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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Februar 2015

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

hoffentlich sind Sie gesund und gut gestimmt ins neue Jahr gekommen. Es gab ja schon einige interessante Vorstellungen inklusive der immer sehr beeindruckenden Ballett-Werkstatt mit den stets aufschlussreichen und lehrreichen Kommentaren von John Neumeier. Frau Fischer wird in diesem Rundschreiben Näheres dazu berichten.

Allen, die so großzügig für das Erika-Milee-Stipendium gespendet haben, sei an dieser Stelle der herzlichste Dank des Vorstands zum Ausdruck gebracht. Mit Ihrem Beitrag sind nun die Stipendien für die Schüler in der neuen Saison gesichert. Eine Spenderliste mit den Namen finden Sie anbei.

Die Einladung zur kommenden Mitgliederversammlung am Donnerstag, dem 26. März, ist Ihnen ja schon zugegangen. Unsere neuen Mitglieder begrüßen wir sehr herzlich und senden die Einladung noch einmal mit Ort, Zeit und Wegbeschreibung zusammen mit der Tagesordnung.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und hoffe auf zahlreiches Erscheinen. Bis dahin verbleibe ich mit herzlichen Grüßen,

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Deutscher Tanzpreis 2015

Am 28. März wird der Deutsche Tanzpreis zum 32. Mal im Essener Aalto-Theater verliehen.

Mit dem Hauptpreis wird 2015 Peter Breuer gewürdigt, die Laudatio hält Prof. Birgit Keil, Ballettdirektorin des Staatstheaters Karlsruhe. Breuer gehört zu den wenigen deutschen Tänzern des 20. Jahrhunderts, die eine internationale Karriere machten. Seit 24 Jahren ist er Chefchoreograf und Ballettdirektor am Salzburger Landestheater.

Elisa Badenes, Erste Solistin beim Stuttgarter Ballett, erhält 2015 den Deutschen Tanzpreis ZUKUNFT; Reid Anderson, Ballettintendant des Stuttgarter Balletts, würdigt die Ausnahme-Tänzerin. Christian Spuck und Demis Volpi kreierten Rollen für die wandlungsfähige Spanierin, die seit 2009 das Gesicht der Compagnie prägt.

Der Anerkennungspreis geht 2015 an Ricardo Fernando (Laudatio: Norbert Hilchenbach, Intendant Theater Hagen), der seit über zehn Jahren als Ballettdirektor und Choreograf am Theater Hagen in Nordrhein-Westfalen arbeitet.

In der Gala tanzen u. a. das Salzburg Ballett, Solisten des Stuttgarter Balletts, das Aalto Ballett Essen, das Ballett Hagen sowie Solisten des Badischen Staatsballetts Karlsruhe.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Bericht über die Ballett-Werkstatt am 11. Januar 2015

„Gesundheit, Freude und Harmonie“ wünschte John Neumeier seinem Publikum zur Begrüßung in der ersten Ballett-Werkstatt des neuen Jahres – „und viele Ballettabende“! Inhaltlich standen „‚Napoli‘, Bournonville und der romantische Stil“ im Mittelpunkt dieser Matinee; formal war sie eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Stiftung TANZ – Transition Zentrum Deutschland.

Diese Institution besteht seit nunmehr fünf Jahren als Anlaufstelle für Tänzer, die sich am Ende ihrer Laufbahn – aber in der Mitte ihres Lebens – beruflich neu orientieren müssen. „Für Hochleistungssportler stehen im Olympiazentrum 23 Berater zur Verfügung; für Tänzer gab es vor 2010 keinen einzigen!“ erläutert John Neumeier die Bedeutung der in Berlin ansässigen Einrichtung, die sich der Umschulung bzw. Weiterbildung von Tänzern widmet. Durch diese Ballett-Werkstatt kommt dem Transition Zentrum eine Summe von 26.000 Euro zugute.

Das Dänische Ballett sei für seine Biografie sehr wichtig gewesen, erzählt John Neumeier. Begonnen habe es damit, dass er als Jugendlicher in Chicago eine Aufführung von „La Sylphide“ sah. Nach seinem Sprung über den Atlantik wollte er eigentlich in Kopenhagen landen, doch führte ihn seine Ausbildung zunächst an das ROYAL BALLET in London – immerhin lag diese Stadt deutlich näher an Dänemark als seine Heimat in den USA. Die Osterferien nutzte der angehende Tänzer seinerzeit für eine Reise in die dänische Hauptstadt. Die dortige Begegnung mit Vera Volkova (1907-1975) wurde wegweisend. Sie schmuggelte John Neumeier in den Ballettsaal und unterrichtete ihn unerlaubterweise. Eines Tages stellte sie die entscheidende Frage: „Könntest du nicht ein Choreograf werden?“ Und John Neumeier antwortete: „Ja, das schwebt mir vor!“ Ein Choreograf sei ein Tänzer, der denkt.

Die andere dänische Linie beim HAMBURG BALLETT geht auf Lloyd Riggins zurück: Frank Andersen, Direktor des KÖNIGLICH DÄNISCHEN BALLETT, entdeckte den 17-Jährigen US-Amerikaner in den 1980er Jahren in Michigan. Dass sich Lloyd Riggins in den Bournonville-Stil verliebte und als Erster Solist in Kopenhagen Karriere machte, weist ihn als versierten Experten aus, der in der Lage ist, den zweiten Akt in „Napoli“ als missing link zu gestalten.

In seiner Eigenschaft als Balletthistoriker berichtete John Neumeier von einem gewissen Hans Beck, der im 19. Jahrhundert Solist am KÖNIGLICH DÄNISCHEN BALLETT war und die Compagnie von 1895 bis 1915 als Direktor leitete. Er etablierte für die Tänzer ein Training, das nach Wochentagen geordnet war; passend dazu, demonstrierte das erste Beispiel der Ballett-Werkstatt Schrittkombinationen aus dem Werk „Konservatoriet“ von August Bournonville.

Um die Feinheiten dieser Stilistik hervorzuheben, zeigen drei Tänzerinnen im Folgenden ein und dieselbe Trainingsfolge zeitgleich – jedoch: zwei von ihnen im russischen Stil und eine im Stile Bournonvilles. Verblüffend, wie klar Schlichtheit und Direktheit der dänischen Ausführung in diesem demonstrativen Nebeneinander zutage treten. Ruhige, langsam geführte Arme stehen souverän ausgeführten, schnellen Beinbewegungen gegenüber. Noch deutlicher wird der Unterschied in der Fortbewegung: Während es gemäß russischer Schule üblich ist, nach dem Zelebrieren virtuoser Schritte schlichtweg zur nächsten Diagonale zu laufen, um von dort aus erneut mit brillanter Technik zu glänzen, wird nach Bournonville wirklich jeder Raumweg tanzend zurückgelegt, simple Laufschritte zwischendurch zur Überwindung von Strecke vor einer nächsten Sensation gibt es bei ihm nicht.

Auch inhaltlich unterschied sich August Bournonvilles Auffassung zur Tanzkunst von der seiner Zeitgenossen: Während sein französischer Lehrmeister Auguste Vestris die Tänzerin als Verführerin auf der Bühne sehen wollte, war Bournonville ein Moralist. Das zeigt sich auch in „La Sylphide“: Die männliche Hauptfigur James muss einen hohen Preis dafür zahlen, dass er nicht bürgerlich heiratet, sondern die ihm zugedachte Welt verlässt. Aus diesem Ballett tanzten Lloyd Riggins und Futaba Ishizaki die sogenannte Fenster-Szene. Sie zeigte auch, dass Bournonville an einer Gleichstellung des männlichen Tänzers interessiert war und die für das romantische Ballett so typische Dominanz der Ballerina aufbrach.

Marie Taglioni, die erste Sylphide und ebenfalls Schülerin von Vestris, war eine solche im Mittelpunkt männlicher Aufmerksamkeit stehende Tänzerin, dabei doch schüchtern und unnahbar. Ihre Konkurrentin Fanny Elßler hingegen zelebrierte auf der Bühne Sinnlichkeit und Verführung, mit dem spanischen Tanz „La Cachucha“ aus Jean Corallis Choreografie „Le Diable boiteux“ („Der hinkende Teufel“) wurde sie berühmt. Auch das HAMBURG BALLETT hat eine junge Tänzerin mit Elßler-Qualitäten, wie Yaiza Coll in jenem spanischen Solo-Tanz vorführte, den Brita Adam mit ihr einstudierte.

Zum Abschluss amüsierten Konstantin Tselikov und Aljoscha Lenz als zwei konkurrierende Reiter im „Jockey Tanz“ aus Bournonvilles 1876 uraufgeführtem Ballett „Von Sibirien nach Moskau“ das Publikum, bevor das Finale aus „Napoli“ die Werkstatt beendete – ganz im Sinne August Bournonvilles, die Schönheit und Freude des Lebens zu feiern.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Buchpräsentation mit Ivan Liška in Hamburg

Auch das Erscheinen meines zweiten Buches wird von Verlagsseite mit einer Buchpräsentation in Hamburg (und München) angekündigt. Die Biografie „Ivan Liška. Tänzer – Die Vergänglichkeit des Augenblicks“ werden Ivan Liška und ich einem interessierten Publikum persönlich vorstellen: Am 24. März um 18 Uhr im Logensaal der Hamburger Kammerspiele, Hartungstr. 9, der Eintrittspreis beträgt 5 Euro. Der Schauspieler Erik Schäffler wird kurze Passagen aus der Biografie lesen, ein Filmausschnitt wird Ivan Liška als Tänzer in Erinnerung rufen und im Gespräch werden wir über die Entstehung des Buches sprechen. Die Veranstaltung wird bis circa 19 Uhr dauern. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, das Buch zu kaufen und signieren zu lassen.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

Im sechsten Jahr in Folge bietet das Ernst Deutsch Theater eine öffentliche Plattform für die von John Neumeier ins Leben gerufene „Werkstatt der Kreativität“ mit der Ballettschule des HAMBURG BALLETT. 2015 präsentieren 21 SchülerInnen aus der letzten Ausbildungsklasse VIII ihre Abschlussarbeiten an sechs Abenden, aufgeteilt in zwei unterschiedliche Programme. Die musikalische Bandbreite reicht von Bach, Vivaldi, Händel und Schubert über Philip Glass, Steve Reich, Max Richter und Edith Piaf bis zu elektronischer Musik. Für die tänzerische Umsetzung sorgen 34 SchülerInnen der Theaterklassen VII und VIII. Die Choreografien entstanden im Rahmen des Fachs „Tanzkomposition“, das Stacey Denham unterrichtet. Vom 23. bis 25. Februar und vom 27. Februar bis 1. März, Karten unter Tel. 22 70 14 20.

Seit 1974 bekommen Mitglieder des Ensembles des HAMBURG BALLETT die Chance, sich als „Junge Choreografen“ zu erproben. Im März 2015 nehmen 17 TänzerInnen die künstlerische Leitung der Veranstaltung in die Hand und gehen mit ihren selbst erarbeiteten Werken inhaltlich und stilistisch eigene Wege. Dabei kooperieren sie mit MusikerInnen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und sorgen dafür, dass auf der Bühne der Opera stabile auch Live-Musik zu erleben sein wird. „Als Tänzer versuchen wir durch unsere Bewegungen mit dem Publikum zu kommunizieren. Einigen von uns genügt es nicht, die Worte umzusetzen, die jemand anderes bereits geschrieben hat, und so gestalten wir mit eigenen Musiken, Versen und Geschichten eine eigene Sprache, die wir in Form von Schritten und Choreografien mit unseren Körpern sprechen", so der Koordinator der „Jungen Choreografen“, Braulio Alvarez. Opera stabile, 7.-9. März, Karten unter Tel. 35 68 68.

Zwei Jahre Bundesjugendballett – Eine Spielzeitdokumentation hält die beiden ersten Jahre der von John Neumeier 2011 gegründeten Junior-Compagnie fest. Auf 156 Seiten legt die Veröffentlichung Zeugnis ab von der dynamischen Arbeitsweise des jungen Ensembles und präsentiert alle Projekte, Ballette und Choreografen in Text und Bild. Das Buch kann zum Preis von 10 Euro bestellt werden unter www.hamburgballett-shop.de

„Coup Fatal“ (Todesstoß) heißt das jüngste Werk von Alain Platel, das 2014 bei den Wiener Festwochen uraufgeführt wurde. Darin konfrontiert der belgische Choreograf seine bildgewaltige Körpersprache mit Barockgesang von Georg Friedrich Händel und Christoph Willibald Gluck, thematisch umkreist er das Phänomen des „Sapeurs“, eines kongolesischen Dandy-Typus‘, der in dem seit Jahrzehnten von Krieg und Zerstörung gezeichneten Land eine lebensbejahende Attitüde behauptet. 27.-30.5., 20 Uhr, Kampnagel.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 14.06.15, [ddd]