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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Dezember 2011

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

schon wieder steht das Jahresende bevor. Es war ein Jahr reich an Ballettereignissen und vielen neuen Eindrücken. Gerade haben wir die Hauptprobe sowie die Premiere von „Liliom“ gesehen. Mit großer Begeisterung wurde diese neueste Kreation von John Neumeier vom Publikum aufgenommen. Hamburg besitzt eine Weltklasse-Compagnie, unsere Tänzer können überall bestehen.

Die Feier zu unserem 35-jährigen Bestehen im Ballettzentrum zeigte, wie sehr verbunden wir diesem Hause sind. Dies hat auch John Neumeier in seiner kurzen Ansprache deutlich gemacht. Ein großer Blumenstrauß, den er mir stellvertretend für alle übergab, war Ausdruck seiner Freude über unser Engagement. Die Schule zeigte uns ein großartiges Programm. Wir konnten die verschiedenen Klassen sehen, die schon jetzt erstaunliches Können vorführten.

Auffallend begabt unsere Stipendiaten:

Chloe Piozzi aus Italien (Ausbildungsklasse VI) begeisterte mit einem Solo aus „Der Talismann“ in der Choreografie von Marius Petipa.

Giacomo Rovero aus Italien (Ausbildungsklasse IV) setzte uns in größtes Erstaunen, wie er mit seinen 14 Jahren das bekannte Solo aus „Le Corsaire“ schon mit großer Präsenz dargeboten hat.

Giorgia Giani aus Italien (Ausbildungsklasse VI) tanzte sich mit einer modernen Choreografie von Beatrice Schickendantz in unsere Herzen.

Francisco Ruiz-Echarri aus Spanien (Theaterklasse VIII) zeigte mit Temperament eine Farucca aus seiner Heimat in der Choreografie von Susana.

Anschließend haben wir noch lange bei Punsch und weihnachtlichem Gebäck in der Kantine zusammengesessen. Gesprächstoff gab es ja reichlich.

Den Abschluss der diesjährigen Saison der Ballettfreunde bildete, wie jedes Jahr, unser beliebter Punschabend in unseren Büroräumen in der Gurlittstraße, an dem ich immer Weihnachtsgeschichten vorlese, um uns auf die bevorstehenden Feiertage einzustimmen.

Nun wünsche ich Ihnen auch im Namen des Vorstands ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Rede von Marjetta Schmitz-Esser zum 35-jährigen Jubiläum am 6. Dezember 2011

35 Jahre Ballettfreunde Hamburg – das ist heute der Anlass für unsere Zusammenkunft. John Neumeier kam 1973. Wir zählten zu den ersten Freunden, und was zunächst einmal lockere Zusammenkünfte waren, verfestigte sich zur Idee, einen Verein zu gründen. Das war 1976. Zunächst unter dem Namen „Kreis Hamburger Ballettfreunde“. Gründer waren Edith Trockenbrodt, Willy Wiermann, Erika Milee – um nur einige zu nennen. Erika Milee war eine Tänzerin, die nach Paraguay emigrieren musste und dort das Land mit dem Tanz vertraut machte und es zu großem Ansehen gebracht hatte.

Zahllos die Veranstaltungen, die wir gemeinsam durchgeführt haben:

Vorträge – Filmabende – Künstlerinterviews – Probenaufführungen und natürlich die Reisen, um auch nur das Wichtigste zu nennen.

Heute zählen wir 400 Mitglieder und sind eine feste Größe im Hamburger Ballettgeschehen. Insbesondere in diesem Hause, dem Ballettzentrum, dem wir uns sehr verbunden fühlen. Wir sind nicht nur Zuschauer, die hier ihren jährlichen Nikolaus feiern, sondern wir kümmern uns auch um die Ausbildung von jungen Tänzern, die es nötig haben, finanziell unterstützt zu werden.

Und es geht noch weiter. Erstmals unterstützen wir auf Vorschlag und besonderen Wunsch von Herrn Neumeier die erste Aufführung des Bundesjugendballetts im Ernst Deutsch Theater am 16. Januar 2012.

25.000 Euro ist die stattliche Summe. Alle, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen geholfen haben, möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen.

Ich denke, dieses ist heute ein freudiger Anlass, 35 Jahre zu feiern.

35 Jahre mit Hochs und Tiefs, aber vor allen Dingen mit schönen Erinnerungen. Frau Trockenbrodt, Frau Milee, Herr Wiermann und alle, die von uns gegangen sind, sehen uns von droben wohlwollend zu, und ich denke, sie freuen sich mit uns. Und vielleicht schicken sie uns einen Stern für eine gute Zukunft.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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„Liliom“

Wie für so viele Kreationen von John Neumeier, so reichen auch für „Liliom“ die Wurzeln zum Werk weit zurück. In der Ballett-Werkstatt am 20. November 2011 sprach der Choreograf über seine Erinnerung an den Musical-Film „Carousel“, der ihn als eine von zahlreichen Bearbeitungen des Theaterstücks „Liliom“ von Ferenc Molnár seinerzeit stark beeindruckt habe. Die zentrale Aussage des Dramas formulierte Neumeier für sich und sein Publikum an jenem Vormittag wie folgt: Jeder Mensch kann irgendetwas besonders gut, Liliom ist halt der beste Ausrufer auf dem Rummelplatz. Als er seiner Arbeit beraubt wird, verliert er neben der ökonomischen Basis auch seine Identität und Selbstachtung, nichts klappt mehr in seinem Leben. Insofern steht auch die Liebe zu Julie und die Perspektive einer Familie unter keinem guten Stern, und selbst die zweite Chance nach Selbstmord und Rückkehr aus dem Jenseits lässt der Gescheiterte ungenutzt.

Das getanzte Drama verlegt John Neumeier in die USA der 1930er Jahre, in die Zeit der großen Depression. Wie eng damals Elend und Arbeitslosigkeit einerseits und eine unmäßige Vergnügungssucht andererseits beieinander lagen, dokumentieren Fotografien von damals, hier nennt John Neumeier die Fotos von Walker Evans als bedeutende Inspirationsquelle. Für „Liliom“ kreiert er „Playland“ – einen Ort zwischen Disneyland und Hamburger Dom – als glitzernde, bunte Scheinwelt, dort liegen dem Womanizer die Frauen zu Füßen des von ihm betreuten Karussels, das in Molnars Originaltext übrigens Ringelspiel heißt. Carsten Jung verkörpert die Titelrolle hochdifferenziert, ist zu Beginn selbstgefälliger Frauenheld, mutiert vom Verliebten zum Verzweifelten, prügelt, kämpft und scheitert. Die Rumänin Alina Cojocaru, Gaststar vom Londoner ROYAL BALLET, ist für Neumeier die Idealbesetzung der Julie, sie tanzt die sich bis zur Schmerz- und Selbstverleugnung aufgebende Geliebte, deren Pragmatismus ihr indes hilft, sich und das Kind auch allein durchzubringen. Anna Polikarpova als Lilioms (Ex-)Chefin strahlt selbstsicher und verführerisch, verliert ihr bestes Rummelplatz-Zugpferd jedoch an die sanfte Unschuld von Julie. In der Rolle von Julies Freundin Marie beeindruckt Leslie Heylmann: Sind sich die beiden jungen Frauen anfangs noch nah, so könnte ihr gesellschaftlicher Weg unterschiedlicher kaum verlaufen, und auch diese Lebenslinien zeichnet John Neumeier in seinem knapp dreistündigen Werk prägnant nach. Dass der irdische Jobvermittler und der als „Konzipist im Jenseits“ waltende Entscheidungsträger von derselben Person, dem Ersten Solisten Edvin Revazov, verkörpert wird, ist eine beziehungsreiche Deutung des Choreografen. Mit einer enormen Präsenz und großer Intensität überzeugt Sasha Riva, Neuzugang im HAMBURG BALLETT seit dieser Saison (und den Ballettfreunden durch Aufführungen in anderen Zusammenhängen bestens bekannt): Er tanzt den „Mann mit den Luftballons“, eine geheimnisvolle Gestalt, die nicht nur die Fäden der bunten Ballons, sondern auch die Geschicke der Menschen in der Hand zu halten scheint. Schwerelos bewegt er sich zwischen den Welten, von Dies- zu Jenseits, aus der grauen Arbeitslosen- in die grelle Playland-Welt. Eine trennende Funktion hingegen übernimmt die Musik, der bekannte Komponist Michel Legrand schrieb Atmosphärisches und Gefühlvolles sowohl für die Hamburger Philharmoniker als auch für die NDR-Bigband, beide überlagern sich mitunter dennoch gezielt und organisch. John Neumeier erzählt in „Liliom“ eine unglückliche Liebesgeschichte, inszeniert zeitgleich ein Sozialdrama und kennzeichnet jede Figur mit der ihm eigenen Klarheit und Schärfe – das beherrscht niemand so wie er.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Das Bundesjugendballett

Das Bundesjugendballett präsentierte sich am 16. Dezember im Ballettzentrum – John Neumeier auf einer ersten Pressekonferenz der Öffentlichkeit. Kevin Haigen erläuterte als Künstlerischer Leiter die ideellen Hintergründe und konkreten Ziele der jungen Compagnie; Yohan Stegli, Ballettmeister, berichtete von seinen Erfahrungen der ersten Monate und stellte das bisher erarbeitete Repertoire der Truppe vor. Lukas Onken, organisatorischer Leiter, gab einen Ausblick auf das Programm: Auftritte in Hamburger Seniorenheimen, Kooperationen mit Festivals und Projekte mit Schulen wurden entweder schon umgesetzt oder haben inzwischen konkrete Aufführungstermine. Die acht Mitglieder der Junior-Compagnie sollen in den beiden Jahren ihrer Zugehörigkeit so viel wie möglich über ihren zukünftigen Beruf lernen. John Neumeier, Intendant im Ehrenamt, sieht „jeden der acht Tänzer als Solist“, deren Aufgabe es sei „to scramble“ – zusammenzufügen.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Generalprobe des Bundesjugendballetts im Ernst Deutsch Theater

Unsere Mitglieder sind freundlichst eingeladen am Montag, dem 16. Januar 2012, morgens um 11 Uhr an der Generalprobe „Im Aufschwung“ kostenlos teilzunehmen.

Wir werden wieder Platzkarten vorbereiten. Diese werden nicht am Morgen vor der Vorstellung im Theater verteilt.

Wir bitten Sie, Ihre Kartenwünsche schriftlich bei Herrn Dr. Böttcher mit einem frankierten adressierten Rückumschlag einzureichen.

Wir sind dankbar für das freundliche Entgegenkommen, dass nur wir Vereinsmitglieder an Proben im Theater sowie der Staatsoper und dem Ballettzentrum teilnehmen dürfen.

Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass das Fotografier-Verbot strikt einzuhalten ist. Das Blitzlicht gefährdet die Augen und die Konzentration der Tänzer. Außerdem stört das Klicken die Vorstellung und ebenso Ihre Platznachbarn. Bitte nehmen Sie Rücksicht und haben Sie Verständnis dafür, dass auch auf Proben das Fotografieren nicht erlaubt ist.

Der Vorverkauf für die Premiere am gleichen Abend um 19:30 Uhr hat bereits begonnen.

Ernst Deutsch Theater, Tel 040-22 70 14 20, Fax: 040-22 70 14 25, tickets@ernst-deutsch-theater.de, Karten 20 bis 34 Euro

[Renate Dreher]

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Kurznachrichten

2012 wird die „Werkstatt der Kreativität“ zum dritten Mal als Kooperation zwischen der Ballettschule des HAMBURG BALLETT und dem Ernst Deutsch Theater stattfinden: Vom 27. Februar bis zum 3. März gehört die professionelle Bühne an der Mundsburg erneut allabendlich um 19:30 Uhr dem talentierten choreografischen Nachwuchs. Der Vorverkauf hat begonnen.Tel.: 22 70 14 20 Eintritt: 25,00€ / ermäßigt 15,00€

2011 feierte die international renommierte Tanzcompany PILOBOLUS ihr 40-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung ist die nordamerikanische Truppe berühmt für einen modernen Tanzstil mit akrobatischen Anteilen. Vom 22. Dezember 2011 bis 8. Januar 2012 gastiert sie nun mit „Shadowland“ auf Kampnagel: Der Tanz in Kombination mit kunstvollen Schattenriss-Effekten zu Musik des Filmkomponisten David Poe erzählt eine (alp)traumhafte Geschichte vom Erwachsen-Werden. Karten unter Tel. 47 09 49 49

Ihren allerersten Auftritt in Europa absolvierten sie in Hamburg, inzwischen touren die Tänzer um Compagnie-Gründer Rasta Thomas auf allen Kontinenten mit großem Erfolg: „Rock the Ballet“ begeistert vor allem ein junges Publikum. Zwischen dem 10. und 28. Januar 2012 sind die „Bad Boys of Dance“ noch einmal auf Kampnagel zu Gast, Karten sind erhältlich unter Tel. 47 11 06 33.

Der Deutsche Tanzpreis 2012 wird am 4. Februar im Essener Aalto Opernhaus an Ivan Liška verliehen, die Gala an diesem Abend bestreitet das BAYERISCHE STAATSBALLETT, das der ehemalige Erste Solist des HAMBURG BALLETT seit 14 Jahren leitet. Am folgenden Sonntag, dem 5. Februar, bietet der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik von 11 bis 13 Uhr Interessierten zusätzlich diese Veranstaltung an: Filmische Dokumentation über Susanne Linke in Anwesenheit der Tänzerin, die im Gespräch mit Werner Schossig, Moderator von Radio Bremen, über ihr Leben und ihre choreografische Arbeit sprechen wird.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 16.04.12, [ddd]