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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Dez 2014

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nun geht wieder ein an Ereignissen reiches Ballettjahr zu Ende und wir melden uns mit dem Weihnachtsrundschreiben. Alle letzten Veranstaltungen und Unternehmungen sind in unseren Rundschreiben dokumentiert.

Ein Abend besonderer Art war wohl die Premiere von „Napoli“ neu choreografiert von Lloyd Riggins nach Gustav Bournonville. So war es auch unseren Zuschauern möglich, dänisches Ballett der feinsten Art kennen zu lernen. Wir alle freuen uns mit Lloyd Riggins über den Erfolg des Abends, ist es doch der Einstand für ihn als neuer Stellvertreter von John Neumeier in der nächsten Saison. Über das Ballett berichtet Frau Fischer ausführlich in diesem Rundschreiben.

Wir bereiten mit großem Einsatz unsere nächste Ballettreise vom 14.-18.Juli 2015 vor. Diesmal geht es nach Venedig zum Gastspiel von John Neumeiers Compagnie „Dritte Sinfonie von Gustav Mahler“. Die große Überraschung wird das Beiprogramm, an dem wir noch arbeiten.

Sicher waren viele von Ihnen bei den letzten Aufführungen des BUNDESJUGENDBALLETTS im Ernst Deutsch Theater. Für die Choreografie von Natalja Horecna „The Swirl of Snow Remains“ habe ich im Namen unseres Vereins dem organisatorischen Leiter, Lukas Onken, einen Zuschuss überreicht. Die Freude darüber war sehr groß, da das Geld immer knapp ist.

Der Dank des BUNDESJUGENDBALLETTS an uns ist im letzten Opernjournal unter der Rubrik „Ballett News“ auf Seite 33 nachzulesen. Zudem freuen wir uns, dass die Weiterfinanzierung des BUNDESJUGENDBALLETT für die nächsten vier Jahre aus Kulturmitteln des Bundes gesichert ist.

Wie jedes Jahr schlossen wir bei Weihnachtspunsch und Geschichten in fröhlicher Runde unser Jahresprogramm ab. Bei diesem Zusammentreffen zeigten wir die Fotos unserer sehr gelungenen Warschau-Reise. So gab es noch reichlich Gesprächsstoff über das Erlebte.

Nun wünsche ich Ihnen im Namen des Vorstands frohe Festtage und ein gutes friedvolles neues Jahr.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Weihnachtsfeier im Ballettzentrum

Dieses Jahr hatten wir Ballettfreunde eine besondere Feier, da es auch die Weihnachtsvorstellung für Herrn Neumeier war, der wegen des Gastspiels des HAMBURG BALLETT in Wien zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr in Hamburg ist.

Gigi Hyatt begrüßte alle auf ihre eigene charmante Weise und gleich war Stimmung im Saal. Man merkte die Anwesenheit von John Neumeier an den besonderen Leistungen der Schüler und Schülerinnen, die doch alle ihr Bestes geben wollten.

Zwei Kinder aus der unteren Klasse führten wie kleine Profis durch das Programm und ernteten viel Applaus dafür.

Besonders beeindruckend war die Darbietung der Petruschka-Variationen der Theaterklasse VIII. Wir sind jedes Mal erstaunt, wie viel Können und Ausdruck die jungen Tänzer auf die „Bretter“ bringen. Man könnte über Vieles dieses Abends schreiben, jedoch nur noch einige Anmerkungen. Es ist schön zu sehen, wie viele Nationalitäten freundschaftlich eingegliedert sind in die große Gruppe von unterschiedlichsten Charakteren. Bei „I wish you a Merry Christmas“ hörten wir babylonisches Sprachgewirr und uns alle bewegte der Gedanke an Frieden in dieser unruhigen Welt.

Schön war auch zu sehen, dass die Tänzer aus der Compagnie als Zuschauer dabei waren und deren Kinder mit größter Freude versuchten, mitzumachen. So geht es weiter in die Zukunft . . .

Nach der langen Darbietung der Schüler, die auf allen Gebieten, klassisch, modern und Jazz uns einen gesamten Eindruck ihres Könnens gaben, wurden wir noch mit heißem Glühwein und Gebäck versorgt. So gab es für unsere Mitglieder die Möglichkeit, sich mit Tänzern und Lehrern zu unterhalten; ein wunderbarer Ausklang des Abends.

Das Geld, das Sie, liebe Ballettfreunde spenden, ist gut angelegt und lässt uns jedes Mal die Freude spüren, die der Tanz uns vermittelt.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Tagesfahrt nach Hannover

Am 22. November fuhren wir per Bus mit 29 Personen zur Premiere von „Der Kuss – Rodin und Claudel“ bei schönstem Wetter nach Hannover.

Zunächst besuchten wir das Sprengel-Museum, welches direkt am Maschsee liegt. Dieses Haus ist immer einen Besuch wert, zumal es eine ausgezeichnete Sammlung moderner Kunst beherbergt. Besonderes Augenmerk fällt auf die Kunst von Kurt Schwitters, der uns allen durch seinen Merz-Bau, die Merz-Gedichte und das Gedicht „Anna Blume“ bekannt ist. Durch die Sammlung begleitete uns eine sehr kompetente Kunsthistorikerin. Sie brachte uns durch ihr Fachwissen anhand von einigen Kunstbeispielen, wie da sind: Franz Marc, Umberto Boccioni, Niki de Saint Phalle, Pablo Picasso, Max Beckmann, Emil Nolde, die Intention der Künstler näher, sodass es anschließend eine lebhafte Diskussion unter den Mitgliedern darüber gab.

Im Museum befindet sich ein sehr gutes italienisches Restaurant mit herrlicher Aussicht auf den Maschsee. So konnten wir uns noch vor der Vorstellung im Theater ausgiebig stärken und außerdem den herrlichen Sonnenuntergang über dem See genießen.

„Der Kuss – Rodin und Claudel“, das Ballett von Jörg Mannes, führte uns auf anrührende Weise die Tragik dieses Liebesverhältnisses vor Augen. Über die Handlung haben wir bereits in der letzten Ausgabe unseres Rundschreibens berichtet. Doch sei so viel dazu gesagt, dass manchen von uns die Minimalmusik von Michael Nyman im ersten Akt nicht so gut gefiel, während im 2. Akt die Musik von John Adams und Sergej Rachmaninow das traurige Geschehen dramatisch begleitete. Besonders beeindruckend fand ich persönlich das Bühnenbild in Form von überdimensionierten Kleidern der Camille Claudel, die zeitweise zu Säulen des Rodin’schen Ateliers wurden und am Schluss in Einzelteile zerfielen, um zu zeigen, dass von Camille nichts mehr übrig geblieben ist und ihr Inneres vollkommen zerstört war. Das Ende in der Irrenanstalt ging uns wohl allen sehr zu Herzen.

Die Darstellerin der Camille Claudel, Catherine Franco, war sehr berührend und überzeugend. Rodin, getanzt von Denis Piza, muss vielleicht noch mehr an Ausdruckskraft gewinnen, um die Stärke und auch das Egomanische dieses Mannes kraftvoller über die Rampe zu bringen. Im großen und ganzen war es ein gelungener Abend.

So erreichten wir müde aber zufrieden um Mitternacht Hamburg. Danken möchte ich Renate Dreher und Dr. Klaus Böttcher für die hervorragende Organisation und die tolle Umsetzung meiner Idee, nach Hannover zu fahren.

[Marjetta Schmitz-Esser]

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Premiere Napoli

Da ist dem dänischen Tänzer und Choreografen August Bournonville 1842 ein Faux Pas unterlaufen: Verärgert über den Wechsel seiner Lieblingsballerina Lucile Grahn von Kopenhagen nach Paris, richtete der damalige Direktor des Königlich-Dänischen Balletts von der Bühne herunter einige Worte an den anwesenden König, der in seiner royalen Loge einer Ballett-Aufführung beiwohnte. Den Regenten aber spricht niemand ungefragt an! Die Konsequenzen aus diesem Regelbruch waren zu verkraften – im Nachhinein sogar ein Glücksfall für die Tanzgeschichte: August Bournonville wurde freigestellt, er durfte ein halbes Jahr nicht arbeiten. Konkret bedeutete das bezahlten Urlaub. Sofort nach Kenntnisnahme der Strafe für sein ungebührliches Verhalten machte er sich auf den Weg Richtung Süden. Italien gehörte im 19. Jahrhundert zum Must-Go eines europäischen Künstlers, ob Literat oder Musiker, und natürlich wollte sich auch Bournonville mediterran inspirieren lassen. Sein Ziel hieß Neapel.

Man kann sich vorstellen, wie sehr dem Skandinavier das süditalienische Hafenstädtchen gefiel: Die Wärme, das Licht, die Landschaft und vor allem die Lebenslust der Menschen, die sich in einem temperamentvollen Tanz wie der Tarantella mitteilt. Seine Eindrücke schrieb er auf, sie sind der Nachwelt in seiner Autobiografie erhalten geblieben. Viel bekannter als seine schriftlichen Erinnerungen sind jedoch die im Ballett „Napoli“ verarbeiteten Impressionen. In relativ kurzer Zeit choreografierte er nach seiner Rückkehr in die nordische Heimat das italienisch inspirierte Werk, das zum dänischen Nationalballett avancierte. Seit der Uraufführung 1842 steht es pausenlos auf dem Spielplan des Königlich-Dänischen Balletts in Kopenhagen und ist ein getanztes Nationalheiligtum, wie es Lloyd Riggins formulierte.

Der Erste Solist und Ballettmeister des HAMBURG BALLETT war vor seinem Engagement in Hamburg acht Jahre Solist in Kopenhagen und verliebte sich nach eigener Aussage in August Bournonvilles Choreografien. Dessen Werke haben den klassisch-akademischen Tanz als Grundlage, indes eine eigene stilistische Ausprägung kultiviert: zahlreiche kleine, schnelle Schritte, viele Hüpfer und niedrige Sprünge sowie Drehungen im ebenfalls rasanten Tempo. Doch der dänische Stil unterscheidet sich nicht nur formal, auch inhaltlich setzt er sich von anderen romantischen Balletten ab: Er feiert das Leben, und eine Liebesgeschichte darf durchaus ein Happy End haben. Während in „La Sylphide“ oder „Giselle“ morbide Aspekte in die Atmosphäre einfließen, sind Bournonvilles Ballette von durchweg heiterer Grundstimmung.

Um „Napoli“ mit dem HAMBURG BALLETT einzustudieren, konnte es keinen geeigneteren Bournonville-Experten geben als Lloyd Riggins, der in der nächsten Spielzeit die Ko-Direktion der Compagnie neben John Neumeier übernehmen wird. Und da dem dreiaktigen Werk während der 172 Jahre seines Bühnenlebens der mittlere Akt abhandenkam (schon der Urheber selbst nahm zu Lebzeiten immer wieder Veränderungen des Mittelteils vor), oblag es dem 45-jährigen Riggins, das rund halbstündige Herzstück des Werks im Geiste des dänischen Altmeisters zu choreografieren, ohne außer Acht zu lassen, dass sich heutige Tänzerkörper von jenen vergangener Jahrhunderte enorm unterscheiden.

Das Ballett erzählt vom Fischer und seiner Braut, so der Untertitel. Deren Liebe muss sich im ersten Akt zunächst gegen den (erstaunlich leicht zu überwindenden) Widerstand der Brautmutter durchsetzen. Im zweiten Akt erwartet das Paar dann eine schwierigere Prüfung, die Magie eines Wasserdämons gilt es zu brechen. Riggins gestaltet das Fantasiewesen anders als vorherige Ballettmeister: Waren es in früheren Versionen eher väterliche Figuren vom Typ Poseidon oder bärtiger Märchenkönig, so mutiert der Unterwassermagier in der Hamburger Fassung zum attraktiven Verführer, der an Johnny Depps charismatischen Charakter aus der Filmreihe „Fluch der Karibik“ erinnert; Otto Bubenícek verkörpert den sinnlichen Meeresbewohner sehr überzeugend, auf diese Weise wird glaubhaft, dass die Braut des Fischers nicht nur ob seiner Zauberkräfte von ihm magisch angezogen wird.

Dieser Aspekt lag Riggins am Herzen, und so choreografiert er den zweiten Akt für Tänzer des 21. Jahrhunderts, ohne das traditionelle Erbe zu verraten – ein Mittelstück muss im handwerklichen Sinn sowohl zum vorherigen als auch zum nachfolgenden Element passen. Auch die Ausstattung von Rikke Juellund für die Blaue Grotte im zweiten Akt ruft weiche Assoziationen von fließendem Wasser hervor, das Grundelement im hängenden und bei Berührung schwingenden Bühnenbild wiederholt sich in den Kostümen der Tänzerinnen.

Der dritte Akt, der mitunter auch einzeln aufgeführt wird, ist ein einziges rauschendes Tanzfest. Er nimmt die volkstümliche Stimmung und folkloristischen Stilmittel des ersten Aktes auf und feiert die Rettung aus den Fängen der (schwarzen) Magie. Silvia Azzoni als Braut Teresina brilliert tanztechnisch und darstellerisch gemeinsam mit ihrem Partner Alexandre Riabko, der die Rolle des Fischers Gennaro tanzt. Beide wechseln zwischen pantomimischen Gesten, die allein für die Handlung maßgeblich sind, und den anspruchsvollen rein tänzerischen Sequenzen mit überirdischer Leichtigkeit. Die beiden anderen Bewerber um die Hand Teresinas – zwei italienische Händler und clowneske Gegenpole zum edlen Liebespaar – werden von Konstantin Tselikov und Carsten Jung großartig getanzt, gespielt und gemimt. In den Massenszenen agieren 60 Tänzer und 14 Kinder in perfekt organisierten Tableaus mit präzisem Timing – eine Glanzleistung des Choreografen und Regisseurs Lloyd Riggins.

[Dagmar Ellen Fischer]

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„Im Aufschwung VI“

Die Uraufführung von Natalia Horecnas „The Swirl Of Snow Remains“ sorgte bei der sechsten Saison des Bundesjugendballetts im Ernst Deutsch Theater für eine kleine Sensation: Eine eisige, unheimliche Atmosphäre auf der Bühne evozierte im Publikum hitzige Begeisterung. John Neumeiers Juniorcompagnie stellte sich in neuer Besetzung und mit frischen Werken im November vor. Auf charmant getanzte „Französische Chansons“ in der Choreografie von Maša Kolar folgte „MSG“ (in der Handysprache die Abkürzung für Message), gestaltet vom 22-jährigen Bundesjugendballettmitglied Pascal Schmidt, der die verschwindende Sinnlichkeit im digitalen Zeitalter beklagt. Dann eine Kreation von Ballettchef Neumeier, „Beethovens Streichquartett in B-Dur op. 130“, live gespielt als Work in Progress, das sich choreografisch wandelbar der jeweils nächsten Tänzergeneration anpassen will. Als Finale dann Horecnas halbstündiges Anti-Kriegsstück, in dem vier halbnackte Engel das Schicksal der Menschen auf beklemmende Weise bestimmen. Bestes Timing: Soeben sicherte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Existenz des Bundesjugendballetts für vier weitere Spielzeiten.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

„Shadowland“ ist noch einmal vom 22.12. bis 4.1. in Hamburg zu erleben.

Mit einem „Best of Rock the Ballet“ kehrt die virtuose US-amerikanische Truppe vom 7.1. bis 18.1. mit neuem Programm zurück.

Und vom 12. bis 15.2. wird mit „ITMOI“ (In the mood of Igor) Akram Khans Version von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ hier zu Gast sein. Alle Vorstellungen finden auf Kampnagel statt. Telefon 040-27 09 49 49.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

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Letzte Aktualisierung: 24.03.15, [ddd]