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Gekürzte Fassung des Rundschreibens vom Mai 2017

Themenübersicht


Liebe Ballettfreunde,

nun melden wir uns wieder nach längerer Pause.

Gerade ist eine Gruppe unserer Mitglieder von einer überaus informativen und gelungenen Reise nach Straßburg und durch das Elsass zurückgekehrt. Unsere Teilnehmerin Frau Behr wird ihre Eindrücke in diesem Rundschreiben schildern. Was meinen Teil betrifft, möchte ich erwähnen, dass die beiden Tanzaufführungen in der Oper von Straßburg, die wir sehen konnten, sehr beeindruckend waren. Das Motto der Theatersaison lautet „Europa, weit entfernt von Europa“. Darauf bezogen sich auch die Werke der zwei israelischen Choreografen, nämlich Gil Carlos Harush und Ohad Naharin.

Das erste Stück, „The Heart of my Heart“, wurde choreografiert von Harush, das zweite und dritte „George & Zalman“ sowie „Black Milk“ von Naharin.

Am nächsten Tag sahen wir die bewegende Geschichte „Die ewige Liebe“ nach einer chinesischen Legende mit ausschließlich chinesischen Darstellern, die vorlasen, sangen und tanzten. Die Fremdartigkeit und Perfektion der Darstellung haben uns beeindruckt.

Erfreulicherweise sind wir zur Bühnenprobe von John Neumeiers Beethoven-Projekt in die Hamburgische Staatsoper eingeladen.

Nicht vergessen: Unsere jährliche Mitgliederversammlung am 29. Mai 2018 um 18:00 Uhr im Baseler Hof

Auf ein baldiges Wiedersehen freut sich mit herzlichen Grüßen

Ihre Marjetta Schmitz-Esser

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Bericht von der Reise nach Straßburg

Am 19. April morgens um 9:00 Uhr war der Treffpunkt am Terminal 2, Flughafen „Helmut Schmidt“ in Hamburg vereinbart. Frau Dreher, die Seele der Ballettfreunde, erwartete uns, wir durften umgehend einchecken. Mit ca. einer halben Stunde Verspätung starteten wir in unseren Frühsommer, zunächst nach Stuttgart. Der Flug und die Gepäckausgabe verliefen reibungslos, und dann erwartete uns – Albert – unser kerniger, freundlicher, entspannter Busfahrer für sechs Tage. Für 24 Teilnehmer wurde uns ein großer Bus für die ganze Zeit zur Verfügung gestellt, äußerst komfortabel.

Am frühen Abend erreichten wir Straßburg, diese alte, schöne, im Krieg fast unzerstörte Stadt. Unser Ziel, ein zentral gelegenes Ibis Hotel, erreichten wir auf einigen Umwegen (viele Baustellen), sodass wir bereits einen Eindruck von Straßburg bekamen, unsere erste kleine Stadtrundfahrt. Im Hotel gut angekommen, empfingen uns Frau Jessenberger und Frau Schmitz-Esser. Frau Jessenberger verteilte umgehend die Schlüsselkarten an uns, wir wohnten im 1. Stock und die beiden Damen hatten für uns alle! im Marco Polo Restaurant auf der Terrasse an einem der Ill-Kanal-Arme in Hotelnähe reserviert. Wir wanderten über den Vaubandamm, mit Blick auf die gedeckten Brücken. Die sommerlichen Temperaturen erlaubten uns – für mich das erste Mal in diesem Jahr – abends köstlich draußen zu speisen.

Nach einem leckeren, lockeren Frühstück am nächsten Tag ging es um 9:00 Uhr, bei hochsommerlichen Temperaturen, los zu einer ausführlichen Stadtrundfahrt. Albert chauffierte, und eine Stadtführerin gab uns einen Einblick in die Geschichte und vielfältige Architektur Straßburgs. Wir passierten wunderschöne Parkanlagen, besonders charmant fanden wir die Straße am Parc de L’Orangerie, gesäumt von gestutzten Platanen, auf jeder Platane gastierte mindestens ein Storch, hin und wieder waren es zwei. Le Corbusier hat einmal gesagt, in Straßburg würde sich das Auge nie langweilen. Der Kulturetat Straßburgs ist nach Paris der zweitgrößte Frankreichs: eine Oper, ca. 20 Theater, darunter das einzige Nationaltheater außerhalb von Paris, neun Museen, Konzertsäle für neue Musik, Jazzclubs etc. bieten ein reichhaltiges, kulturelles Angebot.

Danach ging es weiter zu Fuß, am Rabenhof vorbei, eine der ältesten Herbergen Straßburgs, durch das Gerberviertel, Petite France, mit dem bedeutendsten Gebäude dort, dem Haus der Gerber, Maison des Tanneurs, bis zum Münsterplatz, Place de la Cathédrale, mit dem schönsten Fachwerkhaus in Straßburg, Haus Kammerzell, gegenüber dem Münster. Das Münster ist eindrucksvolle 142 Meter hoch. Nur jenes in Ulm und der Dom in Köln sind höher. Nachdem uns unsere Stadtführerin das Wichtigste über das Münster erzählt hatte, durften wir die schöne Stadt auf eigene Faust erkunden, z. B. die 329 Stufen auf den Turm des Münsters steigen und die fantastische Aussicht genießen.

Abends ging es dann im Bus zur Oper ins Ballett: Ballet de L’Opera national du Rhin. Aus der Reihe „Plus Loin L’Europe“ – „weiteres Europa“: Israel. Die Choreographen: Gil Carlos Harush.

Ohad Naharin, Kopf der Batsheva Dance Company und Mr. GAGA. Harush zeigt die Vitalität des israelischen Tanzes, der formalen Anspruch und Dynamik vereint. Naharin hat eine komplett neue Bewegungssprache entwickelt, „GAGA“. Er ist ein Revolutionär des Modern Dance und zeigt das fantastisch mit dieser französischen Compagnie. Wir waren hingerissen.

Sonnabendvormittag kutschierte Albert uns wieder bestens gelaunt zur Oper, im Salle Bastide gastierten chinesische Künstler, die Mezzo Sopranistin Fan Xie, der Pianist Maxime Georges, der Violinist Guo Rui, die beiden Tänzer Renjie Ma und Dongting Xing und der Rezitator Miao Zong. Sie bezauberten uns eine gute Stunde mit „L’Amour Éternel“ – „Ewige Liebe“. Wir hatten danach Zeit, bei herrlichem Sommerwetter durch Straßburg zu bummeln, zu relaxen. Um 15:00 Uhr ging es mit der „La Belle Strasbourgeoise“, einem überdachten Boot, durch Straßburgs Wasserstraßen, all die Schönheiten aus neuer Perspektive.

Sonntag stand Colmar auf dem Programm, Albert chauffierte und Ida Müller aus Freiburg erzählte uns während der Fahrt Geschichtliches über das Elsass. In Colmar besuchten wir das „Museum Unterlinden“, ein mittelalterliches Kloster der Dominikanerinnen mit dem „Isenheimer Altar“ von Matthias Grünewald, den uns Frau Müller wunderbar erklärte.

Eine Stadtführung mit Frau Müller rundete unseren Besuch in Klein Venedig – Colmar, am Fuß der Vogesen ab. Weiter ging es mit Albert über die Weinstraße, Ribeauville, Grand Cru Weinfelder, schließlich Riquewihr, im Maison Zimmer gab es eine Weinprobe mit köstlichen Weinen. Etwas angeheitert reisten wir mit einem nüchternen Albert zurück nach Straßburg.

An unserem letzten Morgen war das schöne Wetter vorbei, aber der Regen hielt sich in Grenzen. Wir fuhren auf den Odilienberg. Wieder begleitete uns Frau Müller und erzählte die Geschichte der heiligen Odilia. Die Aussicht von dort war traumhaft, ebenso die Stimmung, ein bisschen magisch. Weiter ging es über Obernai auf die Königsburg, mit Frau Müller an unserer Seite. Nun waren wir sehr gespannt auf das Europaparlament, Frau Jessenberger hatte extra unsere Daten abgerufen und dorthin übermittelt. Wir verabschiedeten uns von Frau Müller, an der Schranke wurden wir lässig kontrolliert, Albert, obwohl nicht angemeldet, durfte uns ohne Probleme begleiten. Das riesige Gebäude war fast leer, ein bildhübsches, weibliches Wesen empfing uns, sie hatte uns ausgesucht, da sie zehn Jahre in Hamburg gearbeitet hatte. Die junge Dame war dann etwas enttäuschend, sie glänzte durch Nichtwissen und ein leises Stimmchen. Wir nahmen es mit Humor, schließlich kommt man nicht alle Tage in den Plenarsaal des Europaparlaments.

Frau Jessenberger hatte am letzten Abend für unsere Gruppe im Restaurant unseres Hotels reserviert. Wir tafelten gemütlich und lecker, Frau Schmitz-Esser referierte, von uns heiß ersehnt, über das chinesische Ballett vom Sonnabend. An der Hotelbar gab es dann noch Wodka und Crémant – á votre santé.

Wir starteten am Dienstag gegen 10:00 Uhr. Es wurde extra viel Zeit eingeplant, da wir nicht riskieren wollten (Baustellen, Stau), das Flugzeug zu verpassen. Frau Jessenberger und Frau Schmitz-Esser hatten Albert eingeweiht, falls genügend Zeit bliebe, gäbe es für uns noch einen Bonbon. Es klappte: Plochingen mit dem Hundertwasser-Haus – „Wohnen unterm Regenturm“.

Dann lieferte Albert uns ein letztes Mal wohlbehalten und pünktlich am Flughafen Stuttgart ab.

Vielen Dank, liebe Frau Jessenberger, liebe Frau Schmitz Esser, liebe Frau Dreher für eine perfekt organisierte, wunderbare Reise mit sehr netten Ballettfreunden.

Wir sind sehr gespannt, wo wir nächstes Jahr hinreisen werden, und freuen uns sehr darauf.

[Astrid Behr]

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„Erste Schritte“: 40 Jahre Ballettschule des Hamburg Ballett

Was schenkt ein Choreograf seiner Ballettschule zum Geburtstag? Eine Choreografie natürlich, dachte sich John Neumeier. Am 26. April begrüßte er als Moderator das Publikum in der ausverkauften Oper zur „Erste Schritte“-Aufführung der besonderen Art. Drei Stunden dauerte der kurzweilige Abend, der sich als zweiteilige (Geburtstags)Feier des Tanzes entpuppte: Vor der Pause standen beeindruckende Beiträge auf dem Programm, dass man zeitweise vergaß, gar nicht dem Ensemble des HAMBURG BALLETT zuzuschauen, sondern angehenden Tänzern; im zweiten Teil verbanden sich „40 Tänze für 40 Jahre“ zu einem bunten Strauß mit dem Titel „Beethoven Dances“ – die Überschrift könnte man auch lesen, als ob der Komponist selbst das Tanzbein schwingt.

Die Eröffnung der Ballettschul-Aufführungen ist immer eine solche im wahrsten Sinn des Wortes: Die Allerkleinsten öffnen die Herzen des Publikums unmittelbar. Ihr „Rhythmischer Spaß“ sei für einen Spaß eigentlich zu anspruchsvoll, so John Neumeier vorab. Stimmt: Farblich nach Größe sortiert, verblüffen die Jüngsten mit souveränen Wechseln zwischen 4/4- und 3/4-Takt, klatschen in die Hände und schlagen Klanghölzer, während sie tanzen. In der großen Mädchen-Schar bewegen sich (nur) sieben kleine Jungen in diesen Vorschulklassen, deren Auftritt Ann Drower liebevoll choreografierte.

„Dancers, what kind of piece do you want to create?“ Fragt eine Stimme aus dem Off. Sie gehört Stacey Denham, und die Schüler der beiden Theaterklassen beantworten sie mit ihrer Kreativität. Gemeinsam mit ihrer Lehrerein für Modernen Tanz und Komposition schufen sie ein sehr persönliches Stück, dem John Neumeier den Titel – und damit auch eine Richtung – gab: „To inspire, challenge and change a troubled world with our strength, humanity and commitment“. Ein Absolvent überrascht mit einem eigenen verbalen Statement, er erzählt vom Schlüsselerlebnis, das ihn veränderte und unweigerlich zum Tanz führte. Andere fragen sich, warum ein Tänzer alles in seinem Leben diesem instabilen, unberechenbaren Beruf opfert... Und dann geben sie gemeinsam eine überzeugende Antwort: Mit ihrem leidenschaftlichen, vor Lebensfreude sprühenden Tanz.

Ein Junge aus der 4. und zwei Mädchen aus der 3. Ausbildungsklasse (darunter die ältere Tochter von Carsten Jung) bewältigen den Pas de Trois aus „Der Nussknacker“ und ernten dafür die Bewunderung und reichlich Applaus vom Publikum.

Die „Bach Suite 2“, von John Neumeier 1980 für Mitglieder des Balletts der Bayerischen Staatsoper (!) choreografiert, war schon mehrfach in Hamburg zu sehen. Diese zukünftigen Tänzer indes stürzen sich in das komplexe Werk mit einer solchen Lust und Besessenheit im guten Sinn, dass man meint, diese Bewegungen zu Bachs Musik zum ersten Mal zu sehen.

Auch der nächste Ausschnitt sorgte für große Begeisterung: Schüler der 5. Ausbildungsklasse brillieren im Pas de Trois aus „Paquita“ (ausgerechnet den hatte ich einen Tag zuvor den Ballettfreunden im Baseler Hof im Film gezeigt), getragen von Ludwig Minkus’ inspirierender Musik. Das Finale schickte die Zuschauer dann gut gelaunt in die Pause: Vor Wolkenkratzer-Kulisse und zu Musik von Leonard Bernstein entsteht ein Tanzrausch „On the Town“!

Dann das eigentliche Geschenk des Abends: 40 Tänze zu Beethoven-Musik – „ein Marathon“, wie John Neumeier die rund 75 folgenden Minuten ankündigt. Zahlreiche Tänze habe der Komponist hinterlassen, da er häufig für Bälle Musik liefern musste. Neumeier selbst habe sich Unterstützung bei den Pädagogen seiner Schule geholt, da er – normalerweise für Erwachsene choreografierend – gar nicht wusste, was eine sehr kleine Tänzerin oder ein kleiner Tänzer können kann! Es folgen Kontretänze, Menuette, Wiener und Deutsche Tänze sowie ein Marsch – vierzig kurze, mit organischen Übergängen verbundene Auftritte, in denen sich die Altersgruppen mitunter wirkungsvoll mischen. Die siebenköpfige Jungen-Gruppe aus dem „Rhythmischen Spaß“ vom Anfang taucht nun mit einem eigenen Tanz auf: Sechs von ihnen folgen dem einstudierten Plan, doch einer tanzt choreografiert und mit gekonnter Komik aus der Reihe!

Knapp 200 Ballettschüler machten an diesem Abend „Erste Schritte“ auf der riesigen Opern-Bühne, darunter mehrere Kinder von Tänzern des HAMBURG BALLETT. Das Publikum konnte Talente entdecken und Bekanntes neu interpretiert genießen. Man sieht, welche technischen Standards unumgänglich und deshalb mit jeder neuen Tänzergeneration einzuüben sind, doch liegt darüber genug Freiheit und Individualität, sodass mitunter ein Grand Jeté wirkt, als sähe man es mit frischen Augen. Der wunderbare Abend ist während der diesjährigen Ballett-Tage noch einmal zu erleben: am 25. Juni um 19 Uhr.

[Dagmar Ellen Fischer]

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Kurznachrichten

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat mit Zustimmung der zuständigen Kommission des Senats den 2019 auslaufenden Vertrag mit Prof. John Neumeier als Ballettintendant und Chefchoreograf des Hamburg Ballett bis 2023 verlängert. Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, betonte: „Der nachhaltige Erfolg des Hamburg Ballett unter John Neumeier in Hamburg und seine internationale Strahlkraft beeindrucken immer wieder aufs Neue und sind ein guter Grund, die Erfolgsgeschichte Hamburg Ballett weiterzuschreiben.“ Prof. John Neumeier äußerte sich: „Meine geistige und physische Gesundheit erlaubt es mir, die Zukunft aktiv zu planen. Mit meiner Entscheidung, die Intendanz des Hamburg Ballett um vier weitere Jahre fortzuführen, löse ich vielfältige Erwartungen ein, auch von unseren renommierten Gastspielpartnern in Tokio, Moskau und Wien. Das Hamburg Ballett setzt zuallererst Impulse für das Kulturleben seiner künstlerischen Heimat Hamburg. Daneben hat es sich unter meiner Leitung zu einer festen Größe in der internationalen Ballettszene entwickelt. Diese ehrenvolle Aufgabe gemeinsam mit Lloyd Riggins als Stellvertretendem Ballettdirektor bis 2023 fortzuführen, bedeutet mir sehr viel.“

„Aus der Nähe“ kann das Publikum dem Bundesjugendballett erneut zuschauen. Vom Training über die erste Probe bis zur Vorstellung – Elemente, die den Alltag einer Ballettcompany definieren, bleiben dem Publikum meist verborgen. Das Bundesjugendballett und sein künstlerischer Leiter Kevin Haigen öffnen die Türen zu ihrem Alltag und geben an drei Abenden Einblicke in ihr vielfältiges Repertoire sowie in den Entstehungsprozess neuer Werke mit Gastchoreograf Edwaard Liang.

25.5. 19:00 Uhr, 26.5. 20:00 Uhr, 27.5. 17:00/19:30 Uhr, Lichthof Theater, Mendelssohnstr. 15, Karten unter Tel. 01806 700 733

[Dagmar Ellen Fischer]

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Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise

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Letzte Aktualisierung: 09.06.18, [ddd]