Eine Uraufführung und drei Premieren beim Hamburg Ballett, „Fast Forward“ am 22. Februar 2026
„Fast Forward“ am 22. Februar 2026
Schnell in Richtung Zukunft bewegt sich das Hamburg Ballett. Die Atmosphäre hat sich gewandelt, seit Demis Volpi – John Neumeiers Nachfolger – die Company nicht mehr leitet. Doch die Planung der aktuellen Spielzeit fiel noch in seine Verantwortung. Und so steht die aktuelle Premiere „Fast Forward“ unter einem besonderen Stern: Drei Werke des vierteiligen Abends lud Volpi ein, eine Choreografie nahm Lloyd Riggins ins Programm auf. Der ehemalige Erste Solist leitet das Hamburg Ballett zurzeit interimsmäßig als Ballettdirektor.
Es sei sinnlos, so Riggins, traurig zu sein über den Verlust jener Tänzerinnen und Tänzer, die das Ensemble verließen. Er könne sich glücklich schätzen, eine derart wunderbare Company heute leiten zu dürfen. Von ihm kam die Idee, den Abend mit „Serenade“ beginnen zu lassen, einem Werk von George Balanchine aus dem Jahr 1935, das eng mit der Gründung einer Ballettschule in New York City verbunden ist. Seinerzeit kreierte der legendäre Choreograf für den Nachwuchs – und so kam es zur ungewöhnlichen Zahl von 17 Tanzenden, für die er eine symmetrische Ausgangsformation finden musste: Er wählte die doppelte Rautenform plus Mittelpunkte – eine geniale Lösung, die Tanzgeschichte schrieb. In der halbstündigen Choreografie zu Tschaikowskys „Serenade für Streicher in C-Dur Op. 48“ verwandelt Balanchine in Tanz, was ihm die Musik erzählt: Durch den Titel der Komposition ist die abendliche Stimmung vorgegeben, und so kreiert Balanchine Bewegungen im Mondlicht; gleichzeitig verlangt er von den angehenden Tänzern jenes Vokabular, das sie im künftigen Beruf beherrschen müssen – sie bewältigen eine Art praktisches Nachschlagewerk des Balletts, eine Handlung ist entbehrlich.
Die von Demis Volpi geschlossenen Verträge für die drei folgenden Werke konnten nicht mehr rückgängig gemacht werden, ansonsten wären hohe Ausfallhonorare fällig gewesen. Nach der ersten Pause zeigt Marcos Morau eine Neufassung seines 2023 uraufgeführten „Totentanz“ für drei Akteure. Choreografisch ist es der schwächste Beitrag des Abends: eine einzige Idee – gerissene, ruckartige Bewegungen auf akustische Impulse zu setzen – wiederholt er konsequent. Der wenig substanzielle Ablauf findet in schwarzen Kostümen auf sehr dunkler Bühne statt, teilweise unter einer tief hängenden, die Augen blendenden Neonlampe, so dass Publikum von höheren Rängen kaum etwas erkennen kann.
Deutlich vielschichtiger dagegen die choreografische Handschrift von Angelin Preljocaj. Der Franzose ließ mit „Annonciation“ einen wichtigen, in der Bibel überlieferten Moment lebendig werden: Jenen, in dem ein Engel Maria mitteilt, dass sie Jesus zur Welt bringen wird – die sogenannte Verkündigung – und macht daraus einen differenzierten Dialog zweier weiblicher Ikone des Christentums.
„The Moon in the Ocean“ setzt als Uraufführung den Schlusspunkt. Die chinesische Choreografin Xie Xin lässt zwei weibliche Monde tanzen, über und in einem großen Meer aus männlichen Tänzern. Fließende Bewegungen dominieren: Aufwallen und Vergehen einer Brandung am Strand, organisches Wogen und das Motiv der sich im Wasser spiegelnden Himmelskörper. Souverän bewältigt das Ensemble die völlig neue Körpersprache.
[Dagmar Ellen Fischer]