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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom März 2011

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

noch ganz unter dem Eindruck der Feier zur Verleihung der Deutschen Tanzpreise in Essen melde ich mich wieder. Einen so berührenden Abend wie diesen im Aalto-Theater habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Die Laudatio von Marcia Haydée für ihren ehemaligen Kollegen Egon Madsen ging mir ganz besonders zu Herzen. Der Gefeierte selbst ist ein Phänomen: Im Alter von 68 Jahren vermag er es, mit seinem Tanz und mit seinem Humor das Publikum zu verzaubern. Ein wahrhaft großer Künstler! Einen ausführlichen Bericht von Frau Fischer zu diesem Ereignis und zu den anderen Ausgezeichneten finden Sie in diesem Rundschreiben. Schade, dass wegen der Terminüberschneidungen nur ganz wenige Mitglieder unseres Vereins anwesend waren. Sie haben eine Sternstunde des Tanzes versäumt!

Diesmal gibt es auch etwas Interessantes aus Tirol. Kürzlich gab es im Tiroler Landestheater in Innsbruck eine Uraufführung mit dem Titel „Mein Herr, Othello“ des Choreografen Yuki Mori. Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen noch an ihn. Yuki Mori erhielt ja seine Ausbildung in der Ballettschule des Hamburg Ballett - John Neumeier in Hamburg. In der Zwischenzeit ist der gebürtige Japaner schon mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden und hat international Erfolg. Sie, liebe Mitglieder, können sich vorstellen, wie mein Hamburger Herz an diesem Abend kräftig schlug. Das Thema seines Tanztheaters, Othello, ist uns ja bekannt. Er zeigt das Drama von der Warte Emilias aus, ein Aspekt, der einmal neu ist.

Und nun ein Dank an Sie, liebe Mitglieder und Spender für das Erika-Milee-Stipendium. Durch Ihre Spendenfreudigkeit haben Sie bis heute vielen Mädchen und Jungen an der Ballettschule eine großartige Ausbildung ermöglicht. Besonders großzügig haben sich einige Mitglieder erwiesen, die zwei- bis dreimal im Jahr gespendet haben. Dafür von uns allen ein Extra-Dankeschön.

Nun habe ich die gute Nachricht, dass wir uns wieder auf einen Interview-Abend freuen dürfen, und zwar am 6. April im Ballettzentrum. Diesmal wird Joëlle Boulogne mein Gast sein.

Für den 9. April bereitet Frau Fischer für uns eine Fahrt nach Berlin zur Premiere des Balletts „Esmeralda“ vor. Alles Nähere erfahren Sie auch in diesem Rundschreiben.

Also bis bald, herzlich

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Die Gala zur Verleihung der Deutschen Tanzpreise 2011

Alljährlich lädt der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik in Kooperation mit dem Verband zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland zur festlichen Preisverleihung nach Essen. Im Jahr 2011 fand die Ehrung zum 28. Mal statt. Der 68-jährige Egon Madsen erhielt den Hauptpreis, den Deutschen Tanzpreis 2011, für sein Lebenswerk; Eric Gauthier, Jahrgang 1977, bekam den Deutschen Tanzpreis »ZUKUNFT« in der Kategorie Choreografie; und Daniel Camargo, 19-jähriger Tänzer des Stuttgarter Balletts, wurde mit dem Deutschen Tanzpreis »ZUKUNFT« in der Kategorie Tanz geehrt – und alle Drei standen am 26. Februar als Tänzer auf der Bühne! In diesem Jahr gab es einen vierten Ausgezeichneten: Achim Thorwald bekam den Anerkennungspreis, weil er die Sparte Tanz an unterschiedlichen Bühnen in seiner Eigenschaft als Intendant besonders förderte.

Daniel Camargo tanzte „Notations“, ein Solo, das Uwe Scholz ursprünglich für Vladimir Malakhov kreierte – von dem Nachwuchstalent indes beeindruckend gemeistert wurde. Zusammen mit seiner Partnerin Elisa Badenes strahlte der Ausgezeichnete auch im Grand Pas de deux des 2. Aktes aus „Don Quichotte“ als sehr musikalisch und sprunggewaltig. Sein Lehrer und Entdecker Tadeusz Matacz, Direktor der John Cranko Schule in Stuttgart, erinnert sich in seiner Lobrede: Als er Daniel im Alter von 13 Jahren erstmals sah, fiel ihm die große Natürlichkeit des Jungen auf, und die hat sich der begabte Tänzer trotz aller technischen Finessen, die er inzwischen beherrscht, bis heute erhalten können.

Eric Gauthier ist ein umwerfendes Multi-Talent. 1996 durfte er als einziger Nicht-Solist Reid Anderson von Kanada nach Deutschland folgen, als dieser zum Direktor des Stuttgarter Balletts berufen wurde. Hier avancierte Gauthier zum Wunschkandidaten vieler Choreografen, wenn es um die Besetzung in zeitgenössischen Balletten ging, und zum absoluten Publikumsliebling. Ein echtes Bühnentier sei er, wie es Reid Anderson in seiner humorvollen Laudatio formulierte. Der Stuttgarter Ballettintendant nannte sich Dad Nr. 2, Erics Dad Nr. 1 und seine Mutter waren aus Montreal angereist und saßen im Zuschauerraum. Heute tanzt und choreografiert Eric Gauthier für seine eigene Truppe Gauthier Dance, die am Theaterhaus Stuttgart eine feste Spielstätte fand; nebenher komponiert, textet, singt und spielt er für eine ebenfalls von ihm gegründete Rock-Band. Zusätzlich organisiert er Auftritte für Gauthier Dance Mobil, dem beweglichen Ableger seiner Compagnie, in Krankenhäusern, Altersheimen, Jugendzentren – und bringt den Tanz zu Menschen, die nicht ins Theater gehen (können). Drei Werke von Eric Gauthier gestalteten auch die Gala: „Orchestra of Wolves“, mit einem Dirigenten als Leittier und seiner wild gewordenen Horde von Orchester-Wölfen; brillant und witzig interpretierte Jason Reilly „101“, ein Solo mit 100 unterschiedlichen Ballett-Positionen, die 101. entpuppt sich als böse Überraschung; und „Bang!“, ein vor Vitalität sprühender Dialog zwischen zwei Tänzern und einem Schlagzeuger. Als einer der wenigen seiner Zeitgenossen bringt Eric Gauthier Humor und Leichtigkeit ins Ballett – und gewinnt damit ein junges Publikum für diese Kunst.

Egon Madsen, 1942 in Dänemark geboren, ist ein absoluter Ausnahmetänzer. In den 1960er Jahren maßgeblich am Stuttgarter Ballettwunder beteiligt, zählt er mit Marcia Haydée, Birgit Keil und Richard Cragun zu den bedeutenden Protagonisten in John Crankos Choreografien. Ulrich Roehm, Initiator des Deutschen Tanzpreises, gelang es, die vier legendären Tänzer noch einmal im Aalto Theater auf der Bühne zu vereinen. Marcia Haydée würdigte ihren ehemaligen Kollegen als „Dänen-Prinz“ mit einer liebevollen Hommage, die mit den Worten „Egon, die Bühne braucht dich“ endete. Zum Abschluss tanzte Egon Madsen zusammen mit Eric Gauthier Ausschnitte aus „Don Q.“, einem genialen Duett von Christian Spuck; diesem Choreografen gelingt es, die beiden so unterschiedlichen Männerkörper ins beste Licht zu stellen und die Qualitäten jedes einzelnen optimal zur Geltung zu bringen. Der Tänzer Egon Madsen hat nichts von seiner Intensität verloren, selbst kleinste Bewegungen präsentiert er mit größter Differenziertheit – den Schalk hat er ebenso überzeugend im Nacken wie die Einsamkeit in den Gesten. Eric Gauthier übernimmt die akrobatischen Aspekte der Beziehung zwischen Don Quichotte und Sancho Pansa, muss indes auch den Traum von Dulcinea verkörpern. Der Brückenschlag der Generationen setzt ein wunderbares Signal: Die Erfahrenen müssen keineswegs wegen der Jugend abtreten, und die Jüngeren brauchen sich nicht hinter den Versierten zu verstecken. Die vermutlich abwechslungsreichste Gala, die es (bisher) zur Tanzpreis-Verleihung gab, wurde nach vier Stunden Dauer mit Standing Ovations beendet.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Tagesfahrt zu „La Esmeralda“ in der Deutschen Oper Berling

Frau Dr. Christiane Theobald, stellvertretende Intendantin und Ballettbetriebsdirektorin des STAATSBALLETT BERLIN, wird uns von 16 bis 17 Uhr durch die neuen, frisch bezogenen Räume der Ballettcompagnie führen und Wissenswertes zum STAATSBALLETT BERLIN erzählen. Normalerweise übernehmen ihre Mitarbeiter diese Aufgabe zwischen Montag und Freitag, doch für die BALLETTFREUNDE HAMBURG macht sie eine Ausnahme und übernimmt die Führung selbst – an einem Samstag, der noch dazu Premierentag ist. Ich freue mich sehr, dass wir diese Zusage von ihr erhalten haben, niemand sonst könnte uns kenntnisreicher und charmanter die Arbeit der größten Ballettcompagnie Deutschlands nahe bringen.

„La Esmeralda“ erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der schönen Zigeunerin Esmeralda und Quasimodo, dem Glöckner von Notre Dame – unter diesem Titel wurde der historische Roman des Schriftstellers Victor Hugo (im französischen Original heißt er „Notre Dame de Paris“) weltberühmt. Wenige Jahre nach dessen Veröffentlichung 1831 bearbeitete der bekannte Tänzer und Choreograf Jules Perrot (u. a. von „Giselle“) den Stoff für den Tanz, 1844 wurde das Ballett in London uraufgeführt. Das erfolgreiche Werk stand in ganz Europa auf dem Programm, mit Marius Petipa, dem nach Russland ausgewanderten Franzosen, kam es 1850 auch ins Zarenreich, Petipas Choreografie stand sogar bis 1930 auf dem Spielplan des Bolschoi Balletts. „La Esmeralda“ ging als eine der aufwändigsten Produktionen in die russische Ballettgeschichte ein. Das STAATSBALLETT BERLIN schreibt dazu: „In einer beeindruckenden Rekonstruktion aller überlieferten und erhaltenen Elemente wurde ‚La Esmeralda‘ erneut zum Leben erweckt. In historisierenden Bühnenbildern und Kostümen ist diese Produktion dem Geschmack ihrer Entstehungszeit detailgenau nachempfunden und bietet nicht nur eine veritable Reise in die Ballettgeschichte, sondern verspricht in Verbindung mit der Brillanz der klassischen Tanztechnik von heute ein ganz besonderes Ballett-Erlebnis. Das Staatsballett Berlin erhält eine eigene Version in Anlehnung an die Fassung des Bolschoi Balletts in Moskau.“

Das Libretto verfasste Jules Perrot nach Victor Hugo, die Musik schrieb Cesare Pugni, die Choreografie schuf Marius Petipa, diese Inszenierung in Berlin wurde um neue choreografische Anteile von Yuri Burlaka sowie Vasili Medvedev nach Marius Petipa und Agrippina Waganowa erweitert. Das Bühnenbild und die Kostüme wurden nach historischen Vorbildern gefertigt, es spielt das Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Das Ballett beginnt um 19 Uhr in der Deutschen Oper, Bismarckstraße 35, 10627 Berlin Charlottenburg, und wird gegen 22.15 Uhr enden.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Werkstatt der Kreativität II im Ernst-Deutsch-Theater

Die jungen Pioniere waren im vergangenen Jahr so erfolgreich, dass John Neumeier beschloss, 2011 eine Fortsetzung zu ermöglichen: „Die Werkstatt der Kreativität II“ fand vom 28.2. bis 5.3. in Kooperation mit dem Ernst-Deutsch-Theater statt und ging erneut über dessen Bühne. 18 angehende Tänzer der Ballettschule des HAMBURG BALLETT, zwischen 17 und 21 Jahren, machen erste – oder als Wiederholungstäter aus 2010 zweite – Versuche im Bereich Choreografie. Zwei Beispiele: Sophie Vergères, Jahrgang 1991, erfindet „Bewegungen, die zu den Menschen passen, aber von mir kommen.“ Die Schweizerin erfand ihr „Memory House“, in dem es um Veränderungen in der Natur geht, die man nicht mehr rückgängig machen kann; im Sommer endet ihre Ausbildung, dann wird sie als Elevin beim Hamburg Ballett tanzen – sie hat eine der wenigen, begehrten Stellen von John Neumeier angeboten bekommen! Francisco Riuz-Echarri Laguna kann sich kaum vorstellen, nicht zu choreografieren, seit Jahren erfindet der 1992 geborene Spanier kleine Etüden. 2010 kam er von Saragossa nach Hamburg, nicht zuletzt durch die Anregung eines Freundes, der vor ihm den Sprung von derselben spanischen Ballettschule nach Hamburg schaffte. Für ihn kreierte er nun sein Stück, „For You“ heißt das getanzte Bekenntnis über „Familie, Freunde, Liebe und Ballett“, erklärt Francisco, der es wunderbar findet, dem Publikum auf diese Weise seine Gefühle mitteilen zu können.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

„Ein Sommernachtstraum“ von John Neumeier ist seit Ende Februar wieder im Spielplan des HAMBURG BALLETT. In der getanzten Version von William Shakespeares brillantem Wechsel-Liebesspiel glänzen Hélène Bouchet und Ivan Urban als Titania und Oberon, Alexandre Riabko fliegt als überirdischer Puck durch den Zauberwald, und Lloyd Riggins ist ein Zettel zum Verlieben.

„Pina“, der 3D-Film als Hommage an Pina Bausch vom renommierten Regisseur Wim Wenders, wurde während der Berlinale im Februar 2011 uraufgeführt und ist zurzeit im Hamburger Passage Kino sowie im Cinemaxx zu sehen.

Die Elbphilharmonie zeigt auf Kampnagel die 3D-Inszenierung von Klaus Obermaier: „Le Sacre du Printemps“ verbindet Tanz, Video und Live-Musik und wird an diesem Abend zusammen mit Alexander Skrjabins Klassiker „Le Poème de l’extase“ aufgeführt. Das NDR Sinfonieorchester spielt unter der Leitung der Dirigentin Xian Zhang, es tanzt Julia Mach. Kampnagel, Jarrestr. 20, nur am 15. und 16. April um 20 Uhr, Kartentelefon 29 09 49 49.

Das Festival „Movimentos“ steht 2011 unter dem Motto „Wahrheit und Schönheit“, es findet vom 26. April bis 29. Mai in Wolfsburg statt. Tanz ist in diesem Jahr durch die Compagnie La Maison, Zero Visibility Corp, Compagnie DCA-Philippe Decouflé, die Sydney Dance Company sowie durch Sidi Larbi Cherkaoui vertreten. Das ganze Programm und Infos unter: http://www.autostadt.de/de/veranstaltungen/movimentos.html

[Dagmar Ellen Fischer]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

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Letzte Aktualisierung: 21.05.11, [ddd]