ John Neumeier hat eine besondere Sensibilität für diese essenzielle, typisch japanische Poesie – vielleicht, weil das Gleiche auch für seine Bühnenwerke gilt: Man muss sie wiederholt erleben, um jedes Mal etwas Neues in ihnen entdecken zu können. Erst recht trifft das auf die beiden als „Fließende Welten“ zusammen geführten Ballette zu, für die John Neumeier neben der Choreografie auch das Bühnenbild, die Kostüme und das Licht schuf.

Acht Haiku inspirierten das erste Stück des Abends, in sieben von ihnen taucht der Mond auf. Dieser Himmelskörper evoziert unterschiedlichste Stimmungen, als roten Ball mögen ihn die Kinder, als gespenstisch vernebelte Lichtquelle schürt er Angst, und als romantischer Stimmungsmacher unterstützt er Sehnsüchte. John Neumeiers Bewegungen kreieren die jeweilige Atmosphäre, zusammen mit den ausgewählten Kompositionen von Arvo Pärt und Johann Sebastian Bach, den Kostümen in den Nacht- und Mondfarben weiß, dunkelblau und feuerrot, sowie dem reduzierten Bühnenbild entsteht ein Gesamtkunstwerk von großer Eindringlichkeit. Doch sind es nicht nur die erlesenen Zutaten, vor allen Dingen ist es die Art, wie John Neumeier die Elemente miteinander verwebt: In welchem Moment die Gedichte in japanischer Sprache zum Tanz erklingen, wann die Musik verstummt, wie sich Schnee und Tänzer im Bild verbinden und in welchem Licht der projizierte Mond über allem wacht – eine organische Emulsion aus berührenden Bildern bleibt in der Erinnerung, einem aufregenden Traum vergleichbar, der noch Tage später nachhallt. Thiago Bordin strahlt in der Rolle des leibhaftigen Mondes überirdisch in jeder Szenerie, er scheint auf das Schicksal der Menschen um ihn herum maßvoll einzuwirken. Als Paar, das sich findet und wieder verliert, bewegen sich Joëlle Boulogne und Alexandre Riabko zwischen behutsamer Annäherung und melancholischer Leidenschaft; gemeinsam mit Thiago Bordin entwickelt sich ein Pas de Trois, der kaum mehr von dieser Welt zu sein scheint – jedenfalls ist er dazu angetan, durch seine meditative Sogwirkung den Alltag für die Dauer dieses Tanzes vergessen zu lassen.

„Seasons – The Colors of Time“ ist eine ebenso individuelle wie universale Wanderung durch die Jahreszeiten der menschlichen und der die Menschen umgebenden Natur, Lloyd Riggins ist Protagonist und Identifikationsfigur. Im Winter seines Lebens bricht er auf, um Rückschau zu halten. Begleitet wird er auf diesem Weg von drei Gestalten unterschiedlichen Alters, die exakt so gekleidet sind wie er und ihn „selbst in anderen Jahreszeiten“ verkörpern. Auch eine Frau begegnet ihm immer wieder, sie ist Mutter, Geliebte und Todesbotin, Anna Polikarpova tanzt diese von John Neumeier „Die Erinnerung“ benannte Rolle wunderbar differenziert. Carsten Jung verkörpert „Die Zeit“, und in einem großartigen Pas de deux zwischen ihm und Lloyd Riggins sind zahlreiche Metaphern zu lesen: Die Zeit geht zu schnell für den Mann, er ringt mit ihr, will sie überholen und wird doch von ihr in ein langsames Tempo gezwungen, schließlich trägt die Zeit die Erinnerung fort.

Die ausschließlich mit japanischen Tänzern entstandenen Werke auf seine eigene Company zu übertragen, war eine besondere Erfahrung, sowohl für den Choreografen als auch für das Hamburg Ballett. „Meine Tänzer reagieren mitunter skeptisch, wenn sie etwas tanzen sollen, das nicht für sie kreiert wurde,“ resümiert John Neumeier nach der Hamburger Premiere der „Fließenden Welten“. „Doch jetzt kann ich sagen, dass diese beiden Werke ihnen gut getan haben, es entstand eine Atmosphäre der Ruhe am Ende dieser ereignisreichen Spielzeit – meine Tänzer müssen sich zurücknehmen, um in diesen für sie ungewöhnlichen Choreografien noch stärker zu sein!“

Bei jedem seiner Japan-Besuche, so erzählt John Neumeier, trifft er sich mit Masashi Miura, einem japanischen Literaturkritiker und großem Bewunderer seiner Ballett-Werke. Ein Essay von Masashi Miura bereichert den diesjährigen Katalog der 36. Hamburger Ballett-Tage, darin ist ein bemerkenswerter Absatz: „Für Japaner besteht die Essenz der Welt gerade im Immer-Weiterfließen und nicht im Ewig-Beharrenden. Das Wesen des Universums ist die Leere und das Nichts. Menschen sind nur ein Phänomen, das auf dem Nichts schwebt.“ Die hier geäußerte Demut und der unsichere Schwebezustand, in dem wir Menschen leben, finden sich ebenso in John Neumeiers „Fließenden Welten“.

Das diesjährige Gastspiel korrespondierte mit dem Eröffnungsabend der Ballett-Tage insofern bestens, als dass es ebenfalls zwei Choreografien zeigte, die ein Europäer mit dem Tokio Ballett erarbeitet hatte: „Images of Asia by Béjart“ hieß die Überschrift, die das knapp halbstündige „Bugaku“ und „The Kabuki Suite“ an einem Abend präsentierte. Maurice Béjart schuf beide Werke in den 1980er Jahren. „Bugaku“ überrascht mit Sportlern in rot-weißen Trikots, einer Art Zeremonienmeister und einer Gruppe Mädchen, die sich wie zu einem archaischen Ritual zusammen finden; eine geheimnisvolle Frau, vielleicht die Hüterin des Feuers, entfacht vor der eigentlichen Bühne ihr flackerndes gelb-rotes Licht. Ein Paar dominiert die Szenerie unregelmäßig immer wieder mit ihrem Pas de deux – eine geheimnisvolle Welt, in die der Zuschauer Einblick bekommt, die ihm indes fremd bleibt.

„The Kabuki Suite“ erzählt im zweiten Teil das bekannteste Kabuki-Theaterstück durch Tanz nach: 47 Samurai – kurz sind tatsächlich 47 Tänzer auf der Bühne – rächen ihren toten Herren, indem sie seinem Feind den Kopf abschlagen und dann gemeinsam rituellen Selbstmord begehen. Obwohl hier eine (vermutlich vielen Menschen) bekannte Handlung erzählt wird, gibt es Momente, die sich nicht erschließen und das Publikum staunend zurück lassen. Sowohl Maurice Béjart als auch John Neumeier gehören zu den Japan-Bewunderern und -kennern, anders könnten Werke von solcher Intensität und Strahlkraft nicht entstehen.

2010 dauerte die Nijinsky-Gala fünfeinhalb Stunden – gefolgt von zwanzig Minuten Schlussapplaus mit Standing Ovations. „Fließende Welten“, das Motto der Neumeier-Werke zur Festival-Eröffnung, stand auch über dem Abschluss: Östliche und westliche Kultur, Altes und Neues sowie Diesseits und Jenseits fließen tanzend ineinander. Bei einem Abend, der traditionell lauter tänzerische Höhepunkte bündelt, ist es schwer, Herausragendes zu benennen. Dennoch: Die Uraufführung von „My heart is a lonely hunter“, choreografiert und ebenso genial getanzt von Jérémie Bélingard vom Ballett der Pariser Oper, beeindruckte tief. Und das Wiedersehen mit dem nach Dresden abgewanderten „Ballett-Zwilling“ Jiri Bubenicek, dessen Bruder Otto beim HAMBURG BALLETT blieb, erfreute das Hamburger Publikum ganz besonders.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Prix Benois de la Danse für Hélène Bouchet und Thiago Bordin

Während der Oscar aus der Filmbranche eine eher unbeholfene Figur macht, ist der Oscar der Tanzwelt (natürlich) eine bewegte Skulptur. Offiziell „Prix Benois de la Danse“ genannt, ist er für Tänzer die höchste Auszeichnung. Und die erhielten 2010 gleich zwei Erste Solisten des HAMBURG BALLETT: Hélène Bouchet und Thiago Bordin, sie für ihre Interpretation der Eurydike in „Orpheus“, die erste Rolle, die John Neumeier für sie kreierte; er für seine Darstellung des Armand in „Die Kameliendame“, eine Rolle, die er sich schon wünschte, als er noch Gruppentänzer war. Überrascht waren beide nicht nur über die Auszeichnung, sondern vor allem über die gemeinsame Ehrung, die sie zugleich als Anerkennung ihrer nunmehr zehnjährigen Tanz-Partnerschaft werten. Zurück aus Moskau, gingen die beiden Tänzer sofort wieder zur Tagesordnung über, „es ist ein schönes Erlebnis, das ich nun im Rucksack meiner Erfahrungen mit mir herum trage“, kommentiert Thiago Bordin. Und Hélène Bouchet fügt hinzu: „Ich freue mich genauso auf die neuen Herausforderungen der nächsten Spielzeit!“

[Dagmar Ellen Fischer]

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„Die zerbrochenen Spiegel“

Am 9. Juni hatten die Ballettfreunde die Gelegenheit, die Generalprobe der Uraufführung „Die zerbrochenen Spiegel“ mitzuerleben. Die von Klaus Mann 1926 verfasste Tanzpantomime gelangte Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, im Rahmen des Festivals „Himmel auf Zeit – Die Kultur der 1920er Jahre in Hamburg“ erstmals auf eine Bühne.

Zunächst erhielten die Ballettfreunde eine Führung durch die Ausstellung, die teilweise durch interaktive Elemente anregte, sich jener Zeit und einigen Zeitgenossen Klaus Manns zu nähern. Nele Lipp erläuterte die Präsentation, die um eine bereits bestehende Ausstellung, jene von Geertje Andresen über die Künstlerin Oda Schottmüller, bereichert wurde.

Bei der Aufführung „Die zerbrochenen Spiegel“ steht die Figur des Prinzen Narcisse im Mittelpunkt, Sasha Riva – Schüler der Ballettschule des HAMBURG BALLETT in der Theaterklasse – verkörperte ihn auf beeindruckende Weise; Beatrice Schickendantz-Giger erarbeitete das Solo mit ihm. Dieser Prinz lebt fern der Realität, wird jedoch von gesellschaftlichen Veränderungen eingeholt, als rebellierende Menschenmassen sein Refugium stürmen. Die bedrohliche Gruppe existiert (nur) als Film, dieser wird auf eine dreigeteilte Rückwand projiziert; Stummfilmen aus den 1920er Jahren ähnlich, spielt er in schwarz-weiß mit der Ästhetik der damaligen Zeit, Christiane Meyer-Rogge-Turner gestaltete diese Sequenzen mit Schülern ihrer Lola Rogge Schule. Besonders aus der spannungsgeladenen, aber eben nie direkten Konfrontation zwischen dem einsamen, weltfremden Prinzen und der aufbegehrenden Masse bezieht die Inszenierung ihre aufregendsten Momente. Am Flügel begleitet der Pianist Dominique Goris sehr einfühlsam die unterschiedlichen Stimmungen. Sowohl die Projektionsflächen als auch das Requisit Mantel übernehmen die Funktion, die Klaus Mann eigentlich den (am Ende zerbrechenden) Spiegeln zugedacht hatte.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

Schüler der Ballettschule des Hamburg Ballett – John Neumeier werden erneut im Ernst-Deutsch-Theater auftreten, in einer Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Schleswig Holstein Musik Festival durchgeführt wird: „Arkadien – Orte der Sehnsucht“ mit Musik, Rezitation und Tanz, die Choreografie schuf Orkan Dann. 16. und 17.07. jeweils um 20 Uhr.

Das diesjährige Internationale Sommertheater auf Kampnagel bringt 2010 erneut mehrere interessante Tanzproduktionen, allen voran „Political Mother“ des in London arbeitenden Israeli Hofesh Shechter; sein jüngstes Werk beschäftigt sich mit archaischen Gesellschaftsformationen, wird zu (sehr lauter) Live-Rockmusik und zum Festivalbeginn täglich vom 12. bis 15.08. gezeigt, jeweils um 21 Uhr.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper erschien die Publikation „Die Zukunft der Oper – Die Oper der Zukunft“. In diesem Buch kommen neben Regisseuren, Dirigenten und Sängern auch Vertreter des Balletts zu Wort: John Neumeier, Heather Jurgensen u. a. schreiben über den Bühnentanz.

[Dagmar Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 18.10.10, [ddd]