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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Juli 2015

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nun geht wieder eine aufregende, erfolgreiche Ballett-Saison zu Ende. Wir alle sind noch ganz erfüllt von den Ereignissen der letzten Tage. Das HAMBURG BALLETT hat uns in seiner Vielfalt so viel Schönes geboten, das in der Abschlussgala seinen Höhepunkt erreichte. Es ist immer wieder ein großes Erlebnis, auch Tänzer von anderen Compagnien, diesmal vom Houston Ballet, Bolschoi-Ballett und National Ballet of China auf höchstem künstlerischen Niveau zu erleben. Frau Fischer wird in diesem Rundschreiben ausführlich darüber berichten.

Zu Beginn der Ballett-Tage gab es in der Stifter-Lounge der Staatsoper die Buchvorstellung über das Leben und Werk eines der bekanntesten Bühnenbildner Deutschlands, Jürgen Rose.

Zusammen mit John Neumeier und der Autorin des Buches, Sibylle Zehle, habe ich den Abend moderiert.

Ich war zuvor in München, um an der Eröffnung der großartigen Ausstellung über Jürgen Roses Theaterschaffen teilzunehmen. Jürgen Rose hat deutsche Theatergeschichte geschrieben. Er ist Bühnen- und Kostümbildner, Regisseur und Schauspieler, alles in einer Person. Die Ausstellung ist noch bis Oktober in der Münchner Residenz und im Theatermuseum am Hofgarten zu besichtigen. Beeindruckend sind die Feinheit der Verarbeitung der Kostüme sowie die besondere Auswahl der verschiedenen Materialien. Dies alles einmal aus der Nähe betrachten zu können, bringt einem die enorme künstlerische Arbeit für eine Bühnenproduktion näher. Auch die minutiös ausgearbeiteten Bühnenmodelle aus der Nähe zu sehen, ist eine Bereicherung.

Das Bundesjugendballett eröffnete die Ballett-Tage mit einer Aufführung auf Kampnagel:„Infinite Identities“ entstand als Koproduktion mit dem Musikfestival Heidelberger Frühling und dem Just Us Dance Theatre. Die Premiere fand 2015 in Heidelberg statt. In den Stücken befassen sich die einzelnen jungen Tänzer und Tänzerinnen mit der Bewältigung der neuen Technologien. Die Frage, welchen Einfluss haben Social-Media auf unser Verhalten, wird aufs Eindringlichste behandelt und dargestellt. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welchen Themen sich das Bundesjugendballett auseinandersetzt, und das mit großer tänzerischer Qualität.

Auch dieses Mal legen wir einen Spenden-Überweisungsträger bei und bitten um Ihre Hilfe, das Erika-Milee-Stipendium, welches nicht wohlhabenden Tänzern die Ausbildung ermöglicht, zu unterstützen. Sie alle, welche die Vorstellungen besuchen, sehen ja das positive Resultat. Wir bedanken uns schon jetzt bei Ihnen für Ihre Großzügigkeit.

Wir haben bereits für den 21. November eine Tagesfahrt nach Berlin am 21. November 2015 zur Nachmittagsvorstellung von „THE WYLD“ Nicht von dieser Welt, eine Hommage an Berlin, arrangiert.

Abfahrt Shell-Tankstelle Dammtor-Bahnhof vor der Moorweide um 9:00 Uhr

Für uns ist von besonderem Interesse, dass Sofia Schabus (früher Bundesjugendballett) und Anita Tortorella (ehemals Ballettschule des HAMBURG BALLETT) als Tänzerinnen in der Show mitwirken. Außerdem ist Dan Revazov (Bruder von Edvin Revazov) im Friedrichstadt-Palast als Ballettmeister tätig.

Nun freuen wir uns auf die Reise nach Venedig. All’ denjenigen, die nicht mitfahren, wünsche ich schon jetzt einen erholsamen Sommer. Bis zum Herbst grüßt Sie

im Namen des Vorstands sehr herzlich

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Bundesjugendballett trifft DanceWorks Chicago

Meist tanzen sie an ungewöhnlichen Orten, mitunter aber auch in einem normalen Theater: John Neumeiers Junior-Compagnie und ihr US-amerikanisches Pendant aus Chicago. An zwei Abenden am 9. und 10. Mai begeistern die jungen Tänzer im Lichthof Theater vor ausverkauftem Haus. Für „Outside of the Box“ (deutsch: nicht in Schubladen denken) vermittelten sich beide Gruppen Stücke aus dem jeweiligen Repertoire gegenseitig, um schließlich ein gemeinsames Finale zu gestalten: Zu „Bachs Konzert für zwei Violinen in d-moll“ kletterten sie tatsächlich aus schwarzen Kisten und nahmen den Titel einmal wörtlich.

Das Publikum erlebte zehn kurze Werke in 80 Minuten mit 13 Tänzern und drei Musikern. Zuvor tobten sie wie übermütige Kinder, durchlitten eine Menage à Trios auf einer (mit)tanzenden Holzbank, verloren sich in Fantasien oder baten unvermittelt Zuschauer um Hilfe: In der ersten Reihe wurden stützende Hände gebraucht, damit die Beine der Tänzer in alle Richtungen fliegen konnten. Nur vier Tage Zeit hatten die Nachwuchstänzer aus beiden Kontinenten, um das eigenwillige und großartige Programm auf die jungen Beine zu stellen.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Ballett-Werkstatt zu „Peer Gynt“ am 14.06.2015

Das Gefühl ist nicht neu: Beim Verlassen der Oper am Sonntagmittag denkt man, soeben die beste Ballett-Werkstatt aller Zeiten erlebt zu haben! Und das passiert immer wieder… Doch dieser Vormittag war so besonders, weil dem Publikum alte Filmausschnitte aus Proben und Aufführungen von „Peer Gynt“ zur Zeit seiner Entstehung Ende der 1980er Jahre gezeigt wurde. Einfach sensationell!

Persönlicher als sonst sprach John Neumeier über „Peer Gynts Heimkehr“, die Neufassung seines Balletts nach Henrik Ibsens Roman, die zwei Wochen später die 41. Hamburger Ballett-Tage eröffnen sollten. Der Titel der 210. Ballett-Werkstatt war programmatisch: Peer Gynt kehrt nach Hamburg zurück – und ist ein anderer. Alle seine Werke, so bekennt der Choreograf, nimmt er immer wieder „unter die Lupe“ und überlegt, „ob es anders sein könnte“.„Peer Gynt“ erging es bei der diesjährigen Wiederaufnahme nicht anders, 26 Jahre nach der Uraufführung.

John Neumeiers persönliche Reise zu Peer Gynt begann in den 1960er Jahren, als er sich für Kostümentwürfe zu interessieren begann. Damals habe sein Lehrer und Mentor, Father John Walsh, „Peer Gynt“ als Schauspiel inszenieren wollen, (wozu es letzten Endes nie kam), und der Student begann, sich mit dem Text des norwegischen Dichters zu beschäftigen. Neumeier war fasziniert von der imaginären Welt, die sich dort auftat. Aus dem Jahr 1981 stammen dann erste Notizen, die einen Ablauf und den Entwurf für ein Ballett festhalten, darin heißt es unter anderem: „Am Ende ist gar nichts drin!“ John Neumeier erläutert, dass sich dieser Satz auf die Metapher vom Schälen einer Zwiebel bezieht – Peer sieht sich selbst so: Er hat viele Schichten, aber keinen Kern, im Innersten ist er leer. (Der Monolog wurde auf S. 104 des Programmheftes zu den Ballett-Tagen abgedruckt). Und diese Metapher sei wunderbar mit einer Gruppe von Tänzern darzustellen.

Peer Gynts Gegenüber ist Solveig. Auf einer Hochzeit kommt es zur ersten Begegnung, und die hinterlässt auf beiden Seiten einen so starken Eindruck, dass sie die Basis für die lebenslange, jedoch nie ausgelebte Beziehung wird. Und da Peer Solveig zunächst nicht haben kann, entführt und vergewaltigt er die Braut, benimmt sich wie ein brutales Kind – wenn er das eine Spielzeug nicht haben darf, nimmt er sich ein anderes, und das macht er aus boshaftem Trotz kaputt, kommentiert Neumeier. Im Schnelldurchlauf erzählte er dann den weiteren Lebensweg des Protagonisten: Solveig verlässt ihre Eltern, um mit dem von der Gesellschaft ausgestoßenen Peer zu leben. Peers Mutter stirbt, er wandert aus in die USA und wird dort reich; doch nachdem sein Imperium zusammenbrach, kehrt er nach Norwegen in die Heimat zurück. Dort trifft er auf den sogenannten Knopfgießer, eine Todesfigur; dieser macht ihm den Vorschlag, „aus seinem Material einen neuen Menschen zu gießen, denn er sei nur mittelmäßig,“ da würde es sich lohnen, ihn zu recyceln. Doch Peer ist nicht mittelmäßig, weil Solveigs Liebe ihn zu etwas Besonderem macht, so John Neumeier.

Um den vielschichtigen Charakter Peers darzustellen, wird die Figur nicht nur von einem Tänzer verkörpert – in dieser Neufassung von Carsten Jung – sondern um personifizierte Aspekte bereichert. Die in der Uraufführung sieben reduziert Neumeier 2015 auf vier Aspekte: Unschuld, Vision, Aggression und Zweifel. Jeder der Aspekte hat eigenes Bewegungsmaterial, das Peer nach und nach übernimmt. Auch den Anfang änderte der Choreograf: Begann früher die Geburt in Stille, so fängt es in der aktuellen Fassung direkt mit Alfred Schnittkes Musik an.

Für die geplante Uraufführung hatte Neumeier Pina Bausch eingeladen, die Rolle der Mutter zu tanzen, doch sie lehnte ab. Am 29. Oktober 1988 begann er mit der ersten Probe und dem Bild der unschuldigen Solveig vor Augen, die etwas ungelenk und stolpernd in die Welt geht.

Alina Cojocaru war am Tag vor der Ballett-Werkstatt aus Tokio nach Hamburg gekommen und direkt vom Flughafen zur Probe ins Ballettzentrum gefahren, um als Solveig mit ihrem Peer alias Carsten Jung zu proben. „Diese erste Begegnung muss etwas sehr Einmaliges, Besonderes sein, hinter der vordergründigen Unbeholfenheit passiert etwas Tiefes“, erläutert der Choreograf seine Sicht. Alfred Schnittke komponierte für die Hochzeitsszene eine volkstümliche Musik, die äußerst komplizierte Rhythmen hatte und auf einer musikalischen Phrase von zehn Zählzeiten basiert – eine Herausforderung für die Tänzer. „Fantastisch“ nennt John Neumeier diese Komposition, zu der er einen Volkstanz entwarf. Ebenfalls eingebaut hat er eine Sequenz, die einen norwegischen Brauch zeigt: In einer Art Geschicklichkeitsspiel versuchen Männer im Sprung mit ihren Füßen einen Hut von einer Stange zu treten.

Natürlich bleibt auch vieles von der ursprünglichen Choreografie erhalten, denn mitunter stellt der Choreograf sachlich fest: „Ich kann es nicht besser machen!“ Er erinnert sich, im Zuge der Vorbereitungen Wanderungen durch die Berge Norwegens gemacht zu haben; Henrik Ibsen sei davon überzeugt gewesen, dass Peer Gynt tatsächlich gelebt habe. Untrennbar mit der Bergwelt verbunden sind die Trolle. Hierzu zitiert John Neumeier ein weiteres Mal Ibsen, der sagte, Peer Gynt kämpfe sein Leben lang mit dem Troll in sich, mit dem Bösen. Und stellt einen zusätzlichen Bezug zur historischen Situation in Skandinavien her: Norwegen habe sich im 19. Jahrhundert geweigert, Dänemark militärisch zu helfen, trotz einer Koalition der Skandinavischen Länder; das habe Ibsen sehr verärgert, der die „sich selbst genügende, satte bürgerliche Haltung“ seiner Landsleute verurteilte. Auch die Trolle sind sich selbst genug, träge und einfältig. Für diese Sequenz komponierte Alfred Schnittke Musik „wie eine warme Dusche, eine Melodie zum Mitsummen, die nirgendwohin führt“, so John Neumeier.

„Das Schwierige an solch einem epischen Werk: Wo setzt man Akzente?“ Fragte John Neumeier rückblickend und rhetorisch. Peer Gynt tanzt in den USA in Musical-Theatern vor, wird engagiert und hetzt von einer zur nächsten Produktion. „Stress und Druck werden immer größer, der gleiche Mensch zeigt plötzlich ein anderes Gesicht. Auch in Filmen wirkt er erfolgreich mit und trifft den Filmstar „Anitra“, setzte John Neumeier seine Erläuterungen fort. Doch nur zwei Wochen vor der Uraufführung fiel den Beteiligten damals auf, dass die Figur der Anitra keine Musik hatte, die sie vorstellt und porträtiert; „und dann schrieb Alfred Schnittke in wenigen Tagen ein musikalisches Porträt, eine Mischung aus Sinnlichkeit und Virtuosität“, erzählt John Neumeier mit Begeisterung für die Leistung des Komponisten.

Das Sensationelle dieser Ballett-Werkstatt bildeten die Filmbeispiele aus dem Archiv, die auf eine bühnenhohe Fläche projiziert wurden: Die Geburt Peers war zu sehen und Ivan Liska in Proben zum rhythmisch anspruchsvollen Volkstanz – allesamt Aufnahmen aus der Urfassung des „Peer Gynt“, so dass das Publikum im Nacheinander von gefilmtem Werk und heutiger Fassung im direkten Vergleich die Änderungen wahrnehmen konnte. „Dazu stelle ich Ihnen gleich ein paar Fragen...“ scherzte John Neumeier als Moderator mit dem Publikum.

Am Ende steht der Pas de deux von Peer und Solveig, die sich früh für ihn entschieden hat und ihr ganzes Leben mit Warten verbrachte. Und mit den Worten „Warten ist auch Erfüllung“ beschließt John Neumeier diese gerade durch die alten Filmsequenzen aus den 1980er Jahren so einmalige Ausgabe einer Ballett-Werkstatt an diesem Sonntagvormittag. Dieses Mal aber wirklich: Es war die beste Ballett-Werkstatt! Bis zum nächsten Mal…

[Dagmar Ellen Fischer]

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Buchvorstellung und Gespräch mit Jürgen Rose

Als einen Bühnenbildner „ohne Verfallsdatum“ stellte die Autorin Sibylle Zehle den Künstler Jürgen Rose in der Stifter Lounge der Hamburgischen Staatsoper dem Publikum vor. Auf dem Podium initiierte Marjetta Schmitz-Esser eine lebendige Gesprächsrunde mit ihr, Jürgen Rose und John Neumeier. Die beiden Letztgenannten verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Nicht ganz so lange schrieb die Münchener Journalistin an der umfangreichen, großformatigen und reich illustrierten Würdigung, die an jenem Abend auch käuflich zu erwerben war.

Jürgen Rose erzählte, dass sein erster Vertrag am Theater in Darmstadt auf „Schauspieler und Bühnenbildner“ ausgestellt wurde; nach der ersten Spielzeit hatte er nur drei Rollen gespielt, aber deutlich mehr Entwürfe abgeliefert! Von dort wechselte er nach München, wo er erstmals John Cranko traf. Es kam zur Zusammenarbeit für „Romeo und Julia“, das allerdings in Stuttgart aufgeführt wurde. Dort fand auch die erste Begegnung zwischen dem Bühnenbildner und John Neumeier statt, „in der Garderobe, ich im Renaissancekostüm“, erinnert sich der Choreograf, der damals noch Gruppentänzer beim Stuttgarter Ballett war. „Anproben finden Tänzer lästig“ gesteht er freimütig, „es kommen Stecknadeln!" Jürgen Rose war aufgeregt, aber dieser Fanatismus, dieser Perfektionismus entsprach mir sehr.“ Wirklich verbunden habe sie dann die gemeinsame Arbeit an „Der Nussknacker“, Neumeier deutete den Klassiker gänzlich neu, und Rose war der perfekte Partner, der riet: „Lass’ uns das mal optisch auch ganz anders machen!“ Auch an den nächsten Klassiker nähern sie sich aus einer Perspektive, die viel gemeinsam hat: Für „Illusionen - wie Schwanensee“ haben sie den gleichen Blickwinkel auf diesen düsteren „Rohbau eines Schlosses, das Ludwig II. zum Gefängnis wurde“.

Jürgen Rose hat eine klare Einstellung zu seinem Schaffen: „Man ist nicht das Wichtigste am Theater. Maßstab ist immer das, was machbar ist. Dem Menschen, der eine Rolle spielt, muss man helfen, Diener sein.“ Von Marjetta Schmitz-Esser zur Quelle der erlesenen Stoffe seiner Kostüme befragt, versicherte er, dass er sich überall umschaue, täglich von früh bis spät, immer auf der Suche nach Materialien. Und manchmal müsse es eben so etwas wie Organza sein, „die dünnste, reine Seide, auch wenn das Kleid nach der Vorstellung zerrissen ist…“

Im Gegensatz zur Choreografie erfährt das Bühnenbild zu „Peer Gynt“ keine Änderungen. „Auch in Bayern kommt man sich nordisch vor“, denn zu den blauschwarzen Bergen im zweiten Bild inspirierte ihn die bayerische Natur. John Neumeier habe noch seine kapriziösesten Entwürfe akzeptiert.

Abschließend weist Marjetta Schmitz-Esser auf die Ausstellung hin, die noch bis zum Oktober in München zu erleben ist. „Mit 200 Kostümen!“ Ergänzt ein seufzender Jürgen Rose, „so etwas mache ich nie wieder!“

[Dagmar Ellen Fischer]

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41. Hamburger Ballett-Tage

Der zurückgekehrte „Peer Gynt“ ist tatsächlich ein ganz anderer: Der Erste Solist Carsten Jung interpretiert die Figur auf völlig neue Weise und stellt andere Seiten dieses vielschichtigen Charakters in den Vordergrund. Mit Gaststar Alina Cojocaru harmoniert er bestens, die beiden erinnern in ihrer Bühnenpartnerschaft an jenes Paar, das sie in „Liliom“ bereits erfolgreich verkörperten. Laura Cazzaniga und Ivan Urban sorgten als Solveigs Eltern für ein erfreuliches Wiedersehen auf der Bühne. In drei Rollen (als Ingrid, die Grüne und Anitra) zeigte sich Carolina Agüero sehr wandelbar als weiblicher Gegenentwurf zu Solveig.

Zum ersten Mal in Hamburg war das HOUSTON BALLET, die diesjährige Gast-Compagnie. Mit drei je halbstündigen Choreografien des künstlerischen Leiters, des Australiers Stanton Welch, zeigte sich das US-amerikanische Ensemble auf höchstem technischen Niveau. Makelloser Tanz und eine große Musikalität zeichnete alle drei Werke aus. Keine Handlungsballette, sondern virtuos getanzte Stimmungen brachte die fünftgrößte Compagnie der USA in die Staatsoper.

Fünfeinviertel Stunden dauerte die Nijinsky-Gala am 12. Juli. Wie immer als Retrospektive der Saison konzipiert, stand sie 2015 unter dem Motto „Geist der Romantik“. Neben Ausschnitten aus Choreografien des Repertoires, waren aufregende Gäste zu erleben: Svetlana Zakharova vom BOLSCHOI BALLETT tanzte „Die Kameliendame“ mit Edvin Revazov als Armand, in dieser Besetzung war John Neumeiers Handlungsballett in Moskau einstudiert worden. Vom NATIONAL BALLET OF CHINA überraschte ein Tanzpaar mit zwei unterschiedlichen Pas de Deux': „Linen Braids“ entpuppte sich als atemberaubender Dialog, und „How Beautiful is Heaven“ berührte durch die Thematik vom Lebensende und dem sensationellen Ausdruck der beiden Tänzer. Zur Ära des romantischen Balletts gehören unbedingt die Namen von Marie Taglioni und Fanny Elßler; letztere wurde mit „La Cachucha“ berühmt und ging als heidnische Tänzerin in die Geschichte ein, in der Gala erweckte Yaiza Coll den spanischen Tanz mit Kastagnetten zu neuem Leben. Gegnerin Taglioni machte vor fast 200 Jahren als „La Sylphide“ im gleichnamigen Ballett den Spitzentanz populär, Alina Cojocaru verwandelte sich in das weibliche Fantasiewesen. Nicht ohne Tränen verabschiedete sich der Erste Solist Otto Bubenícek vom HAMBURG BALLETT und einem Publikum, das ihm Standing Ovation darbrachte. Ein letztes Mal war er als Vaslaw Nijinsky in John Neumeiers „Le Pavillon d’Armide“ zu sehen.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Letzte Aktualisierung: 12.11.15, [ddd]