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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Okt 2014

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

der Sommer ist vorüber und wir melden uns wieder. Das erste große Ereignis hat bereits stattgefunden, die Reise nach Warschau mit 39 Teilnehmern. Darüber gibt es einen ausführlichen Bericht in diesem Rundschreiben.

Am Samstag, dem 22. November, werden wir zur Premiere von „Der Kuss – Rodin und Claudel“ in der Choreografie von Jörg Mannes mit dem Bus nach Hannover fahren.

Anfang Dezember sind wir im Petipa-Saal des Ballettzentrums. Dieses Jahr zu einer Weihnachtsfeier mit Überraschung und natürlich auch tänzerischen Darbietungen. Für die neuen Mitglieder sei gesagt, dass wir für die Schüler kleine Geschenke mitbringen, die im Foyer unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.

Ebenfalls Anfang Dezember sind wir in der Hamburgischen Staatsoper zur Hauptprobe von „Napoli“ des dänischen Biedermeierchoreografen August Bournonville / Inszenierung und neue Choreografie Lloyd Riggins, eingeladen (Änderung vorbehalten).

Am Mittwoch, den 10. Dezember, haben wir unseren traditionellen Weihnachts-Punschabend von 17:30 bis 19:30 Uhr in der Gurlittstraße.

Alle Termine finden Sie noch einmal aufgeführt auf der letzten Seite.

Diesem Rundschreiben liegt wieder ein Überweisungsträger bei. Wir bitten Sie sehr, mit offenem Herzen zu geben. Auch die kleinste Spende ist willkommen. Die Ausbildung der Tänzerinnen und Tänzer ist entbehrungsreich und dauert lange. Denken Sie nur an die Freude, die wir an dieser Kunst haben.

Ab 16. November werde ich wieder in Hamburg sein und freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Bericht von der Reise nach Warschau

Warschau ist wahrlich eine Reise wert! Diese durch den Krieg so verwundete Stadt lebt und ist lebendig, und sie scheint voller Lebensfreude zu sein. Warschau präsentiert sich als ein Konglomerat aus Alt und Supermodern – ein Stückchen Wien gemischt mit der Modernität Frankfurts. Und die Menschen sind uns sehr freundlich begegnet, hilfsbereit und warmherzig. Das haben wir besonders erlebt mit unserer Führerin Traute und dem Chauffeur Adam. Jede Umstellung des Programms und vieles darüber hinaus haben diese beiden uns ermöglicht. Wir alle hatten das Gefühl, sie als Freunde zu verlassen.

Gleich am ersten Tag hatten wir zum Abendessen Waclaw Gaworzcyk, ehemaliger Tänzer des HAMBURG BALLETT, zu Gast. Er lebt heute wieder in Warschau. An ihn haben sich einige von uns noch erinnert. Das war doch ein schöner Auftakt!

Was haben wir nicht alles gesehen! Die Altstadt mit ihren historisch getreu nachgebauten Fassaden, wo man tatsächlich noch die alte Atmosphäre spüren kann, das Stadtschloss, komplett nach alten Vorlagen aufgebaut und eingerichtet, den herrlichen Ausblick vom Kulturpalast über die ganze Stadt, auf die Weichsel und hinüber zum gewaltigen Fußballstadion, das nachts wie eine Krone beleuchtet ist; sodann die Mahnmale entlang des von Hitler vernichteten jüdischen Ghettos, dessen Geschichte wohl keinen von uns unberührt ließ. Auch den Ort, wo Willy Brandt niederkniete. Heute erinnert daran eine Gedenktafel mit seinem Porträt.

Wir sind gewandelt auf den Spuren von Frédéric Chopin. In der Innenstadt besuchten wir das Chopin-Museum im ehemaligen Ostrogski-Palais, seit den 1950er Jahren Sitz der Chopin-Gesellschaft und heute eines der modernsten Dokumentationszentren zu Leben und Werk des großen Komponisten. Weiter außerhalb, in Zelazowa Wola, befindet sich Chopins Geburtshaus, wohin wir auch gefahren sind. Es ist umsäumt von einem großen Park mit seltenen alten Bäumen, die an diesem Tag im fahlen Herbstlicht eine melancholische Stimmung verbreiteten. Fast unsichtbar verborgen kleine Lautsprecher, aus denen Chopin-Musik emporstieg und uns begleitete. Auch die Taufkirche des Komponisten haben wir aufgesucht. Sie liegt am Rande des Kampinos-Nationalparks im einstigen Urstromtal der Weichsel, wo es noch Elche gibt, die wir aber nicht gesehen haben.

Wir hatten während der ganzen Tage so schönes und mildes Wetter, dass man sich beinahe in Italien hätte fühlen können. So präsentierten sich die Parks in herrlichsten Herbstfarben, wie etwa bei unserem Besuch des Wilanow-Palais, das als eine der prächtigsten barocken Schlossanlagen in Polen gilt, und des Lazienki-Parks mit der berühmten Statue von Chopin.

Sicherlich den Höhepunkt der Reise bildete die Führung durch das Wielki-Theater, eines der größten in Europa. Das Haus ist eine ganze kleine Stadt für sich, mit tausend Mitarbeitern. Alles, was man im Haus braucht, vom Schuh bis zu Kostümen und Kulissen, wird dort noch selbst hergestellt. Auch für alle, die mitarbeiten, wird im Hause gekocht.

Großartig, dass wir Ballettinteressierte aus Hamburg beim Training der Compagnie zuschauen durften. Das gab uns wieder einmal einen Eindruck von der ungeheuren Disziplin und Hingabe der Künstler, die sich auf die abendliche Aufführung vorbereiten. Das Ergebnis konnten wir dann auch sehen.

Es war ein Ballettabend in drei Teilen:

  1. ADAGIO & SCHERZO, Choreografie Krzysztof Pastor (Ballettdirektor des Warschauer Balletts) nach der Musik von Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur, D 956, Teile II und III.
  2. RETURNING WAVES, Choreografie Emil Wesolowski, nach der Musik von Karlowicz – Sinfonische Dichtung, Op. 9
  3. MOVING ROOMS, Choreografie Krzysztof Pastor nach der Musik von Alfred Schnittke – Concerto grosso I (Cadenza - Rondo - Postludio) und Henryk Mikolaj Gorecki – Konzert für Cembalo und Streichorchester, Op. 40

Ein weiteres großes Erlebnis war das Konzert mit den Warschauer Philharmonikern in der Warschauer Philharmonie. Der blutjunge chinesische Pianist Haochen Zhang spielte das Klavierkonzert D-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart mit atemberaubender Perfektion. Er beglückte uns noch mit zwei Zugaben von Chopin und Debussy. Nach der Pause gab es Tschaikowskys 6. Sinfonie in h-moll. Es war eine Aufführung, die anrührte und die man nicht so leicht vergessen wird.

Wenn ich auf unsere große Reise zurückschaue, dann bin ich überzeugt davon, dass jeder unserer Gruppe von 39 Teilnehmern etwas Wertvolles mit nach Hause nehmen konnte. Besonderer Dank gebührt Frau Jessenberger, die wie immer alles bestens organisiert hat. Mit Herz und Hingabe ist sie für jeden Teilnehmer da gewesen, auch in unglücklichen Situationen. Und, wie wir wissen, ist auf Frau Dreher immer Verlass. Sie hat die Gruppe gut hin und wieder zurückgebracht.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Vorstellung des Bundesjugendballetts in Venedig

Im Rahmen des Festivals „Lo Spirito della Musica di Venezia“ ist das Bundesjugendballett am 25. und 26. Juli 2014 im Teatro della Fenice in Venedig aufgetreten. Auf dem Programm stand „Muted“ von Sasha Riva, John Neumeiers „Petruschka Variationen“ und „Dungeness Redux“ von Patrick Eberts. Ich war eingeladen und konnte der Vorstellung am 26. Juli beiwohnen. Kevin Haigen und Betriebsdirektorin Ulrike Schmidt haben mich dort herzlich empfangen. Im Namen des Vereins habe ich Kevin Haigen für das Bundesjugendballett einen Umschlag mit tausend Euro als Spende unseres Vereins überreichen können. Das Geld wird sehr nötig gebraucht. Es wird der Choreografie von Natalia Horecna im November für das Bundesjugendballett in Hamburg zugutekommen. Natalia Horecna ist übrigens soeben als beste Nachwuchschoreografin Europas in Berlin mit dem Taglioni-Preis der Malakhov-Stiftung ausgezeichnet worden.

Nach der wirklich großartigen Vorstellung des Bundesjugendballetts im Teatro della Fenice hat mich Ulrike Schmidt auf die Bühne gebeten, der riesige rote Vorhang hin zum noch beleuchteten leeren Zuschauerraum wurde geöffnet und mit mir und allen Tänzern ein Foto zur Erinnerung gemacht.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Zur Tradition und Wiederaufnahme von „Giselle“

Die Entstehung von „Giselle“ ist dem verliebten Ballettkritiker Théophile Gautier zu verdanken. Entflammt für die Tänzerin Carlotta Grisi, regte er ein Ballett an, das thematisch perfekt dem Zeitgeist der französischen Romantik entsprach und zudem der angehimmelten Künstlerin auf den begabten Leib geschrieben wurde: Ein Märchen aus Deutschland (inspiriert von einer nächtlichen Fantasie Heinrich Heines, die dieser in „De L’Allemagne“ veröffentlichte), eine unglückliche Liebesgeschichte, die in der jenseitigen Welt ihre Fortsetzung findet – worauf vielleicht auch Théophile Gautier einige Hoffnungen setzte…

Gemeinsam mit Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges verfasste Gautier das Libretto, vermutlich unter Mitarbeit des Tänzers und Choreografen Jean Coralli. Letztgenannter zeichnet offiziell für die Choreografie verantwortlich, doch hatte auch er einen Mitarbeiter, der sich besonders engagiert den Soloparts der Titelfigur widmete: Jules Perrot, langjähriger Bühnen- und Lebenspartner der Grisi. Am 28. Juni 1841 wurde „Giselle ou Les Wilis“ – so der offizielle Titel – in der Pariser Oper uraufgeführt. Carlotta Grisis Partner war Julien Petipa in der Rolle des Herzogs Albrecht.

In enger Abstimmung mit den Choreografen Coralli und Perrot komponierte Adolphe Adam in kürzester Zeit die Musik passgenau zum „Fantastischen Ballett in zwei Akten“; charakteristisch und neu sind seine Atmosphäre schaffenden Stilmittel und das Verwenden von Leitmotiven, die bestimmte Figuren kennzeichnen und Stimmungen wiederholt begleiten. Die Musik zum eingeschobenen Bauern-Pas de deux schuf Friedrich Burgmüller.

„Giselle“ wurde ein triumphaler Erfolg, bis heute gehört es zu den erfolgreichsten Balletten, die das 19. Jahrhundert hervorbrachte. In kaum einem anderen Werk kann die Protagonistin derart vielfältig ihre künstlerische Persönlichkeit präsentieren. Die Rolle erfordert ein sehr hohes technisches Niveau, aber eben auch schauspielerische Fähigkeiten.

Der Tänzer Marius Petipa – Bruder des oben erwähnten Julien – saß 1841 in der Pariser Uraufführung und machte sich Notizen. Wenige Jahre später begann am Zarenhof in St. Petersburg seine beispiellose Karriere als Ballettmeister und -direktor, 1884 und 1887 brachte er „Giselle“ dort auf die Bühne und begründete eine bis heute gültige Aufführungstradition. Auf diese bezieht sich auch John Neumeier. Schon 1983 studierte er mit dem HAMBURG BALLETT und der künstlerischen Beratung durch Galina Ulanowa eine „Giselle“ ein. Siebzehn Jahre später nimmt er sich erneut des Klassikers an, nun mit der Giselle-Expertin Natalia Makarowa in gleicher Funktion an seiner Seite. Sie vermittelte dem Hamburger Ensemble neben der Choreografie auch die unerlässliche geistige Haltung. John Neumeier zeichnet für „Inszenierung und neue Choreografie“ verantwortlich: Das tragende Fundament behielt er bei, ergänzte behutsam und trennte sich von alten Bestandteilen, die einem Verständnis im 21. Jahrhundert im Wege stünden. Er fügte poetische Metaphern hinzu, so dass sich der Geist der Romantik für heutige Zuschauer in einer verständlichen Bewegungssprache erschließt. Perfekt untermalt das Bühnenbild von Yannis Kokos diese Perspektive: Motive, wie von Kinderhand mit genialer Leichtigkeit gezeichnet, rahmen die Tänzer ein.

Die Wiederaufnahme des Balletts nach 14 Jahren kommt beim HAMBURG BALLETT einer Neueinstudierung gleich, denn die Besetzung ist eine gänzlich andere. Alina Cojocaru und der seit dieser Spielzeit zum Ersten Solisten beförderte Alexandr Trusch waren am Premierenabend zur Eröffnung der aktuellen Spielzeit am 21. September in den Hauptrollen zu erleben, sie bildeten ein beseeltes Paar, das die Herzen zu rühren verstand. John Neumeiers Ballett ist ein geniales Beispiel dafür, wie ein Kunstwerk restauriert werden kann – ein getanztes ebenso wie ein gemaltes: Natürlich gibt es die alten Farben an Bewegungsqualitäten nicht mehr, die zur Zeit seiner Entstehung kursierten, dennoch bleibt der Kern erhalten und wird geschützt; wenn John Neumeier für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, dann betrifft das vor allem die Übergänge und die pantomimischen Szenen, in denen die Handlung maßgeblich voran getrieben wird. Hierfür benutzte er heutige Farbnuancen an Bewegungen, die aber die Substanz der rein tänzerischen Anteile nicht angreifen, sondern im Grunde die innewohnende, zeitlose und konzentrierte Essenz wieder zum Leuchten bringt. Es ist beruhigend zu wissen, dass es Kunstwerke gibt, die nicht wirklich altern und deren Aussage Jahrhunderte unbeschadet übersteht.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

Das Bundesjugendballett beschert dem Publikum den „Aufschwung VI“: Am 17., 18., 20. und 21. November, jeweils um 19:30 Uhr, tritt die zweite Generation der Tänzer der von John Neumeier gegründeten Junior-Compagnie erneut im Ernst-Deutsch-Theater auf. Auf dem Programm steht die Uraufführung einer Kreation von Natalia Horecna; die ehemalige Solistin des HAMBURG BALLETT und des NEDERLANDS DANS THEATER I hat sich längst einen Namen als Choreografin gemacht. In ihrem neuen Stück „The Swirl of Snow Remains“ fragt sie nach den Seelenzuständen von Menschen, die Tragödien wie Kriege erlebt haben. Es ist ein tänzerischer Appell an ein friedliches Miteinander. Nach „Dressed up in Tissue Paper“ (2012) ist es ihre zweite Choreografie, die im Ernst Deutsch Theater uraufgeführt wird. Karten zu 20/24/29/33/36 Euro unter Tel. 040 - 22 70 14 20.

Auf Kampnagel geht Tanz in Serie. Karten für alle im Folgenden aufgeführten Vorstellungen sind bestellbar unter Tel. 040 - 27 09 49 49:

Die Ballett-Gala zur Verleihung der Deutschen Tanzpreise 2015 wird am 28. März um 18 Uhr traditionsgemäß im Aalto Theater in Essen stattfinden. Auch im kommenden Jahr würdigt die Jury aus ehemaligen Tanzpreisträgern drei Persönlichkeiten: Der Hauptpreis geht an einen ehemaligen Tänzer, den Tanzpreis ZUKUNFT erhält eine hochbegabte Tänzerin, und der Anerkennungspreis würdigt einen Choreografen und Ballettdirektor. Näheres nach der offiziellen Bekanntgabe der Preisträger auf der Pressekonferenz am 6. November 2014 auf der Website des Fördervereins Tanzkunst in Deutschland http://fv-tanzkunst.de.

Im Kino CinemaxX Wandsbek Quarree steht die nächste Live-Übertragung aus dem Royal Opera House London auf dem Programm: Am Dienstag, dem 16.12.2014, um 20:15 Uhr wird „Alice in Wonderland“ von Christopher Wheeldon übertragen.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 10.01.15, [ddd]